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/// KuBiK – ein erfolgreiches Kooperationsprojekt in Dresden



Allen Kindern kostenlos Zugang zu Kultureller Bildung zu ermöglichen – dieses Ziel erfährt in Kommunen viel Unterstützung, scheitert oft aber an der Umsetzung.
Dass es funktionieren kann, beweist das 2011 gestartete Förderprogramm „Kulturelle Bildung in Kindertageseinrichtungen“ in Dresden, kurz: KuBiK. Annika Römisch vom Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen Dresden und Ulrike Cadot-Knorr vom Amt für Kultur und Denkmalschutz Dresden berichten im Interview über das Projekt und ihre Erfahrungen mit der Zusammenarbeit.

Interview mit Annika Römisch vom Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen Dresden und Ulrike Cadot-Knorr vom Amt für Kultur und Denkmalschutz Dresden

Frage: Wie kam es zu der Zusammenarbeit, und welchen politischen Rückenwind hat es für die Zusammenarbeit Ihrer beiden Ämter gebraucht?

Annika Römisch: Also hinsichtlich des Rückenwinds, da war 2011 politisch einfach die nötige Offenheit da. Ausschlaggebend für die Zusammenarbeit war dann allerdings das Anliegen unserer beiden Ämter, die gemeinsamen Synergien nutzen zu wollen. Wir haben einfach gemerkt, dass wir beide an der Kulturellen Bildung für Kinder interessiert sind und nicht aneinander vorbei, sondern miteinander arbeiten wollten.
Es gab dann außerdem noch einen konkreten Auslöser: nämlich, dass einige Kitas kulturelle Angebote hatten, die von den Eltern extra bezahlt werden mussten – was natürlich nicht unserer Vorstellung von Chancengerechtigkeit und kostenfreier Bildung für alle entspricht. Für uns war das der Auslöser, mit dem Amt für Kultur und Denkmalschutz in Kontakt zu treten. Und an dieses gebe ich jetzt mal weiter.

Ulrike Cadot-Knorr: Ja, es war einfach der richtige Zeitpunkt. Mit dem Kulturentwicklungsplan 2008 wurde in unserem Amt die Kulturelle Bildung ja als Schwerpunktthema für die Landeshauptstadt festgesetzt – womit es ein gemeinsames Anliegen wurde. Wir haben also einen Abgleich der Interessen vorgenommen und festgestellt, dass der Wunsch zur Zusammenarbeit auf beiden Seiten da war.

Frage: Frau Cadot-Knorr, was ist Ihr Ziel als Kulturamt hinsichtlich Kultureller Bildung?

Ulrike Cadot-Knorr: Also unser zentrales Ziel ist es, die Teilhabe für alle Kinder am kulturellen Leben zu sichern, und zwar stadtweit. Seit 2008 sind hier auch schon viele Projekte entstanden, wie z. B. KuBiK. Wir haben allerdings festgestellt, dass der Anspruch, alle Kinder wirklich flächendeckend teilhaben zu lassen, noch nicht erfüllt ist. Daher gehen die Bestrebungen jetzt dahin, mehr in Richtung Stadtteil-Kulturarbeit zu wirken und die Zusammenarbeit stadtweit auszubauen.

Ein wichtiges Ziel ist dabei auch, die Kinder für die Herausforderungen der Wissenskultur im 21. Jahrhundert zu wappnen. Auch die Rolle der Nutzer hat sich verschoben: Sie sind ja nicht mehr nur Rezipienten, sondern auch Produzierende. Auch hier liefert die Kulturelle Bildung wichtige Werkzeuge.

Frage: Ihre Ämter haben zusammen das Rahmenkonzept KuBiK erarbeitet. Was sind seine zentralen Eckpunkte?

Ulrike Cadot-Knorr: Das Konzept von KuBiK wird paritätisch durch den Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen Dresden und das Amt für Kultur und Denkmalschutz umgesetzt, in Person durch Frau Römisch und mich. Die Eckpfeiler sind zum einen, dass die Fachkräfte im Rahmen des Projekts qualifiziert werden, zum anderen, dass gemeinsam festgelegt wird, wie die Zusammenarbeit zwischen den Partnern und den Pädagogen in den Kindertageseinrichtungen funktioniert. Es gibt regelmäßig Abstimmungen, in denen wir gemeinsam die Ziele festlegen. Denn natürlich hat jede Kindertageseinrichtung auch ihr eigenes Konzept, und uns ist wichtig, dass KuBiK auch auf die Konzepte und Qualitätskriterien der Kindertageseinrichtungen abgestimmt ist. Sehr wichtig ist uns dabei auch die Elternarbeit, denn wir wollen wirklich ganzheitlich an das Thema herangehen und nicht nur – was heißt „nicht nur“ – die Kinder und die Pädagogen erreichen.

Unser Anspruch ist außerdem, die Projekte kontinuierlich zu dokumentieren, auszuwerten und zu verbessern, insbesondere auch durch den regelmäßigen Austausch. So haben wir zum Beispiel jedes Jahr eine Abschluss- und Informationsveranstaltung, bei der sich alle Projekte gegenseitig vorstellen und über ihre Erfahrungen berichten. Viele Projekte laufen ja über zwei Jahre, und wir schauen dann, wie sie weiter optimiert werden können. Oft setzen Kindertageseinrichtungen die Anregungen dann im Rahmen unseres Konzepts in ihrer weiteren Arbeit um.

Frage: Was sind die Ziele von KuBiK?

Annika Römisch: Ganz allgemein gesagt ist unser großes Ziel, einen Austausch zwischen den verschiedenen Professionen anzuregen, also zwischen den Künstlern und Kulturpartnern auf der einen, und den Kindertageseinrichtungen und den Pädagogen auf der anderen Seite, um die Qualität der ästhetischen Bildung zu verbessern. Dazu fördern wir zehn Partnerschaften zwischen Kindertageseinrichtungen und Künstlern oder Kultureinrichtungen, indem wir sie mit Honorar- und Sachgeldern unterstützen. Darüber hinaus führen wir vier Veranstaltungen im Jahr durch: die Auftakt- und die Abschlussveranstaltung für alle beteiligten Kindertageseinrichtungen und Künstler, außerdem die sogenannten „Happy Hours“. Diese finden in Kultureinrichtungen statt oder werden von Künstlern durchgeführt. Hierzu werden dann alle interessierten Pädagogen eingeladen, die sich das Programm einfach mal anschauen wollen. Das kann z. B. ein Theater oder ein Museum sein, das sich vorstellt. So wünschen wir uns, dass die Pädagogen zusammenkommen und voneinander lernen.

Frage: Können Sie einige Beispiele für die KuBiK-Projekte nennen? Wer sind Ihre Partner?

Ulrike Cadot-Knorr: Die KuBiK-Projekte und Partnerschaften sind sehr vielfältig. Unter anderem hatten wir Erzählprojekte mit Erzählraum e. V., einen Graffitiworkshop mit dem Jugendhaus Spike Dresden, musikalische Früherziehung mit dem Eigenbetrieb Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden und verschiedene Theater- und Kunstprojekte mit freischaffenden Künstler*innen. Viel Begeisterung weckte auch ein Projekt mit der JugendKunstschule Dresden, bei dem ein Keramikfries als Außengestaltung der Kita hergestellt wurde.

Frage: Welche Qualitätskriterien sind Ihnen bei KuBiK wichtig?

Annika Römisch: Also grundsätzlich orientieren wir uns bei allen unseren Angeboten an den Prinzipien der Kulturellen Bildung: Freiwilligkeit, Interessenorientierung, Fehlerfreundlichkeit, Ganzheitlichkeit. Ganz wichtig ist uns, dass auch die Künstler in den Kindertageseinrichtungen diese Punkte umsetzen. Das gelingt mal besser, mal schlechter. Aber gerade wenn es mal nicht so gut funktioniert, nutzen wir das, um uns darüber auszutauschen. Wie funktioniert das mit der Freiwilligkeit? Wie schaffe ich es, die Kinder zu begeistern, sodass sie wirklich gern kommen und wir auf keinen Fall restriktiv wirken? Usw.

Ulrike Cadot-Knorr: Ja, was unser Projekt wirklich charakterisiert, ist der regelmäßige Austausch, nicht nur zwischen der Fachberatung – also uns – und der Kindertageseinrichtung, sondern auch zwischen den Künstlern und den Kitas. Gerade wenn mal irgendetwas nicht so gut funktioniert, überlegen wir, was man besser machen kann, etwa wie man die Eltern noch anders einbinden könnte. Dieser Austausch ist uns sehr wichtig. Und natürlich, dass die Rückmeldungen immer im Interesse der Kinder stehen.

Annika Römisch: Noch etwas zu unserem Bildungsverständnis, ich möchte das noch mal betonen: Grundlegend für uns ist, dass Kinder vor allem durch das Spielen lernen und sich weiterentwickeln. Denn Spielen ist ja ein Sich-Ausprobieren. Und das ist genau das, was auch die Kunst bietet. Sie gibt noch mal Extraimpulse, ermöglicht neue Ausdrucksmöglichkeiten und Herangehensweisen. Daher ist es so bereichernd, wenn die Künstler in die Kindertageseinrichtungen kommen und den Kindern nichts vorspielen, sondern authentisch und auf Augenhöhe mit ihnen arbeiten.

Frage: Wie sind Ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit zwischen Ihren Ämtern?

Ulrike Cadot-Knorr: Also ich bin ja erst ein Dreivierteljahr dabei, und ich muss sagen, es macht großen Spaß! Die Zusammenarbeit ist unkompliziert, auch auf Ämterebene. Jeder bringt sich mit seinen Kompetenzen ein. Wenn es etwa um die Weiterbildung oder die Happy Hour-Veranstaltungen geht: Da arbeiten wir den Kitas inhaltlich zu – der Kommunikationspart liegt dann aber eher beim Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen, da er über seine Strukturen natürlich sehr gut mit den Einrichtungen kommunizieren kann. Für die Veranstaltungen wird dann etwa mal die Kindertageseinrichtung selbst genutzt, aber auch andere Orte, etwa das Kulturrathaus. Es wird also alles sehr unkompliziert und eigenständig auf Arbeitsebene gelöst.

Annika Römisch: Vielleicht noch mal ämterübergreifend: Von verschiedenen Seiten wird uns gesagt, dass unser Projekt etwas Besonderes sei. Weil es in Stadtverwaltungen ja nicht üblich ist, dass Ämter so eng zusammenarbeiten. Dass wir das machen, war uns aber eben auch einfach ein Anliegen. Und dass das so unkompliziert funktioniert, hat viel mit den beteiligten Menschen zu tun.

Ulrike Cadot-Knorr: Durch die Zusammenarbeit lernt man auch viel über die Arbeit der anderen Geschäftsbereiche, man versteht auch die Strukturen besser. Das wiederum hilft, besser die jeweiligen Anliegen zu verstehen, und was es braucht, um zusammenarbeiten zu können.

Annika Römisch: Was wir allerdings merken mussten: Bei der finanziellen Abwicklung ist es nicht immer ganz einfach. Wir finanzieren das ja paritätisch, und unsere Rechnungsabteilungen sind da regelmäßig an uns verzweifelt. Ja, da müssen dann doch Brücken überwunden werden. Aber wir haben es immer wieder geschafft, dank unseres positiven Denkens.

Frage: Ist das KuBiK-Projekt zeitlich begrenzt?

Ulrike Cadot-Knorr: Nein. Wir qualifizieren und optimieren das Projekt natürlich fortlaufend – und das mit großem Erfolg. KuBiK wird immer wieder als gutes Beispiel zitiert, nicht nur wegen der guten Zusammenarbeit, sondern auch konzeptionell. Es gibt auch immer wieder Bestrebungen, an KuBiK anzuknüpfen und es weiter auszubauen, auch überregional. Das Projekt wird also insgesamt sehr positiv bewertet. Das ist für uns sehr schön zu sehen.

Frau Römisch, Frau Cadot-Knorr, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrem Projekt!

Das Interview wurde von Christiane Busse telefonisch geführt und redaktionell bearbeitet.

Weitere Informationen

Rahmenkonzept „KuBiK. Kulturelle Bildung in Kindertageseinrichtungen – ein Konzept des Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen und des Amtes für Kultur und Denkmalschutz” in Dresden

Mehr Informationen über die KuBiK-Projekte, die Ziele und Maßnahmen

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