Zeitdiagnostisch betrachtet reiht sich der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in ein Bündel politischer Entscheidungen ein, die in den letzten 20 Jahren dazu geführt haben, dass die Institutionalisierung der Kindheit im ersten Lebensjahrzehnt weiter voranschreitet. Für viele Kinder bedeutet dies, einen tendenziell größer werdenden Anteil ihrer Zeit in Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsinstitutionen verbringen zu müssen. In diesen Institutionen werden sie mit einem pädagogischen Alltag konfrontiert, der vor allem durch einen starken Zukunftsbezug geprägt ist. Aus zeitpädagogischer Perspektive ist hiermit das Risiko verbunden, dass kindliche Zeitbedürfnisse in der Gegenwart in den Hintergrund rücken und sich damit wichtige Zeitfenster schließen, die grundlegende Voraussetzungen für die Persönlichkeitsentwicklung bilden.
Der Vortrag reflektiert diese Dominanz der Zukunftsorientierung adultismuskritisch. In diesem Zusammenhang wird erörtert, auf welche Art und Weise sich Kinder und Erwachsene in ihren Zeitpraktiken im Allgemeinen und in pädagogischen Arrangements im Besonderen unterscheiden. Darauf aufbauend wird das kindliche Recht auf die Gegenwart hervorgehoben und es werden konkrete Teilhabemöglichkeiten bei der Strukturierung und Ausgestaltung institutioneller Bildungszeiten im Ganztag ausgelotet.
Eingeladen sind Interessierte aus Schule, Jugendhilfe, Wissenschaft und Politik.
| Datum | 9. Juni 2026 |
|---|---|
| Uhrzeit | 16.00 bis 17.30 Uhr |
| Veranstalter | Hessischer Jugendring e. V./Bündnis kindgerechter Ganztag |
| Anmeldefrist | 7. Juni 2026 |
| Referent*in |
Dr. Tilmann Wahne ist Nachwuchsprofessor für Pädagogik der frühen Kindheit an der Fachhochschule Münster und forscht zur Ganztagsentwicklung im Elementar- und Primarbereich. |
| Weitere Informationen |