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/// Kulturelle Bildung in Jugendarbeit und Schule – Partizipation ist ein Schlüsselthema



Partizipation braucht man in der Kulturellen Bildung, innerhalb wie außerhalb von Schule, da sind sich alle einig, nicken zustimmend – und arbeiten engagiert in unterschiedlichste Richtungen los. Warum spielt das „Partizipationsprinzip“ in der kulturellen Kinder- und Jugendbildung eine so große Rolle und warum meinen Träger und Schulen nicht unbedingt das Gleiche, wenn sie von Partizipation sprechen? Dr. Helle Becker ist Erziehungswissenschaftlerin, Autorin, Forscherin und Fortbildnerin. Sie analysiert das Problem.

Ein Beitrag von Helle Becker

Was meint Partizipation?

Da nehmen alle Schüler*innen einer Klasse an einem Museumsbesuch teil. Oder es werden alle Bilder, die die Kinder einer Klasse zum Thema der Lektüre im Deutschunterricht gemalt haben, im Flur aufgehängt. Ist das Partizipation? Hier würde man wohl eher von „Teilnahme“ sprechen. Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums begleiten Kinder der benachbarten Förderschule auf dem Weg ins Museum. Oder die Jugendlichen des Abiturjahrgangs organisieren selbständig den Kartenverkauf für die Schulaufführung. Diese Aktivitäten würden viele als „soziale Partizipation“ bezeichnen. Denn hier setzen sich Kinder und Jugendliche für soziale Zwecke ein oder gestalten selbsttätig ihre Umwelt.

„Echte“ Partizipation beginnt für viele erst dort, wo es etwas zu entscheiden gibt, das für die Person oder für mehrere (eine Gruppe, das Gemeinwesen, den Staat) bedeutsam ist. Wird Partizipation ernst genommen, hat sie zumeist einen ernsthaften, realitätsbezogenen und für die Beteiligten bedeutungsvollen Anlass, schreiben die Erziehungswissenschaftler Hartmut Wedekind und Michael Schmitz (o. J.: 12).

Vielleicht wird in der Klasse darüber abgestimmt, ob man ins Museum oder ins Theater gehen möchte. Oder Schüler*innen arbeiten in einer Steuergruppe mit, die über das kulturelle Profil der Schule entscheidet. Dieses Verständnis von Partizipation wird häufig als „politische Partizipation“ bezeichnet. Denn hier bestimmen Kinder und Jugendliche nach demokratischen Regeln über das – wenn auch hier nur begrenzte – Gemeinwohl. Der Erziehungswissenschaftler Horst Biedermann versteht Partizipation in diesem Sinne als freiwillige Teilnahme an öffentlichen – im Sinne von allen Mitgliedern offen stehenden –, gemeinschaftlichen Entscheidungsprozessen, wobei der Prozess zur Entscheidungsfindung auf Diskursivität gründet und durch klar definierte – möglichst ausgeglichene – Machtverteilung auf alle und Verantwortungsübernahme von allen Beteiligten gekennzeichnet ist(Biedermann 2006: 116).

Die bekannten Modelle, die es gibt, um Partizipation zu definieren (vgl. Hart, Schröder), nennen aber neben solcher Mitbestimmung/Mitverantwortungauch die Selbstbestimmung/Selbstverantwortungals Ziel aller Partizipationsbestrebungen. Mitbestimmung unterscheidet sich von Selbstbestimmung in ihrem Bezug zur Allgemeinheit. Während Mitbestimmung auf die Beispiele oben zutrifft (eine Gruppe entscheidet für sich oder sogar über weitere Betroffene), meint individuelle Selbstbestimmung, den eigenen Interessen und Urteilen Rechnung zu tragen. Wenn beispielsweise Schüler*innen im Ganztag aus einem Angebot kultureller Aktivitäten jeden Tag wählen können, woran sie teilnehmen möchten oder wenn sich jeder Jugendliche im Workshop ein eigenes künstlerisches Thema sucht, dann treffen sie zunächst für sich allein Entscheidungen.

Solche Unterscheidungen von Partizipation im Sinne von Mitmachen, sozialer Mitwirkung, Mitbestimmung und Selbstbestimmung zu treffen ist schon eine gute Basis, um sich über ein Partizipationsverständnis auszutauschen.

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Dies ist ein Auszug aus Kulturelle Bildung in Jugendarbeit und Schule – Partizipation ist ein Schlüsselthema von Frau Dr. Helle Becker. Den gesamten Text und Quellenangaben finden Sie hier.

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