Perspektiven wechseln.
Chancen schaffen



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Tagung unter Beobachtung: Poetry-Dokumentation

Alia Hübsch-Chaudhry
i,Slam e. V.

Poetry-Dokumentation am 17. März 2018 anlässlich der Tagung „Perspektiven wechseln. Chancen schaffen“ der BKJ, Remscheid

Die Poetry-Dokumentation steht hier (auszugsweise) zum Anhören zur Verfügung.

Poetrydokumentation i,Slam e. V. Poetrydokumentation i,Slam e. V. Vorbereitung für die Poetrydokumentation i,Slam e. V. Publikum bei Poetrydokumentation i,Slam e. V.

Fotos: BKJ | Andi Weiland

Es begann alles mit einer Lüge
Und endete mit einem echten Fake!

„Wir werden gemeinsam abhängen.“

Ehhem..

Nun denn, ich möchte ja nicht drängen
Aber diese eine Lüge zu Genüge
(Das weiß doch jedes Kind)
Bedurfte einer schnellen Rüge
Damit die Masse der Klasse sich benimmt

„Nein, abhängen ist keine Option!“

Entgegnete daher Frau Becker und
Bezog vermeintlich klare Position

Denn wenn wir ehrlich sind
Wäre das für eine halbe Portion

Wie man Kinder liebevoll so nennt
(Als Teil des erwachsenen Sortiments, natürlich)

Nicht anderes als blanker Spott und Hohn
Weil man Strafe verwechselt mit Lohn
Einem köstlichen Moment

Denn es gab für alle Geschmäcker
Brezeln, Donuts und Muffins vom Bäcker
Saft, Kekse und Kaffee und Tee
Gleich einem Crème brûlée, lecker wie eh und je

Aber... okay.

Wir wollen doch wetten
Dass uns aus dieser verlogenen anfänglichen Misere
Noch ein paar Wunder à la Fräulein Wunder AG retten
Schließlich hörten wir auch, und das ist nicht erfunden
Ich fühle mich nach wie vor damit verbunden
Nach einer Ewigkeit von zwei Minuten Stille
Ein Klangkonzert und fantastische schrille
„Oh yeaaah!“, „Moin“, „Miau“-Töne in ihrer Fülle

Wir sahen zu wie Frau Keuchel
Im Kampf gegen den Jugend-Teufel
Gegen den einst erkannten radikalen,
ökonomisierten, digitalen Spalter
(möglicherweise ein Freund
vom Sachverwalter!) auf die Barrikaden ging
Wir sahen wie sie Forschung und Modellprojekte
Fachdiskurs und Fortbildung an die Mauern hing
Wie sie sich nachhaltig, international
divers und digital so richtig austobte
Und Performance als neuen Schwerpunkt lobte

Dann kam Herr Taube an die Reihe
Wollt, dass man die Gesellschaft
Von Jugend-Ungerechtigkeit befreie
Man die Kulturelle Bildung als
Dynamisches Konzept einweihe
Es immer wieder neu suche und überprüfe
Und bei einer Fehlermeldung
Des Kinder- und Jugendberichts laut aufschreie!

Regierung und Zivilgesellschaft, so Taube
Bilden eine gemeinsame Kraft!
Beides zusammen stark wie der Glaube
Dienen der Menschheit in Eintracht!
Bund, Länder und Kommunen aller Zivilbürger
Vereinigt euch, um Kinderrechte zu stärken!
Um klare Haltungen zu bemerken,
Um Inklusion umzusetzen,
Die Rechten vom Hetzen abzuhalten,
Deutschland gemeinsam mitzugestalten!
Teilhabe nicht als Privileg zu betrachten
Teilhabe als Handlungsauftrag zu erachten!

Und dann…

Herr Thomer, des Odyssee´s Homer,
Oder des Familienministeriums (wie auch immer)
Sprach über die große Koalition
Nach dem Motto „Abhängen ist keine Option“
Über zwei verlorene Ministerien
und eine neue Chef-Frau
Über Wohlfühl-Termine und Terminierungen
Und einen möglichen Finanz-Stau
Über gute Kitas für unsere Kinder
Verlässliche Personalfinder
Über erhaltene, gestärkte und
Modernisierte Bauten
Die bessere Zugänge verlauten

Doch, eine Keynote gab den Rest
Vor dem großen Workshop-Fest
Frau Böllert gab zu verstehen,
Dass wir Jugend endlich als
Eigenständige Lebensphase sehen
Dass wir die Zeit zwischen
Kindheit und Erwachsensein
Nicht als bloßen Übergang abstempeln
Jugend ernst nehmen und die Dominanz
Der Schule umkrempeln

Ja, Jugend qualifiziert sich
Geht studieren und zur Schule
Jugend verselbstständigt sich
Zieht aus, bekommt Familie
Jugend positioniert sich selbst
Sucht sich Partner und Liebe

Doch sie hat auch Zukunftsängste
Sie erlebt gesellschaftliche Zwänge
Sie wird immer später erwachsen
Braucht neue Freizeit-Orte und Horte
Um außerschulisch nicht zu staksen
Um stärker zu werden

Sie möchte gleiche Möglichkeiten
„Reiche Eltern für alle!“
Und weniger Anlaufzeiten
Keine strukturellen Barrieren
Die Ängste nähren und arme,
gehandicapte, marginalisierte
Familien in besonderem Maße stören

Und ja, Jugend besucht noch Vereine
Regelmäßig und sogar alleine
Doch umso älter sie wird, desto
Weniger ist sie interessiert
An Ganztagsschulkonzepten
Darf Räume nicht selbst gestalten
Abhängen, sich organisieren und verwalten
Nachhilfe wird ihr verwehrt
Kinder- und Jugendhilfe nicht gewährt

Doch nun zu den versprochenen
Workshop-Kontroversen und
Spiegelungen in den sagenumwobenen
Sagen der Nibelungen

Eins fing früh an
Mit Frau Leßmann
Und Frau Meergans
Kinder sollen mitbestimmen dürfen
Ihr Essen, ihr Trinken oder ihre Art zu schlürfen
Mitbestimmen, wie sie den Spielplatz haben wollen
Und nicht wie sie ihn einfach wieder haben sollen
Um Wertschätzung und Haltung zu üben
Und notfalls ErzieherInnen neu zu führen

Zwei ging politisch los
Frau Dengel und Frau Witt
Wie zwei Engel mit viel Sprit
Es kam heraus, dass viele Jugendliche
Ihr Tun und Werden relativieren
Und unterschätzen
Nicht kapieren, dass wenn
sie auch im Rap aktiv sind
Und sich vernetzen
Gesellschaftlich und politisch
Was bewegen!
Es ging darum, dass alles
politisch sein kann, das
in die Öffentlichkeit getragen
Dass wir Jugendliche stärken
Und sie endlich etwas wagen

Drei war von gestern
Jedenfalls die Medienwelten
Über die sie sprachen
Die nicht mehr gelten
Herr Meyer und Frau
Bürgermeister leiteten die Gruppe
Für etwas mehr Salz in der Suppe
Was haben wir zu geben?
Wenn Jugendliche in ihren neuen
Medienwelten leben?
Wie können wir uns kreativ vernetzen
und pädagogisches Rollenverhalten
erweitern und versetzen?
Datenhoheit, kritische Reflexion und
verantwortungsvolle Mediennutzung
Propagieren ohne uns im
Oberlehrerton zu verlieren?

Die Vier hat den weißen Fleck gemieden
Den Frau Mar Castro Varela
Und Frau Gomis ausführlich beschrieben
Diskriminierung geht uns alle an
Denn sie lebt nicht nur aktiv und
Intentionen-gebunden,
sondern auch passiv,
In all den Stunden des
Nicht-Begehrens
Kultureller Bildung, der
Homogenisierung
Unseres Verkehrens
Wir haben tausende Sprachen
Vernichtet und Ideen geklaut
Über Fremdes gerichtet und
Es gelöscht und nie wieder angeschaut

Die Fünf stärkte den jugendpolitischen Blick
Dank Frau Josties und Herr Schlösser´s Geschick
Es herrschte Konsens: Freiräume nicht mehr
Einzuschränken, sich zurückzuhalten und
nicht stärker einzulenken
Kinder können Spielideen selbst entwickeln
Kinder können sich selbst vermitteln

Die Sechs war ein Teil des Systems
Jedenfalls wollte sie dieses Teil so verstehen
Mit dabei in dem Konstrukt
Waren Frau Eckert und Frau Fechner
Voller Leidenschaft und ohne Rechner saßen sie da
Was ist Qualifizierung, was sind Kompetenzen?
Wie kann ich mich in einem System
Selbst definieren und mit welchen Konsequenzen?
was zeige ich nach innen und was nach außen,
wie ist zu reformieren, was zu verkaufen?

Freilich, Pausen gab es viele
Aber mehr als das, hohe Ziele
Die sich alle KämpferInnen setzten
So auch einer der letzten
Keynote-Redner von Ihnen.

Herr Fuchs erzählte ohne Krux
Von der Stärke des Subjekts
und Zusammenhalt, linguistisch und
semantisch korrekt.
Mit einem rhetorischen Trick
einer angekündigten Langeweile,
Bot einen unterhaltsamen Überblick
Ganz ohne falsche Eile

„Ja, wir können nicht sagen,
wir wollen Subjekte schwächen,
das klingt ein bisschen blöd“

Ja, blöd klingt das schon
Aber
Eurozentrisch, größenwahnsinnig,
allmächtig, kulturimperialistisch,
die Losung der Moderne
klingt nicht unbedingt besser

Ja, wir wissen Herr Fuchs liest gerne
BILD, aber nur wenn sie kostenlos
Verfügbar ist
Und wir wissen, Herr Fuchs wäre aufgeschmissen
Ohne diverse Politiker der CDU

Aber jetzt verstehe ich besser
Die Bedeutung von Macht,
Die mich zum Träger macht
Empowerment, Ermächtigung
Ohne und mit Berechtigung
Die Lebenskunst und Bindekraft
Von Emotionen, Werten und Religionen
Herkunft und Zugehörigkeiten,
Aufklärung und ihr zentrales,
Illusionäres Versprechen
Eine Lanze für Freiheit, Gleichheit
Und Brüderlichkeit zu brechen
Verstehe, die Angst vor der
Instrumentellen Kultur und Kunst,
Die Bedeutung von Auftrag und Gunst

Jugendliche müssen des
Handelns fähig werden
Sich selbst erden
Sich wertschätzen
Und organisieren
Anleitungen finden
Um politisch zu wirken
Angebote erhalten
Sich im institutionellen und
außerschulischen Raum
Selbst zu entfalten

Oder um es nach Fuchs zu formulieren:
„Wer sich selbst und andre kennt. Wird auch hier erkennen:
Mikroebene, Makroebene und Mesoebene sind nicht mehr zu trennen“

Was folgten waren Replikgespräche
Ich war dabei, als Franziska
von der LandesschülerInnenvertretung
Souverän ihre eigene Meinung sagte
Und sagte, was sie plagte
Dass sie Unterrichtszeiten
Fächer und Freizeit mitbestimmen wolle
Wie die meisten ihrer Gleichaltrigen
Mehr war als eine Schüler-Rolle

Der Erdnusssuppe, den weichen Brötchen und Schroten
Konnten nur die nächstmöglichen
Kamingespräche Einhalt geboten

Ich zitiere Mentor Fuchs präzise
Zum Thema Widerständigkeit
Kulturelle Bildungs-Devise:
„Wer sich nicht wehrt,
lebt verkehrt“ und aus feministischer
Sicht „wer sich nicht wehrt, endet am Herd“

Widerständigkeit macht gesund und glücklich
Und auch krank und unzufrieden
Beides kann man hassen oder lieben
Doch wissen sollte man, wogegen man denn ist
Wenn man ohne Nachzudenken gerät in Zwist

Frau Keuchel erzählte am hübschen
echten Lagerfeuer des digitalen Zeitalters
Ihre Bedenken zu Bildung und Ökonomisierung
Hauptsache sei, dass wir uns nicht
im Liberalismus und Wettbewerb verlieren

Ich gebe zu, ich bin beschämt
Musste ich doch Herrn Hafenegers
Kulturelles Bildungsgespräch über
Radikalisierung missen,
Wenngleich ohne gutes Gewissen

Doch finde ich auch,
dass Perspektivlosigkeit
jede Form von Radikalisierung nährt
ein Schwarz-Weiß-Denken stärkt
Und vor allem, vertrete ich die Position
„Abhängen ist keine Option!“

Schließlich besuchte ich das Schleimlabor
Dort ragten bunte, seltsame Schleimwesen empor
Sie tänzelnden auf vielen großen Tischen
Wo Erwachsene endlich den Kindern glichen

Kleber, Waschmittel und Farben mischen
Oder Natron und des Linse´s Flüssigkeit rein
Um wirklich Perspektivwechsler zu sein

Das ist konsequent, und endlich kein herumeiern
Und wurde möglich, weil Kinder mitbestimmten
Wir sie ihre Familienfeste feiern

Zwar fühlte es sich an wie Zahnpasta, Popel, Flubber
Abfluss, Kaugummi und Schnecke zusammen
Aber das Herz und die Seele standen im Stauen
Und erwachsene Kulleraugen in Flammen

Und damit nähern wir uns dem Ende, Freunde,
Das ein Real-Fake war,
Mit den KünstlerInnen des Schauspiel Köln
Dem Kollektiv des Import und Export
Und das könnte Hallen füllen!
Zu deutsch, zu dünn,
zu dick, zu dumm,  
Und trotzdem irgendwie perfekt.
Wir lernen, nicht jede Täuschung muss
enttäuschen
Insbesondere wenn die Herzen
von Innen leuchten.

Weitere Informationen

Poetry-Dokumentation von Alia Hübsch-Chaudhry auszugsweise anhören... [ mp3 | 7 min 30 sek | 4,5 MB ]

Informationen über i,Slam e. V.

Über Alia Hübsch-Chaudhry, i,Slam e. V.



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