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Zwei fröhliche Mädchen
Was ist Kulturelle Bildung?

Gute Praxis machen

Woran man gute Angebote Kultureller Bildung erkennt

Damit eine gute Praxis der kulturellen Kinder- und Jugendbildung gelingt, müssen Bedingungen kulturpädagogischer, künstlerischer und struktureller Art erfüllt sein: die Prinzipien der Kinder- und Jugendkulturarbeit.

Pädagogisch-künstlerische Voraussetzungen für gute Praxis

Kulturelle Ausdrucksformen als Ausgangspunkt

Kulturelle, künstlerische oder spielerische Ausdrucksformen spielen eine bedeutende und zentrale Rolle. Von ihnen geht der Impuls aus, sie sind der Bezugsrahmen für das, was passiert. Das kann das Erproben und Aneignen von kulturellen Ausdrucksformen sein – also das Selbermachen – ebenso wie die Wahrnehmung von Kunst und Kultur und die Auseinandersetzung damit. Beides gehört zur Praxis Kultureller Bildung dazu.

Orientierung an Stärken und Interessen

In der kulturellen Kinder- und Jugendbildung stehen Stärken im Fokus: Was kannst du schon und was möchtest du noch entdecken oder dazulernen? Was kann jede*r Einzelne beitragen, um gemeinsam etwas zu gestalten oder zu erschaffen? Junge Menschen können sich mittels kultureller Ausdrucksformen mit Fragen und Themen beschäftigen, die sie interessieren oder bewegen. Die jeweilige analog-digitale Lebenswelt der Kinder- und Jugendlichen wird berücksichtigt, ihre Neugier und ihr Forscherdrang ernstgenommen und gestärkt. Auch mit welchen künstlerischen Mitteln, kulturellen Ausdrucksformen oder spielerischen Methoden gearbeitet wird, orientiert sich an den Interessen der beteiligten Kinder und Jugendlichen. Insbesondere finden solche Ausdrucksformen Raum, die durch die vielfältigen Hintergründe oder durch spezifische Jugendkulturen der Beteiligten selbst geprägt sind.

Freiwilligkeit und Partizipation sind grundlegend

Kinder und Jugendliche entscheiden sich freiwillig zur Teilnahme an einem Angebot oder Projekt der Kulturellen Bildung. Wenn – zum Beispiel in der Schule – eine Pflicht zur Teilnahme besteht, sollte eine Wahl aus unterschiedlichen Angeboten und Beteiligungsformen möglich sein. Die Teilnehmer*innen bestimmen so umfassend wie möglich über das Konzept, den Verlauf, die Themen und Fragen sowie die kulturellen Ausdrucksformen des Angebots oder Projekts mit. Kinder und Jugendliche werden als Partner*innen in einem spielerischen und ästhetischen Gestaltungsprozess wahr- und ernstgenommen. Sie gestalten die Praxis aktiv mit. Sie erleben im gemeinsamen Schaffen, dass sie etwas bewirken können. Sie werden darin bestärkt, eigene Positionen zu entwickeln, diese zu artikulieren und mit anderen in einen Dialog zu treten.

Körperlich, geistige und emotionale Erfahrungen wirken im Zusammenspiel

Kulturelle Bildungspraxis verbindet emotionale, intellektuelle, körperliche und soziale Erfahrungen miteinander. Im Besonderen spricht sie die sinnliche und ästhetische Wahrnehmung an. Sie ist geprägt von einem dynamischen Wechsel von geistiger und körperlicher Aktivität, von sprachlicher und nicht-sprachlicher Interaktion, von Sinneseindrücken auf der einen und Reflexion auf der anderen Seite.

Diversität als Normalfall – Inklusion als Standard

Die Praxis ist zugänglich und annehmbar für alle Kinder und Jugendlichen. Dazu gehört auch die Kommunikation über diese Praxis. Unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen, unterschiedlichen Bedürfnisse der Geschlechter und Altersgruppen sowie individuellen Fähigkeiten wird mit Offenheit und Wertschätzung begegnet. Diskriminierung wird aufgedeckt und entschieden bekämpft.

Die Individualität und die Unterschiedlichkeit der beteiligten Kinder und Jugendlichen bildet die Grundlage des gemeinsamen kulturellen Bildungsprozesses. Die Wertebasis der Praxis bilden die Menschenrechte und die Orientierung an der Menschenwürde. Vertrauen, Achtsamkeit und Respekt bilden die Grundlagen des Umgangs miteinander. Die Verantwortlichen und Beteiligten nehmen jedes Individuum in seiner Eigenständigkeit und seinen Äußerungen ernst. Machtverhältnisse und -beziehungen werden kritisch reflektiert.

Kinder und Jugendliche sind umfassend geschützt

Kinder und Jugendliche finden eine sichere Umgebung vor, in der sie vor Gewalt und allen Formen von Grenzverletzungen zuverlässig geschützt sind. Die Verantwortlichen sind aufmerksam für jede Gefährdung des Kindeswohls und gehen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen sexualisierte, physische und psychische Gewalt, Misshandlung und Verwahrlosung vor.

Mehr zum Thema: Dachverbandliches Schutzkonzept

Strukturelle Voraussetzungen für gute Praxis

Vielfalt der Sparten, Formate und Orte

Dass Kulturelle Bildung möglichst viele Menschen mit ihren individuellen Stärken, Interessen und Bedürfnissen anspricht und erreicht, ist gewährleistet, wenn es eine große Vielfalt an Sparten und Formaten sowie ein dichtes Netz an informellen, non-formalen und formalen Orten, Gelegenheiten und Angeboten gibt. Dazu gehören Kultureinrichtungen wie etwa Kunst- und Musikschulen, Museen, Bibliotheken und Theater ebenso wie (offenen) Jugendzentren, Kitas, Schulen und Einrichtungen des sozialen Bereiches. Kultur- und Bildungsorte sind nicht austauschbar, ebenso wenig wie ihre Akteure. Damit sie wirksam sind, müssen sie verlässlich und kontinuierlich existieren.

Qualifizierte und motivierte Fachkräfte

Nur gut ausgebildetes und unter gesicherten Bedingungen arbeitendes (kultur-)pädagogisches und künstlerisches Personal kann die Qualität von Angeboten der Kulturellen Bildung gewährleisten. Die unterschiedlichen Fachkräfte und Professionen haben jeweils spezifische Kompetenzen, um unterschiedliche Menschen ansprechen, zur Teilnahme
motivieren und in ihrem kulturellen Bildungsprozess begleiten zu können. Dabei wirken auch freiwillig Engagierte mit, denen Gelegenheit zur Qualifizierung gegeben wird.

Stimmigkeit von Konzept und Rahmenbedingungen

Die behandelten Themen und Fragen, (kultur-)pädagogisches und künstlerisches Fachwissen sowie Ort und Zeitstruktur müssen ein Gesamtkonzept bilden, das durch gute Rahmenbedingungen wie das Vorhandensein geeigneter Räumen,
Materialien und Technik untersetzt wird. Auch das ist Voraussetzung dafür, dass künstlerische Prozesse ihre Dynamik entfalten und Kulturelle Bildung gelingt.

Die BKJ setzt sich für gute Kulturelle Bildung in der Jugendarbeit ein, in Kultureinrichtungen und -vereinen sowie in Schulen und Kindertagesstätten. Alle, die sich in der Jugendarbeit, im Kulturbereich oder der Schule praktisch oder wissenschaftlich mit Kultureller Bildung beschäftigen oder dies planen, berät die BKJ fachlich und strategisch. Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf! Für Vernetzung, Dialog und den Austausch von Wissen und Erfahrungen sorgen auch unsere Fachveranstalungen.

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