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Studie belegt Mangel an Musiklehrer*innen in der Grundschule

23.000 grundständig ausgebildete Musikpädag*innen fehlen

12.03.20

Den Grundschulen in Deutschland gehen die Musiklehrer*innen aus. Dies ist das Ergebnis einer vom Deutschen Musikrat, der Konferenz der Landesmusikräte sowie der Bertelsmann Stiftung gemeinsam beauftragten bundesweiten Erhebung, die erstmals belastbare Zahlen zur Situation des Musikunterrichts auf Länderebene liefert.

Demnach gibt es in den 14 Bundesländern, deren Daten für die Auswertung herangezogen werden konnten, einen Bestand von rund 17.000 Musiklehrer*innen. Um den in den Lehrplänen der Länder vorgegebenen Umfang an Musikunterricht fachgerecht abzudecken, würden rechnerisch jedoch ca. 40.000 Musiklehrkräfte benötigt. Die Berechnung berücksichtigt, dass der Umfang des vorgesehenen Musikunterrichts teilweise sehr voneinander abweicht: In den ersten vier Schuljahren haben Kinder, je nach Bundesland, einen Anspruch auf eine oder auf zwei Musikstunden pro Woche. Im Ergebnis fehlen in den 14 untersuchten Ländern rund 23.000 grundständig ausgebildete Musikpädagogen. Dies führt dazu, dass lediglich 43 Prozent des von den Ländern vorgeschriebenen Unterrichts von grundständig ausgebildeten Musiklehrkräften erteilt werden.

Detaillierte Aussagen zum Unterrichtsausfall sind nicht für alle 14 Länder möglich. Auf Basis der vorliegenden Daten ist jedoch davon auszugehen, dass 50 Prozent des vorgesehenen Musikunterrichts fachfremd erteilt werden und der Rest, also rund 7 Prozent, ausfallen. Dabei variiert der Anteil des fachfremd erteilten Unterrichts stark zwischen den Ländern und liegt zwischen 11 Prozent und 73 Prozent. Im Westen Deutschlands wird tendenziell öfter fachfremd unterrichtet als in Ostdeutschland.

Werden keine Gegenmaßnahmen ergriffen, stiege der Mangel an grundständig ausgebildeten Musiklehrkräften für die Grundschule weiter an, da in den kommenden acht Jahren sich die Lücke auf voraussichtlich rund 25.000 Lehrerinnen und Lehrer vergrößert. Der Anteil des fachgerecht erteilten Musikunterrichts fiele entsprechend weiter, von 43 Prozent auf 39 Prozent im Durchschnitt. Das zeigt die Modellrechnung der Studienautor*innen Prof. Dr. Andreas Lehmann-Wermser, Ute Konrad und Prof. Dr. Horst Weishaupt. Die wachsende Kluft entsteht einerseits dadurch, dass altersbedingt mehr Musiklehrkräfte den Schuldienst verlassen als Nachwuchskräfte nachrücken. Zum anderen nimmt der Bedarf an Lehrkräften infolge der steigenden Zahl von Grundschulkindern weiter zu.

„Das Ergebnis dieser Studie ist ein Weckruf. Wenn Politik und Gesellschaft jetzt nicht handeln, ist die musikalische Bildung an Grundschulen bald Vergangenheit – und damit ein zentraler Baustein für die Persönlichkeitsbildung Heranwachsender. Musikalische Bildung gehört zu den elementaren Kulturtechniken einer humanen Gesellschaft. Deshalb sind jetzt die Parlamente und Regierungen der Länder aufgefordert, die finanziellen Voraussetzungen für eine qualifizierte und kontinuierliche musikalische Bildung zu schaffen.“

Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates

Mögliche Maßnahmen gegen den Musiklehrermangel

Angesichts des bereits hohen Ausmaßes an fachfremd erteiltem Unterricht und Unterrichtsausfall ist es dringend erforderlich, dass Landesregierungen, Schulbehörden und Hochschulen gleichermaßen aktiv werden und entschlossen handeln. Ausgehend von den Ergebnissen der Untersuchung empfehlen sich folgende Ansatzpunkte für Maßnahmen: bedarfsgerechter Ausbau der Studienkapazitäten, Erhöhung des Stundenanteils, mit dem ausgebildete Musiklehrkräfte das Fach Musik unterrichten, sowie, für eine Übergangsphase, die Gewinnung von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern nach verbindlichen Standards. Damit eine Versorgung mit qualifizierten Musiklehrkräften künftig sichergestellt werden kann, braucht es außerdem ein deutschlandweit konsistentes Monitoring unter dem Dach der Kultusministerkonferenz.

Blaupause für andere künstlerischen Fächer

Das Design der Studie könnte nach Einschätzung des Deutschen Kulturrats eine Blaupause für die anderen künstlerischen Fächer Kunst und Theater sein: Es wurde ein Instrumentarium entwickelt und erprobt, dass auch auf andere Fächer übertragbar ist.

Mit-Herausgeber der Studie ist das BKJ-Mitglied:

Deutscher Musikrat

Deutscher Musikrat

Der Deutsche Musikrat repräsentiert die Interessen von rund acht Millionen musizierenden Menschen und ist der weltweit größte Dachverband der Musik. Er wirkt mit seinen Mitgliedsverbänden und -institutionen, zahlreichen Persönlichkeiten des Musiklebens sowie seinen Projekten und Fördermaßnahmen als Ratgeber und Kompetenzzentrum für Politik und Zivilgesellschaft. Ziel ist es,  Bürger*innen gleich welcher sozialen oder ethnischen Herkunft den Zugang zur Welt der Musik zu ermöglichen. Finanziert wird er aus Zuwendungen des Bundes, der Länder, einzelner Kommunen, Stiftungen, privater Sponsoren und Mäzene. Der Deutsche Musikrat ist Mitglied in der Deutschen UNESCO-Kommission sowie im Europäischen und Internationalen Musikrat und steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten.

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Web www.musikrat.de

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