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/// Gert Haack im Interview: „Bildung und Kultur sind zwei Seiten derselben Medaille“



Im Interview mit der BKJ spricht Gert Haack, Abteilungsleiter Kulturelle Bildung im schleswig-holsteinischen Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, über die Maßnahmen und Erfolge Kultureller Bildung im Land. Weitere Unterstützungsstrukturen für Schulen und Kitas sind in Planung und die kulturelle Infrastruktur soll weiter ausgebaut werden. Warum das Ziele der Landesregierung sind und diese den Länderpreis in MIXED UP 2018 stiftet, verrät Jury-Mitglied Gert Haack.

Gert Haack im Interview

Referatsleiter Abteilung III 41 „Kulturelle Bildung“ im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein
Mitglied der Fachjury bei MIXED UP 2018

Foto: privat

Frage: Ihr Haus ist in diesem Jahr MIXED UP Partner auf Ebene der Kultusministerien der Länder. Wie kam es zu dieser „ressortübergreifenden Kooperation“ mit der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung und dem Bundesjugendministerium?

Eine wichtige Schnittstelle ist sicher die Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Schleswig-Holstein. Sie ist Teil eines regionalen Netzwerkes aus Jugend-, Kultur- und Bildungsakteuren, die die Teilhabe an Kunst und Kultur für noch mehr Kinder und Jugendliche ermöglichen. Darüber hinaus ist die enge Zusammenarbeit mit Vertreter*innen der BKJ im Rahmen des Programms „Kreativpotentiale“ ein weiterer Baustein zur Bildung eines bundesweiten Netzwerkes für Kulturelle Bildung.

Und natürlich strahlt der Bundeswettbewerb für kulturelle Bildungspartnerschaften in den Norden aus. Auch hier werden an vielen Orten interessante und zukunftsweisende Vorhaben der Kulturellen Bildung durchgeführt. Sie sind teilweise auch im bundesweiten Wettbewerb preisgekrönt worden, so etwa die Holstenschule in Neumünster mit dem Projekt „Kofferpacken – Tschamedan“, eine Kooperation der Schule mit der Zentralen Bildungs- und Beratungsstelle für Migranten und Migrantinnen (ZBBS), der Zentralen Aufnahmestelle für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein (ZAST Neumünster), der Muthesius Kunsthochschule in Kiel und zahlreichen beteiligten Künstlerinnen und Künstlern.

Frage: Welches Interesse verbinden Sie mit der Stiftung eines MIXED UP Preises Schleswig-Holstein?

Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die kulturelle Infrastruktur in Schleswig-Holstein weiter auszubauen und zu stärken. Kultur bedingt unseren Zusammenhalt und ist Grundlage unserer Verständigung miteinander. Kunst und Kreativität machen unsere Gesellschaft bunt und regen zum Nachdenken an, so hat es Kulturministerin Karin Prien mehrfach ausgeführt. Wir begreifen Kulturpolitik daher als Querschnittsaufgabe, die einen umfassenden Beitrag für die Entwicklung und Gestaltung der demokratischen Gesellschaft leistet und damit Teilhabe und Integration ermöglicht.

Und insbesondere die Schulen haben dabei eine wichtige Funktion. Dort werden die Grundlagen gelegt: für die Herausbildung eines ästhetischen Bewusstseins, für die Entwicklung einer kreativen, sozial kompetenten, emanzipierten und urteilsfähigen Persönlichkeit, die sich den Herausforderungen kompetent und selbstbewusst stellen kann.

Gerade in einem Flächenland, in dem es nicht an jedem Ort jederzeit möglich ist, sich problemlos mit Themenfeldern der Kulturellen Bildung zu befassen, ist es dabei ausge-sprochen wichtig, Anregungen und auch Unterstützung anzubieten. Dazu eignen sich u. a. Wettbewerbe. Der Aspekt, zu einer prominenten Anerkennung der eigenen Arbeit zu gelangen, ist ein nicht zu unterschätzendes Motivationselement. Und natürlich sind die Wettbewerbskriterien auch ein guter Anlass, sich der verstärkten und möglichst dauer-haften Kooperation mit außerschulischen Kooperationspartnern zu widmen.

Frage: Mit dem Landesprogramm „Schule trifft Kultur – Kultur trifft Schule“ sind Sie Partner in dem von der Stiftung Mercator und unterschiedlichen Landesregierungen verantworteten Programm Kreativpotentiale. Wo liegen hier Ihre Schwerpunkte und wo gibt es (bereichernde) Schnittstellen zum MIXED UP Wettbewerb?

Wir sind stolz darauf, was in den vergangenen Jahren im Rahmen des Projektes „Schule trifft Kultur – Kultur trifft Schule“ in Schleswig-Holstein entstanden ist. Es ist gelungen, in fast allen Kreisen durch zertifizierte Kulturvermittler*innen des Landes Strukturen und Netzwerke Kultureller Bildung zu schaffen, von denen immer wieder wichtige Impulse ausgehen, die nicht nur Schülerinnen und Schüler und die Schulgemeinschaften erreichen, sondern auch Wirkung darüber hinaus in den Kommunen und Regionen entfalten. Beeindruckende Beispiele dafür sind auf der Webseite „Kulturvermittler-sh.de“ reichlich dokumentiert.

Kulturelle Bildung ist ein wesentlicher Baustein zur Persönlichkeitsentwicklung, Diskursfähigkeit und Demokratiebildung. Deswegen werden wir auch unsere strategische Kulturförderung dahingehend ausrichten. Wir nutzen dazu die Ressourcen des vereinten Bildungs- und Kulturressorts, um nachhaltige Strukturentwicklungen an der Schnittstelle von Schule und Kultur zu implementieren.

Die Landesregierung wird dazu auch die Kooperation mit der Stiftung Mercator fortsetzen. Sie wird vor allem die Verstetigung und Erweiterung der entstandenen Strukturen, die Fort- und Weiterbildung von Multiplikatoren, die Sicherung der Qualität und den weiteren Ausbau der Kulturellen Bildung in Schulprofilen zum Ziel haben.

Der MIXED UP Wettbewerb bezieht sich auf alle Arbeitsfelder, die auch in unserem Landesprogramm von grundlegender Bedeutung sind. Der Hinweis auf diesen Wettbewerb (und ähnliche) und der Aufruf zur Beteiligung daran sind eine sinnvolle Ergänzung der Maßnahmen, die auch die Landesregierung verfolgt.

Frage: Wie lauten die zentralen Ziele, die Sie mit Blick auf die Rolle Kultureller Bildung in der Schullandschaft in Schleswig-Holstein im Blick haben? Was läuft bereits gut? Wo sehen Sie die aktuell größten Entwicklungsbedarfe?

Kultur, kulturelle Vielfalt, Film, Theater, Tanz, Kunst und Musik haben eine immense Bedeutung für den Erhalt einer offenen, toleranten Gesellschaft, einer Gesellschaft, die mit komplexen und schwierigen sozio-ökonomischen Veränderungen einigermaßen vernünftig umgehen kann, einer Gesellschaft, die Veränderungen und Unterschiedlichkeit aushält, sie wertschätzt und kreativ nutzt. Es geht dabei um den Erhalt einer vielfältigen und lebenswerten Gesellschaft, die sich eben nicht nach einfachen Denkmustern abschottet, Feindbilder entwickelt und andere Menschen, Kulturen und Völker ausgrenzen will.

Daher wird die Landesregierung den Schulen Mittel für die Projektförderung zur Verfü-gung stellen, um sowohl den Eigenwert als auch den fächerübergreifenden Wert der ästhetischen Erziehung und der Kulturellen Bildung sichtbarer zu machen und zu verstärken. Planungen zur erfolgreichen Einbindung der Kitas haben begonnen. Darüber hinaus wollen wir die Zahl der Kulturvermittlerinnen und Kulturvermittler erhöhen: auf je 50 bei den Lehrkräften und 50 bei den Kulturschaffenden. Als weitere Maßnahme werden wir ab 2019 in jedem Landkreis eine Stelle für eine/einen Kreiskulturkoordinatorin und -koordinator einrichten. Es handelt sich dabei um Lehrkräfte, die mit halber Stelle abgeordnet werden. Kulturvermittler und -vermittlerinnen sowie Kreiskulturkoordinatoren werden gemeinsam dauerhafte Unterstützungsstrukturen pflegen und weiter ausbauen. Unterrichts- und Schulentwicklung im Sinne Kultureller Bildung sind bzw. werden wesentliche Bestandteile ihrer Arbeit sein. Wissenschaftliche Begleitung durch zwei Hochschulen des Landes und Projektevaluation sind dabei externe Unterstützungsmaßnahmen. Im Bildungsministerium selbst ist eine halbe Stelle zur Koordination des Projektes „Schule trifft Kultur“ neu geschaffen worden. Das „Forum Kulturelle Bildung“, das wir ebenfalls planen, wird ein weiterer Meilenstein werden. Wir sind davon überzeugt: Bildung und Kultur sind zwei Seiten derselben Medaille.

Weitere Informationen

Informationen zu den Themen und Aufgaben des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein in Bezug auf Kulturelle Bildung

Informationen über den MIXED UP Länderpreis Schleswig-Holstein

Weiteres Interview mit MIXED UP Jurymitglied Dr. Bettina Knauer vom Kulturforum21 der Schulen im Erzbistum Hamburg

Weiteres Interview mit MIXED UP Jurymitglied Alexander Luttmann, Geschäftsführer der LKJ Schleswig-Holstein

Informationen über den Wettbewerb MIXED UP

Bewerbungsschluss ist am 15. Mai 2018

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