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/// Besser lernen – aber wie, wo und warum? Zu den Möglichkeiten des Ästhetischen



Plötzlich entdecken sie alle in und um das System Schule herum: die ästhetische Dimension – als Katalysator für erfolgreicheres Lernen. Da freuen sich die Streiter für Kunst und Kultur – auch Prof. Dr. Max Fuchs. Dennoch fragt er sich ein wenig misstrauisch: warum jetzt (erst)? Und – was machen wir nun damit? Lesen Sie dazu Auszüge aus seinem Vortrag beim Fachtag „Lernen mit (allen) Sinn(en) – Kulturelle Bildung als Impuls für Unterrichtsentwicklung“ am 27. Oktober 2016 in Oldenburg.

Wenn man vor einigen Jahren bei einer Internet-Suchmaschine Begriffe wie „Kulturschule“, „kulturelle Schulentwicklung“ oder „kulturelle Profilierung von Schule“ eingegeben hätte, hätte man kaum nennenswerte Ergebnisse erhalten. Eine entsprechende Suchanfrage vor einigen Tagen erbrachte dagegen die folgenden Ergebnisse: Kulturschule 94.700; kulturelle Schulentwicklung 148.000; kulturelle Profilierung 319.000. Offenbar sind die vor einiger Zeit noch fremden Begriffe inzwischen in der Öffentlichkeit und in der Fachwelt angekommen. Man kann daher fragen, woher dieses neue Interesse kommt. Es sind dabei verschiedene Motive und Ursachen vorstellbar.

Motive und Ursachen für Rückenwind

Eine erste Ursache könnte darin bestehen, dass es für entsprechende Aktivitäten und Initiativen Geld gibt. Dies trifft in der Tat zu. Denn es gibt nicht bloß eine wachsende Zahl von Stiftungen, die erhebliche Beträge in diesem Feld investieren, auch Kommunen, Länder und der Bund geben erheblich mehr Mittel für dieses Feld aus. Besonders hervorzuheben ist das 230-Millionen-Euro-Programm des Bundesbildungsministeriums „Kultur macht stark“.

Auch in der Politik erhalten wir für kulturelle Bildung zurzeit Rückenwind. Es war zwar immer schon so, dass Kunst, Ästhetik und Kultur in Sonntagsreden von Politikerinnen und Politikern positiv hervorgehoben worden sind. Doch oft genug haben dieselben, die am Wochenende ein Loblied auf die Künste gesungen haben, am folgenden Montag dies schon wieder vergessen und eine jegliche zusätzliche Förderung abgelehnt. Dies hat sich in vielen Fällen inzwischen geändert: Das Montagshandeln steht inzwischen immer öfter mit den Sonntagsreden in Einklang.

Auch bei den Verwaltungen in den Ministerien rennt man mit kultureller Bildung inzwischen offene Türen ein. Dies ist deshalb wichtig, weil die Macht der Verwaltung häufig unterschätzt wird. In einer kleinen Studie konnte nachgewiesen werden, dass auch die Größen unseres Geisteslebens speziell in der Pädagogik zwar ihr ganzes Leben lang wichtige und bis heute rezipierte Bücher geschrieben haben, aber immer nur dann einflussreich und wirkungsvoll in der Praxis waren, wenn sie eine Position in der öffentlichen Verwaltung hatten. Dies gilt insbesondere für Wilhelm von Humboldt, der seine politische und praktische Wirksamkeit nur in der kurzen Zeit entfalten konnte, als er eine hohe Position im preußischen Kultusministerium innehatte.

Nicht zuletzt erhalten wir Rückenwind aus der Wissenschaft. So kann man mit einiger Verwunderung feststellen, dass ein Kernbegriff der Pädagogik, nämlich der Begriff des „Lernens“, überwiegend in der (pädagogischen) Psychologie behandelt worden ist. Es waren auch Psychologinnen und Psychologen, die die entscheidenden Handbuch-Artikel und Lehrbücher geschrieben haben. Dies scheint sich inzwischen zu ändern. Denn es gibt immer mehr Pädagoginnen und Pädagogen, die sich eigenständig mit dem Begriff des Lernens auseinandersetzen. In entsprechenden Lehrbüchern findet man dann Begriffe, die in den lernpsychologischen Lehrbüchern kaum auftauchen: So ist etwa von leiblichem Lernen oder von performativem Lernen die Rede. Es geht um ein Lernen mit allen Sinnen, und dies in der allgemeinen Lerntheorie und nicht bloß in Theorien des ästhetischen Lernens (vgl. Göhlich/Wulf/Zirfas 2007).

Als Fazit dieser Ausführungen kann man feststellen: Offensichtlich stimmt im Moment der Rahmen für eine erweiterte Implementierung von kultureller Bildung, speziell in der Schule.

Erfahrungen aus den 1960ern und 1970ern

Allerdings weiß man aus dem Scheitern der bildungspolitischen Reformbemühungen Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre, dass ein günstiger politischer Rahmen natürlich notwendig ist, aber im Sinne einer Top-down-Steuerung nicht ausreicht, wenn man umfangreicher Schule verändern will. Man hat erkannt, dass die einzelne Schule der zentrale Akteur bei allen Reformprozessen ist (Fend 2008). Nimmt man die einzelne Schule in den Blick, dann bedeutet dies, dass man die unterschiedlichen Menschengruppen in der Schule berücksichtigen muss: die Schulleitung, die Lehrerinnen und Lehrer, die Schülerinnen und Schüler, die Eltern, die Schulaufsicht, den Schulträger etc. All diese Gruppen müssen davon überzeugt werden, dass die geplante Innovation nicht nur sinnvoll ist, sondern dass die jeweilige Gruppe davon auch einen Nutzen hat. Über Nutzen zu sprechen ist zwar gelegentlich verpönt, doch muss man realistisch eingestehen, dass die Überzeugung einer Nützlichkeit die beste Motivation ist, sich auf etwas Neues einzulassen.

Dies ist ein Auszug aus seinem Vortrag bei dem Fachtag „Lernen mit (allen) Sinn(en) – Kulturelle Bildung als Impuls für Unterrichtsentwicklung“ am 27.10.2016 in Oldenburg.

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Den gesamten Text und Quellenangaben finden Sie hier.

Prof. Dr. Max Fuchs ist Ehrenvorsitzender der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung, Ehrenvorsitzender des Instituts für Bildung und Kultur und Mitglied des Kuratoriums des Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft.

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