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/// IGLU-Studie belegt Bildungsungerechtigkeit in Deutschland



Laut der aktuellen IGLU-Studie gehört Deutschland weiterhin zu den Ländern, in denen der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Lernerfolg der Grundschulkinder besonders groß ist. Die soziale Kluft ist in den letzten 15 Jahren sogar größer geworden.

Am 5. Dezember 2017 wurden die Ergebnisse der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) 2016 vorgestellt. Die Studie untersucht alle fünf Jahre das Leseverständnis von Schüler*innen am Ende der vierten Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich. An der Studie haben 2016 insgesamt 47 Staaten und zehn Regionen teilgenommen. In Deutschland wurden 4.277 Schüler*innen aus 208 Grundschulen in die Untersuchung einbezogen.

Die Starken sind stärker, die Schwachen schwächer geworden

Ein Ergebnis der Studie ist: In Familien, in denen es mehr Bücher gibt und die Eltern Berufe mit höherer Qualifikation ausüben, können die Grundschüler*innen deutlich besser lesen und mit Texten umgehen als in Familien, in denen das nicht der Fall ist. Die Spannweite der Leistungen hat in den vergangenen 15 Jahren zugenommen: Die starken Schüler*innen haben sich etwas verbessert, die Kinder aus armen Familien werden mehr und mehr abgehängt. Auch die Förderung von Kindern mit Migrationserfahrung gelingt der Studie zufolge unzureichend. Zudem lesen Jungen weniger als Mädchen, ihre Leistungen sind schlechter.

Damit „gehört Deutschland weiterhin zu den Staaten, in denen die sozialbedingten Leistungsunterschiede am höchsten ausfallen“, heißt es in der Studie. „ In den meisten Staaten, darunter auch vielen EU-Mitgliedsstaaten, fallen die sozial bedingten Disparitäten in den Schülerleistungen signifikant geringer aus. Im Vergleich von 2001 zu 2016 ist in den meisten Teilnehmerstaaten und -regionen keine Veränderung von sozialen Disparitäten zu beobachten. Deutschland aber gehört neben der Slowakei, Slowenien und Ungarn zu den vier Staaten, in denen soziale Disparitäten seit 2001 signifikant zugenommen haben.“

Bundesbildungspolitik in der Verantwortung

Die Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Cornelia Quennet-Thielen, stellte mit Blick auf die IGLU-Resultate fest: „Deutschland muss sich mehr anstrengen, damit die Leistungen der Grundschulkinder besser werden. Die Bildungsgerechtigkeit muss gestärkt und die Integration der Kinder mit Migrationshintergrund verbessert werden.“ Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, nannte die Ergebnisse „peinlich“ und forderte die zukünftige Bundesregierung auf, in der Bildungspolitik mehr Verantwortung zu übernehmen, „da offensichtlich die Länder diese Aufgabe nicht alleine bewältigen können.“ Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sprach sich für gezielte Leseförderung im Rahmen eines neuen bundesweiten Ganztagsschulprogramms aus.

Elternarbeit ausbauen

In einem Interview mit dem ZDF-Morgenmagazin sprach sich Stefanie Jentgens, die den Fachbereich Literatur & Sprache der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW leitet, u. a. für eine bessere Unterstützung von Eltern aus. Vielen Eltern sei nicht bewusst, dass sie durch Lesen und Vorlesen in der Familie die Lesefreude ihrer Kinder maßgeblich fördern könnten. 

Weitere Informationen

Technische Universität Dortmund: Hintergründe und Ergenisse zu IGLU

ZDF-Morgenmagzin: Interview mit Stefanie Jentgens (06.12.2017) verfügbar bis 06.12.2018

Pressemitteilung des Deutschen Kulturrats: „ Peinlich: IGLU-Studie zeigt dramatische Bildungsungerechtigkeit in Deutschland“ (05.12.2017)

Pressemitteilung des Bundesbildungministeriums: „Stabile Ergebnisse bei zunehmenden Herausforderungen – Lesen muss gestärkt werden“ (05.12.2017)

Pressemitteilung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft: „In Grundschulen und gezielte Leseförderprogramme investieren“ (05.12.2017)

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