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Starke Zivilgesellschaft

Starke Zivilgesellschaft

Kulturelle Bildung ist Teil einer lebendigen Zivilgesellschaft. Ihre Träger ermöglichen jungen Menschen Beteiligung, Selbstwirksamkeit und gesellschaftliche Verantwortung zu erfahren. Damit Demokratie nicht nur formal besteht, sondern im Alltag gelebt werden kann, braucht es starke zivilgesellschaftliche Strukturen: verlässliche Förderung, resiliente Organisationen, politische Anerkennung und geschützte Handlungsspielräume. 

Kulturelle Bildung als demokratische Infrastruktur sichern 

Träger der Kulturellen Bildung sind Vereine, Verbände, Initiativen, Einrichtungen und Netzwerke. Sie arbeiten an der Schnittstelle von Kultur, Bildung, Jugendhilfe, Engagement und Interessenvertretung. Dabei geht es nicht nur um Angebote für junge Menschen, sondern um Möglichkeiten der Mitgestaltung: Junge Menschen bringen ihre Perspektiven ein, verhandeln Unterschiede, entwickeln eigene Ausdrucksformen und erleben, dass ihr Handeln Wirkung haben kann. 

Viele Träger der Kulturellen Bildung sind zugleich freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe. Ihre Arbeit ist damit nicht nur Ausdruck zivilgesellschaftlichen Engagements, sondern auch Teil eines gesetzlich gerahmten Aufgabenfeldes. Das SGB VIII beschreibt Jugendarbeit als Angebot zur Förderung junger Menschen, das an ihren Interessen anknüpfen, von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden und zu Selbstbestimmung, gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialem Engagement anregen soll. Außerschulische Jugendbildung umfasst dabei ausdrücklich auch kulturelle Bildung. Freie Träger handeln eigenständig und plural – und tragen zugleich dazu bei, öffentliche Verantwortung für das Aufwachsen junger Menschen praktisch einzulösen.

So wird Kulturelle Bildung zu einem Teil demokratischer Praxis. Sie stärkt Teilhabe, macht unterschiedliche Erfahrungen sichtbar und eröffnet Wege, gesellschaftliche Fragen gemeinsam zu bearbeiten – lokal, bundesweit und international. 

Zivilgesellschaft unter Druck 

Weltweit geraten zivilgesellschaftliche Freiheiten zunehmend unter Druck. Der Atlas der Zivilgesellschaft 2026 zeigt: Nur 3,4 Prozent der Menschen weltweit leben in Staaten, in denen Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit vollständig garantiert sind. Rund 73 Prozent der Weltbevölkerung leben dagegen in Ländern, in denen Zivilgesellschaft unterdrückt oder geschlossen ist. Auch Deutschland wurde im CIVICUS-Ranking für 2025 herabgestuft.  

Zivilgesellschaftliche Handlungsspielräume werden enger: durch unsichere Förderung, steigende bürokratische Anforderungen, politische Einschüchterung, Desinformation oder den Rückzug öffentlicher Unterstützung. Das wirkt sich auch auf internationale zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit aus – etwa dort, wo Begegnung, Austausch und gemeinsame Verständigung durch politische Krisen, finanzielle Unsicherheit oder administrative Hürden erschwert werden. 

Für die Kulturelle Bildung ist diese Entwicklung zentral. Ihre demokratische Wirkung hängt an tragfähigen Strukturen, qualifiziertem Personal, Vertrauen, Kontinuität und langfristiger Handlungsfähigkeit. 

Wenn Engagement delegitimiert wird 

Zunehmend geraten zivilgesellschaftliche Organisationen auch diskursiv unter Druck. Das sogenannte Anti-NGO-Narrativ stellt ihre demokratische Rolle infrage: Organisationen wird vorgeworfen, unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit parteipolitische Einflussnahme zu betreiben oder als „staatlich alimentierte Lobbygruppen“ zu agieren. ZiviZ und Maecenata zeigen, dass solche Erzählungen die unabhängige Artikulation gesellschaftlicher Interessen jenseits von Parteien und Staat delegitimieren.(Maecenata Stiftung 2025).  

Insgesamt 614.940 eingetragene Vereine gibt es (Bundesamt für Justiz 2025). Diese sind Grundpfeiler von Engagement und zeigen, wie vielfältig es ist. Viele von ihnen sind Kulturvereine und jene, die Teil der Kulturellen Bildung sind.  
Für die Kulturelle Bildung ist das relevant, weil auch ihre Träger gesellschaftliche Interessen vertreten: Sie setzen sich für Teilhabe, Kinder- und Jugendrechte, Diversität, Antidiskriminierung, internationale Verständigung und demokratische Bildung ein. Das ist keine parteipolitische Vereinnahmung, sondern Ausdruck demokratischer Zivilgesellschaft. Eine Demokratie braucht Organisationen, die Kritik üben, Missstände benennen und Perspektiven einbringen – gerade dann, wenn diese unbequem sind. 

Starke Strukturen für eine starke Demokratie 

Eine starke Zivilgesellschaft ent- und besteht nicht allein aus Engagement. Sie braucht verlässliche Rahmenbedingungen: planbare Förderung, handhabbare Verfahren, Personal und die Möglichkeit, Wissen, Beziehungen und Erfahrung langfristig (ab)zu sichern. 

Kulturelle Bildung stärkt Demokratie dort, wo junge Menschen erleben, dass ihre Perspektiven zählen und ihr Handeln Wirkung hat. Dafür braucht es Zeit, Vertrauen und Kontinuität. Kurzfristige Projekte können wichtige Impulse setzen, ersetzen aber keine tragfähige Infrastruktur. Wer Demokratie stärken will, muss deshalb auch die zivilgesellschaftlichen Strukturen stärken, in denen kulturelle Teilhabe, Engagement und Mitgestaltung möglich werden. 

Aus der Praxis: Zivilgesellschaft nachhaltig aufstellen 

Beim BKJ-Fachtag „Zivilgesellschaft nachhaltig aufstellen – Kulturelle Bildung sichern“ diskutierten Akteur*innen der Kulturellen Bildung und der Zivilgesellschaft, wie Organisationen angesichts unsicherer Förderung, wachsender Bürokratie und gesellschaftlicher Polarisierung handlungsfähig bleiben können. 

Heute sicherstellen, was wir morgen brauchen

Weiterführende Ressourcen

Atlas der Zivilgesellschaft 2026: Der von Brot für die Welt herausgegebene Atlas dokumentiert die weltweite Lage zivilgesellschaftlicher Freiheiten und zeigt, wie stark Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit international unter Druck stehen
https://www.brot-fuer-die-welt.de/themen/atlas-der-zivilgesellschaft/ open_in_new
ZiviZ/Maecenata: Das Anti-NGO-Narrativ: Das Factsheet analysiert, mit welchen Vorwürfen zivilgesellschaftliche Organisationen delegitimiert werden, und ordnet diese faktenbasiert ein
https://www.maecenata.eu/2025/09/10/das-anti-ngo-narrativ-wie-versucht-wird-die-zivilgesellschaft-zu-delegimitieren/ open_in_new
betterplace lab: Resilienz in der Zivilgesellschaft: Die Materialien des betterplace lab zeigen, welche Ressourcen Organisationen brauchen, um auch unter Krisenbedingungen handlungsfähig zu bleiben
https://www.betterplace-lab.org/topics/resilienz open_in_new
Wirksam gegen Rechtsaußen: Wissenschaftliche Einordnung zivilgesellschaftlicher Strategien gegen demokratiefeindliche Entwicklungen. Relevant für Zivilgesellschaft, Haltung, Netzwerke und Bildungsarbeit
https://www.wzb.eu/de/forschung/wandel-politischer-systeme/zentrum-fuer-zivilgesellschaftsforschung/projekte/wirksam-gegen-rechtsaussen-evidenzbasierte-strategien-fuer-den-umgang-mit-der-extremen-rechten open_in_new