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19.04.2018 /// Konsequenzen aus dem ECHO-Skandal

Nach der umstrittenen Verleihung des ECHOs an die Rapper Kollegah und Farid Bang haben sowohl Kulturrats-Präsident Prof. Christian Höppner als auch Musikrats-Präsident Prof. Martin Maria Krüger ihren Rücktritt aus dem ECHO-Beirat erklärt. Beide hatten in dem Gremium der Nominierung der beiden Musiker zugestimmt und bezeichneten dies als Fehler. Die BKJ wertet den Skandal als Zeichen für eine Grenzverschiebung im gesellschaftlichen Diskurs.

Diskriminierung und Menschenverachtung sind gesamtgesellschaftliche Herausforderung

Die BKJ stellt mit Sorge eine zunehmende Grenzverschiebung in Politik und Gesellschaft im Umgang mit Menschenrechten, Demokratie und der Anerkennung von Diversität fest. Der Skandal um den „ECHO“ führe eindrücklich vor Augen, wie schnell unter dem Deckmantel der Kunstfreiheit menschenfeindliche Aussagen salonfähig werden können. Offene Diskriminierung, Rassismus, antisemitische, frauenfeindliche und homophobe Haltungen seien kein Problem einzelner Szenen, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Vertreter*innen von zivilgesellschaftlichen Verbänden und Fachstrukturen sind nach Ansicht der BKJ deshalb aufgefordert, klar gegen Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit Stellung zu beziehen. Dies gilt besonders dann, wenn sie offizielle Funktionen als Fachvertreter*innen aus Kunst, Kultur und Kultureller Bildung wahrnehmen.

Der Vorsitzende der BKJ, Prof. Dr. Gerd Taube, sagte: „Die Freiheit der Kunst ist ein hohes Gut in der Demokratie. Sie endet jedoch da, wo Grundrechte anderer Menschen in Frage gestellt werden und wo Gewalt verherrlicht oder zu ihr aufgerufen wird. Mit viel Engagement und Energie setzen sich jeden Tag in ganz Deutschland Menschen in Vereinen, Initiativen, Projekten und Jugendeinrichtungen, in Schulen, Kindergärten und Kultureinrichtungen aus Überzeugung für die Kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen ein. Ihr Leitziel ist eine demokratische Gesellschaft, die von allen gemeinsam gestaltet wird, in der Vielfalt anerkannt und Zusammenhalt gestärkt wird. Auch die Musikindustrie muss ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen, unter anderem durch eine grundlegende Überarbeitung der Vergabekriterien des Musikpreis‘ ECHO“.

Die Verleihung eines ECHO an das Gangsta-Rap-Duo Kollegah und Farid Bang hat massive Proteste durch Künstler*innen, Politik und Gesellschaft ausgelöst. Beispielsweise verurteilten der Vorsitzende des Kulturrats NRW, Gerhart Baum, und der Präsident des Landesmusikrats NRW, Reinhard Knoll, in einer gemeinsamen Stellungnahme die Prämierung der beiden Rapper. Mit Blick auf die ECHO-Statuten erklärten sie: „Die Auszeichnung hat in ihrer bisherigen Form in einer Gesellschaft, die gleichermaßen der Meinungsfreiheit, der Menschenwürde, der Toleranz und nicht zuletzt dem Gedenken des Holocaust verpflichtet ist, keinen Platz.“

Grundlegende Überarbeitung des ECHOs angekündigt

Der Bundesverband Musikindustrie, der den ECHO ausrichtet, kündigte als Reaktion auf die Welle der Empörung an, alle mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen analysieren und entsprechende Konsequenzen daraus ziehen zu wollen. Neben der grundsätzlichen Überarbeitung des ECHO werde der Verband die vom ECHO-Beirat angeregte Diskussion um die Kunstfreiheit und ihre Grenzen mit den verschiedenen Beteiligten innerhalb und außerhalb der Branche weiterführen.

Runder Tisch zu den Grenzen der Kunstfreiheit angekündigt

Der Präsident des Deutschen Kulturrats, Prof. Christian Höppner, hatte bei seinem Rücktritt aus dem ECHO-Beirat einen Runden Tisch zu den Grenzen der Kunstfreiheit vorgeschlagen. „Wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens darüber, was geht und was nicht in den Künsten – und zwar unterhalb ordnungspolitischer Regelungen. Kein leichtes Unterfangen, aber ein notwendiges.“, sagte Höppner. Der Deutsche Musikrat begrüßte diese Initiative: Er werde „seinen Beitrag dazu leisten, dass die weit über den Musikbereich hinausreichende Thematik zu einer Verbesserung des gesellschaftlichen Zusammenhalts im Zeichen von Respekt, Toleranz und entschlossenem Entgegentreten gegen jegliche Form von Antisemitismus führt.“

Kulturausschuss: ECHO-Skandal zeigt, wie wichtig Kulturelle Bildung und Erinnerungskultur sind

Auch im Ausschusses für Kultur und Medien war der ECHO-Skandal am 18. April 2018 ein Thema: Vertreter*innen der beiden Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD betonten während der Sitzung, dass die Freiheit der Kultur und Presse, deren Verteidigung und Förderung weiterhin das oberste Leitbild für die Kultur- und Medienpolitik in Deutschland sein muss. Allerdings, so wurde von Seiten der Union eingeschränkt, zeige die umstrittene Verleihung des Echos an die Rapper Kollegah und Farid Bang, dass diese Freiheit auch Grenzen kenne. „Antisemitische und frauenfeindliche Texte“ dürften nicht noch mit Preisen bedacht werden. Der Ausschuss müsse sich mit dem Thema auseinandersetzen. Die SPD- und die FDP-Fraktion gingen ebenfalls auf die Echo-Verleihung ein. Diese zeige, wie wichtig die Kulturelle Bildung und die Erinnerungskultur seien und Hand in Hand gingen, hieß es aus den Reihen der Sozialdemokraten und Freidemokraten. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen regte an, den Vorsitzenden des Bundesverbandes Musikindustrie, Florian Drücke, in den Kulturausschuss einzuladen, um mit ihm über die Vergabe des Musikpreises zu sprechen.

Weitere Informationen

Pressinformation der BKJ: „Streitfall „ECHO“: Kunstfreiheit kein Freibrief für Menschenverachtung“ (18.04.2018)

Stellungnahme des Kulturrats NRW und des Landesmusikrats NRW zur „Echo“-Auszeichnung von Farid Bang und Kollegah (16.04.2018)

Deutscher Kulturrat: „ECHO: Kulturratspräsident Christian Höppner tritt aus Beirat aus“ (17.04.2018)

Deutscher Musikrat: „Musikrats-Präsident Martin Maria Krüger tritt aus ECHO-Beirat aus und plädiert für Neuanfang“ (18.04.2018)

Deutscher Bundestag: „Reaktionen auf Echo-Verleihung“ (18.04.2018)


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