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Fachbeitrag

Welches SDG eignet sich für die Arbeit mit Jugendlichen?

08.04.20

Diese Frage bildet die Grundlage des gemeinsamen Auseinandersetzungsprozesses zwischen Partner*innen, für einen Antrag über die Förderrichtlinie weltwärts-Begegnungen. Die Schwierigkeit besteht oftmals in der Festlegung auf ein SDG noch bevor die Jugendlichen sich an der Auswahl beteiligen können.

Amanda Steinborn

Die Besonderheit der kulturellen Bildung besteht in dem Anspruch partizipative Prozesse über künstlerische Methoden gemeinsam zu gestalten, dies mag einer thematischen Festlegung im Vorfeld widersprechen, für eine Förderung ist dies jedoch unabdingbar.


Metathemen sind nicht unbedingt nah an der Zielgruppe
Die vorab Überlegungen vieler Träger*innen gehen aus diesem Grund häufig in die Richtung eins der 17 Nachhaltigkeitsziele auszuwählen welches ausreichend Spielraum für die Jugendgruppen lässt, um eine Mitgestaltung zu ermöglichen. Dieser Gedanke ist prinzipiell nicht verkehrt, als BKJ haben wir im Laufe unserer Beratung jedoch festgestellt, dass dabei häufig eine Tendenz zu Metathemen wie bspw. dem SDG 4 „Hochwertige Bildung“ besteht.
Die Begründung liegt oft in der Durchführung der eigenen Arbeit, welche bereits als Bildungsarbeit wahrgenommen und somit als Legitimation für die Auswahl herangezogen wird. Die Förderrichtlinie weltwärts-Begegnungen zielt jedoch auf die konkrete Auseinandersetzung mit einem SDG ab, was in diesem Fall bedeutet, dass die Jugendlichen sich mit den Möglichkeiten einer nachhaltigen Bildung bzw. Bildungssysteme auseinandersetzen müssen. In vielen Fällen ist dies fern ab ob den Interessen der Jugendliche, welche sich häufig an alltäglichen Bedürfnissen orientieren.

Darüber hinaus besteht die Gefahr sich bei der Auswahl ausschließlich auf die Überschriften zu konzentrieren.
Jedes der 17 Ziele ist in mehrere Unterpunkte untergliedert, ein kurzes Eintauchen in die Lektüre lohnt sich, denn oft verstecken sich interessante Themen im Detail. So haben die Ziele 14 „Leben unter Wasser“ und 15 „Leben an Land“ schwammige Titel, welche nicht unbedingt vermuten lassen, was dahintersteht. Tatsächlich ist hier die Auseinandersetzung mit der Verschmutzung der Ozeane oder der Gefahr von Überfischung ebenso Sorge getragen, wie eine fortwährende Entwaldung unseres Planeten und die damit einhergehenden Folgen für Gesundheit und der Verlust von Biodiversität. Dies können Themen sein, die es den Jugendlichen ermöglichen globale Phänomene auf die eigene Praxis zu übersetzen (bspw. bei der Befreiung eines Strandes von Plastik oder der Mithilfe bei der Wiederaufforstung im lokalen Forst).


Für die Antragsteller*innen können folgenden Fragestellungen bei der Aushandlung eine Hilfestellung bieten, um eine möglichst Teilnehmenden orientierte Auswahl zu treffen:
•    Aus welchem Kontext stammen die Teilnehmenden der Begegnung voraussichtlich?
•    Welche Erfahrungen haben wir bereits mit der Zielgruppe gemacht?
•    Welche thematischen Projekte sind in der Vergangenheit auf besonders großes Interesse gestoßen?
•    Was sind Interessen, die in der Vergangenheit zwischen den Zeilen deutlich wurden, ohne in einem Projektrahmen vorgegeben zu sein?

Mindestens ebenso wichtig ist es jedoch auch die Perspektive der Durchführenden mit in den Blick zu nehmen:
•    Welches Interesse haben wir als Durchführende und Organisator*innen?
•    Wofür können wir uns begeistern? Bei welchem Thema springt der Funke über?
•    Gibt es ein Thema, dass für unsere Einrichtungen besonders spannend ist als verbindendes Element?


Die Auswahl des SDG´s kann demnach nach unterschiedlichen Kriterien geschehen:
•    Lebensweltorientierung und Nähe zum Alltag der Jugendlichen
•    (strategische) Verbindung der Partner*innen Organisationen
•    Thematische Auswahl nach Interesse der durchführenden Personen
Alle diese Standpunkte sind legitim und können das Projekt und die Zusammenarbeit auf die ein oder andere Art und Weise beflügeln. Wichtig ist es hier sich bewusst zu machen auf welcher Grundlage entschieden wird, um Erwartungen nicht zu vermischen. Bei jeder Herangehensweise gilt weiterhin: alle Entscheidungen sollen von den Partner*innen gemeinschaftlich getroffen werden, um bereits von Beginn an eine gemeinsame Basis zu schaffen, die Grundlage für eine langfristige und vertrauensvolle Zusammenarbeit sein kann.


Auf die Umsetzung kommt es an
Egal für welches der Nachhaltigkeitsziele Sie sich entscheiden, die (künstlerische) Bearbeitung liegt ihr Ihrer Hand. Eine Annäherung an das Thema über Input und Wissensvermittlung liegt zwar in vielen Bildungskontexten nahe, die kulturelle Bildung bietet jedoch den Vorteil aus den (körperlichen) Erfahrungen und Assoziationen der jungen Menschen gestalten zu können. So kann das Erforschen des Themas, ebenso wie die Fokussierung auf bestimmte Teilbereiche, in die Hände der Teilnehmenden gegeben werden. Es empfiehlt sich dabei die Vorbereitungsphase vor der Begegnung auf beiden Seiten intensiv für die Auseinandersetzung mit und den persönlichen/kontextuellen Bezug zum SDG sowie den Austausch darüber zu nutzen, um eine geteilte Handlungsgrundlage zu haben.
Die Begegnungen können zudem die Möglichkeit bieten Einblicke in die Realitäten des Themenfeldes vor Ort zu bekommen, um diese anschließend in künstlerisches Gestalten zu übersetzen. Dabei gilt es nicht zu sehr in die Theoretisierung eines bestimmten SDGs zu verfallen, sondern dieses als Handlungs- und Gestaltungsgrundlage für die thematische Auseinandersetzung zu nutzen.


Einige Praxisbeispiele finden sich hier.

 

Zitiervorschlag

BKJ: Welches SDG eignet sich für die Arbeit mit Jugendlichen?
https://www.bkj.de/was-ist-kulturelle-bildung/wissensbasis/beitrag/welches-sdg-eignet-sich-fuer-die-arbeit-mit-jugendlichen/
Remscheid und Berlin, .

  • UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs)

BKJ-Inhalt

Typo: 589

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Fon: +49 (0) 21 91 - 93 48 2 - 19Mail: witt@bkj.de

 

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