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Schutzkonzepte in der Kulturellen Bildung

Schutzkonzepte in der Kulturellen Bildung

Schutzkonzepte gegen (sexualisierte) Gewalt stärken Träger und Vereine der Kulturellen Bildung nachhaltig. Sie schaffen Orientierung und Handlungssicherheit für Fachkräfte sowie klare Kommunikations- und Beschwerdewege für Kinder und Jugendliche. Sie unterstützen Einrichtungen dabei, ihrer Verantwortung für den Schutz von Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden und entsprechende Vorgaben umzusetzen.

Die Kulturelle Bildung zeichnet sich durch projektförmige Arbeit, wechselnde Settings und den Einsatz kreativer Methoden aus. Dabei kommen teilweise auch körpernahe Methoden zum Einsatz und intensive Beziehungen werden aufgebaut, die Nähe, Vertrauen und intensive Zusammenarbeit fördern. Diese Besonderheiten schaffen wertvolle Lern- und Erfahrungsräume, erfordern aber zugleich besondere Aufmerksamkeit für Schutz, Nähe-Distanz-Regeln und klare Strukturen, um Risiken für Kinder und Jugendliche zu minimieren.

Ein Schutzkonzept entwickeln – praktische Hinweise für den Beginn

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Wie entsteht eigentlich ein Schutzkonzept? Christian Grüner stellt im Video fünf praxisnahe Tipps vor, die den Einstieg in die Schutzkonzeptentwicklung erleichtern.
  • Druck rausnehmen: Ein Schutzkonzept ist ein fortlaufender Prozess, der regelmäßig überprüft und weiterentwickelt wird. Der erste Schritt ist bereits ein wichtiger Erfolg.
  • Vorhandene Materialien nutzen: Bestehende Konzepte, Leitfäden und Netzwerke können als Orientierung dienen. 
  • Das gesamte Team einbeziehen: Unterschiedliche Perspektiven stärken die Qualität, Akzeptanz und spätere Umsetzung des Schutzkonzepts.
  • Externe Unterstützung nutzen: Externe Fachkräfte und Organisationen können bei Sensibilisierung, Fortbildung und Strukturierung des Prozesses wertvolle Hilfe leisten.
  • Den Prozess an die eigenen Ressourcen anpassen: Umfang, Tempo und Tiefe sollten zu den verfügbaren Kapazitäten und Zielen der Einrichtung passen. 

Partizipation ermöglichen: Kinder und Jugendliche einbeziehen

Junge Menschen müssen als Expert*innen ihrer eigenen Lebenswelt die Möglichkeit erhalten, ihre Sorgen und Ängste zu äußern. Dazu benötigen sie vor allem Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein. Das entwickeln sie durch Möglichkeiten der Teilhabe. Kulturelle Bildung bietet hier wertvolle Erfahrungsräume: Wenn Kinder und Jugendliche in Projekten mitentscheiden können, wenn sie sagen dürfen, was sie stört und was ihnen gefällt, machen sie die Erfahrung, dass sie ernst genommen werden. Dann fällt es ihnen auch leichter, Grenzüberschreitungen anzusprechen. Kulturelle Bildungsangebote, zum Beispiel Theater- oder Filmprojekte zum Thema persönliche Grenzen, unterstützen diese Fähigkeit.

Ein Schutzkonzept entwickeln – die Einbindung aller Beteiligten

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Partizipation ist Prävention: Christian Grüner gibt fünf Tipps für mehr Beteiligung, Wertschätzung und wirksame Schutzkonzepte.
  • Partizipation auf mehreren Ebenen ermöglichen: Team, Teilnehmer*innen, Eltern und Kooperationspartner*innen sollten durch Feedback- und Beteiligungsmöglichkeiten in den Prozess einbezogen werden.
  • Den Mehrwert erkennen: Partizipation verbessert Angebote und stärkt gleichzeitig Selbstwirksamkeit, Wertschätzung und Mitbestimmung bei jungen Menschen.
  • Unterschiedliche Beteiligungsstufen berücksichtigen: Von verständlicher Information über Mitsprache bis hin zur aktiven Mitgestaltung gibt es verschiedene Formen der Partizipation.
  • Partizipation ist Prävention: Beteiligung fördert soziale Kompetenzen, stärkt das Bewusstsein für Grenzen und unterstützt den Abbau von Machtasymmetrien.
  • Partizipation als Grundhaltung verankern: Eine wertschätzende Kommunikation auf Augenhöhe und die dauerhafte Einbindung von Beteiligungsmaßnahmen in den Arbeitsalltag sind zentrale Voraussetzungen für gelingende Partizipation.

Bestandteile eines Schutzkonzeptes

Ein Schutzkonzept gibt Fachkräften Handlungssicherheit, indem es einrichtungsspezifisch den Umgang mit Verdachts- und Vorfällen beschreibt. Eine allgemeingültige Vorlage gibt es daher nicht: Jeder Träger der Kulturellen Bildung muss den Schutzkonzeptprozess selbst durchlaufen.

Ein Schutzkonzept…

  • identifiziert Momente in der Bildungsarbeit einer Einrichtung in denen es besonders aufmerksam zu sein gilt.
  • beschreibt, wie Täter*innen vorgehen und (neue) Maßnahmen, die dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche sicher und geschützt sind.
  • erläutert, was in Verdachtsfällen ober bei Fällen (sexualisierter) Gewalt zu tun ist (Handlungsleitfäden).
  • benennt, wer Ansprechpartner*in ist und Hilfe bietet für Akteur*innen, die einem Kinder oder einer*einem Jugendlichen helfen wollen oder selbst Hilfe benötigen. 

Beispiele für Schutzkonzepte in der Kulturellen Bildung

Musikschule Nienberge: Schutzkonzept der Musikschule Nienberge
https://www.musikschule-nienberge.de/schutzkonzept/ open_in_new
Landesarbeitsgemeinschaft Tanz NRW: Schutzkonzept: Prävention und Intervention bei (sexualisierter) Gewalt
https://www.lag-tanz-nrw.de/de/praeventionsarbeit/unser-schutzkonzept open_in_new
BKJ: Dachverbandliches Schutzkonzept für das Handlungsfeld Kulturelle Bildung
https://www.bkj.de/publikation/dachverbandliches-schutzkonzept-fuer-das-handlungsfeld-kulturelle-bildung/

Die folgenden Bausteine dienen dabei als Orientierung

Kinder besprechen etwas miteinander.
BKJ | Andi Weiland

Eine gemeinsame Haltung entwickeln

Zu Beginn des institutionellen Schutzkonzeptprozesses eine gemeinsame Haltung zum Thema Kinderschutz zu etwickeln, gibt den Planenden Orientierung und schafft Klarheit nach innen und außen.

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Parkour-Läufer klettert auf Holzstäben in der Stadt.
BKJ | Spindelndreier

Die Risiko- und Potenzialanalyse

Die Risiko- und Potenzialanalyse bildet die Basis für alle Schutzmaßnahmen in der Kulturellen Bildung. Mithilfe der Analyse werden sowohl analoge wie digitale Risiken, die Kinder und Jugendliche gefährden könnten, systematisch identifiziert und bewertet.

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Mehrere Kinder stehen in in einem Raum und halten und spannen gemeinsam eine große durchsichtige Folie.
BKJ | Andi Weiland

Prävention wirksam gestalten

Prävention beginnt lange vor dem Ernstfall. Klare Regeln, qualifizierte Fachkräfte, sichere Beschwerdewege und die Stärkung von Kindern und Jugendlichen tragen dazu bei, das Risiko von Grenzverletzungen und (sexualisierter) Gewalt zu verringern.

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Die Händen eines Kindes drücken ein grünes Blatt in Ton, umgeben von anderen Tonstücken und Kugeln auf einer ebenen Fläche.
BKJ | Spindelndreier

Die Intervention: Sicher handeln bei Vorfällen

Die Intervention umfasst alle Schritte vom ersten Verdacht bis zur Klärung eines Vorfalls. Entscheidend sind der Schutz Betroffener und klar geregelte Zuständigkeiten.

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Mehrere Kinder sitzen an einem Tisch und malen oder betrachten ihre Kunstwerke.
BKJ | Jörg Farys

Die Aufarbeitung

Die Verpflichtung zur Analyse und Aufarbeitung von Fällen (sexualisierter) Gewalt und der Umstände, unter denen sie geschehen konnten, gehört ebenfalls zu einem Schutzkonzept.

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Weitere hilfreiche Materialien zur Entwicklung von Schutzkonzepten und zur Suche von Beratungsstellen hat die BKJ im Rahmen des Programmes Start2Act zusammengestellt.

Außerdem steht die BKJ für die Vermittlung externer Schutzkonzeptberater*innen als Anlaufstelle zur Verfügung:

start2act@bkj.de