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Forderung: Mehr jugendgerechte Bildungslandschaften!

20.05.19

Kinder- und Jugendarbeit sowie die kulturelle Jugendbildung müssen jetzt die in den vergangenen Jahren forcierten Bildungslandschaften kritisch reflektieren und Partner für jugendgerechte Umsetzungskonzepte gewinnen. Bildungsnetzwerke und ihre Konzepte unterstützen Kinder und Jugendliche zukünftig bei den Anforderungen des Aufwachens nur dann, wenn sie ihre Bedürfnisse und Interessen ins Zentrum rücken und ihre Mitentscheidung ermöglichen.

 

Das Aufwachsen in Deutschland ist noch immer geprägt von enormen Ungerechtigkeiten und von einer Vernachlässigung der Perspektive von Kindern und Jugendlichen. Für viele Kinder und Jugendliche lösen sich die Aufstiegsversprechen, die an Bildung geknüpft sind, nicht ein. Auch von kultureller, sozialer und politischer Teilhabe sind sie vielfach ausgeschlossen. Wie Bildungslandschaften (jugend-)gerechte Bildung und Teilhabe für alle Kinder und Jugendlichen ermöglichen können, diskutierten 120 Vertreter*innen der Wissenschaft, aus Verbänden und Kommunen, von Stiftungen und aus der Praxis der Kinder- und Jugendarbeit anlässlich einer Fachtagung der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ) und der Universität Kassel in Berlin.

 

Das Ziel der Bildungsgerechtigkeit ist mancherorts in den Hintergrund getreten, gemeinsam mit wichtigen konzeptionellen Grundlagen wie denen der Subjektorientierung, Jugendgerechtigkeit und des gleichberechtigten Miteinanders aller Akteure. Bildungslandschaften haben im Konkurrenzkampf der Kommunen und Regionen als Standortfaktor und Mittel zur Daseinsvorsorge an Bedeutung gewonnen. Prof.in Dr.in Susanne Keuchel, Vorsitzende der BKJ, hebt anlässlich der Tagung hervor: „Diese Lücke zwischen Anspruch und Realität ist alarmierend. Dies zu ändern gelingt nur, wenn die Mechanismen von Benachteiligungen gesamtgesellschaftlich angegangen werden, es also auch zu grundlegenden Veränderungen im Bildungssystem kommt, und wenn die Bedürfnisse, Lebensrealitäten und Forderungen von Kindern und Jugendlichen ernstgenommen werden. Das ist unbedingt eine Aufgabe, die gemeinsam von Politik und Zivilgesellschaft in Bund, Ländern und Kommunen und im Schulterschluss aller Träger der Jugendarbeit mit ihrem anwaltschaftlichen Mandat angegangen werden muss.“

 

Erste Ergebnisse des Forschungsprojekts „Lokale Bildungslandschaften im empirischen Blick. Die kulturelle Kinder- und Jugendbildung im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe“ der BKJ und der Universität Kassel wurden bei der Fachtagung vorgestellt und die Bedingungen, die Bildungslandschaften zu erfolgreichen Zukunftsmodellen machen, diskutiert. Die Gesamtschau zeigt: Ziele und Strukturen der knapp 500 Bildungslandschaften, deren Veröffentlichungen untersucht wurden, sind sehr unterschiedlich. Nicht jedes Konzept von Bildungslandschaften ist anschlussfähig an den Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe und an das Selbstverständnis der Kulturellen Bildung, sich umfassend für die Rechte der jungen Generation und deren Partizipation einzusetzen. Das erschwert es den Trägern der Kinder- und Jugendhilfe oftmals diese Bildungslandschaften mitzugestalten.

 

Prof. Dr. Werner Thole und Heike Gumz von der Universität Kassel betonen: „Die Ergebnisse des Projekts zeigen jedoch auch, dass Bildungslandschaften das Potenzial besitzen, als Schnittstellen zwischen Schule und Kinder- und Jugendhilfe, Kommune und Zivilgesellschaft so gestaltet zu werden, dass sie für Kinder und Jugendliche einen Zuwachs an Möglichkeiten bieten, ihre Interessen einzubringen, sodass ihre Rechte auf Mitbestimmung und Teilhabe zunehmend verwirklicht werden. Gelungene Modelle entwickeln sich vor allem dort, wo sich die verschiedenen Akteure in einem offenen, transparenten Prozess aus ihren je unterschiedlichen Perspektiven über Ziele und Möglichkeiten der Bildungslandschaft auseinandersetzen und in dem sich Kinder- und Jugendhilfe und Kulturelle Bildung ihres eigenen, über den reinen Kompetenzerwerb hinausgehenden Bildungsbegriffs bewusst bleiben. So kann eine Basis geschaffen werden, sich gemeinsam auf einen Weg zu machen, der Kontroversen und unterschiedliche Positionen zulässt, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren, gerechte Bildungsmöglichkeiten für alle Kinder und Jugendlichen zu schaffen.“

 

Kinder- und Jugendarbeit sowie die kulturelle Jugendbildung müssen jetzt die in den vergangenen Jahren forcierten Bildungslandschaften kritisch reflektieren und Partner für jugendgerechte Umsetzungskonzepte gewinnen. Bildungsnetzwerke und ihre Konzepte unterstützen Kinder und Jugendliche zukünftig bei den Anforderungen des Aufwachens nur dann, wenn sie ihre Bedürfnisse und Interessen ins Zentrum rücken und ihre Mitentscheidung ermöglichen.

 

Die Fachtagung war eine Veranstaltung der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ) mit der Universität Kassel, Fachgebiet „Erziehungswissenschaft, Soziale Arbeit & außerschulische Bildung“. Sie bildete den Abschluss des gemeinsamen Forschungsprojekts „Lokale Bildungslandschaften im empirischen Blick. Die kulturelle Kinder- und Jugendbildung im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe“ (2017–2019), das durch die Stiftung Deutsche Jugendmarke gefördert wird. Die Veranstaltung wurde ermöglicht durch Mittel der BKJ, die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit dem Kinder- und Jugendplan des Bundes zur Verfügung stellt, und durch Beiträge der Teilnehmer*innen.

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