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Zukunftskonferenz Ganztag: Kulturelle Bildung gehört von Anfang an in den Ganztag
BKJ 04.06.26

Zukunftskonferenz Ganztag: Kulturelle Bildung gehört von Anfang an in den Ganztag

veröffentlicht:
BKJ

„Jo, wir schaffen das!”, motiviert die Bühnenpoetin Meike Harms die Teilnehmer*innen zum Ende der Veranstaltung. Wie kann Ganztag künftig so gestaltet werden, dass er chancengerecht, qualitativ stark und kindgerecht ist – und Kulturelle Bildung dabei von Anfang an eine tragende Rolle spielt? Mit diesen Fragen beschäftigten sich rund 120 Teilnehmer*innen und Mitwirkende auf der Zukunftskonferenz Ganztag der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung am 2. und 3. Juni 2026 in Berlin.

Unter dem Titel „Ziele bündeln, Zukunft gestalten – Kulturelle Bildung im Ganztag zwischen Rechtsanspruch, Kooperation und Praxis“ brachte die Konferenz Vertreter*innen aus Kommunen, Landes- und Bundesministerien, Verwaltung, Wissenschaft, Schule, Kultureller Bildung sowie weiteren non-formalen Bildungsbereichen, Trägerstrukturen, Verbänden und Interessenvertretungen sowie Schüler*innen und Eltern zusammen, um gemeinsam Perspektiven für einen qualitativ starken Ganztag zu entwickeln.

Ganztag braucht Kulturelle Bildung

Die Teilnehmer*innen waren sich einig: Bildungsgerechtigkeit lässt sich nicht allein durch die Bereitstellung von Betreuungsplätzen verwirklichen. Ganztag muss als ganzheitlicher Bildungs- und Lebensraum verstanden werden, der konsequent vom Kind aus gedacht wird, Teilhabe, Mitbestimmung und individuelle Entwicklung ermöglicht und die bisherige strikte Trennung zwischen formalem Lernen am Vormittag und non-formalen Angeboten am Nachmittag überwindet.

Es ist wichtig, dass der Ganztag bewegt gestaltet wird und Bereiche wie Kulturelle Bildung und Sport stärker zusammen kommen, um gemeinsame Ganztagsprojekte umzusetzen

Ute Barthel, Referentin für Schule, Jugendhilfe und Verein bei der Deutschen Sportjugend e.V.

Copyright: BKJ
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Nach der Begrüßung durch die Moderatorin Margrit Lichtschlag und Julia Nierstheimer, stellvertretendes Vorstandsmitglied der BKJ, eröffnete Prof. Dr. Tom Braun (IU Internationale Hochschule) die Konferenz mit der Keynote „Unboxing Ganztag“, in der die Potenziale Kultureller Bildung für den Ganztag beleuchtet wurden. Anschließend arbeiteten die Teilnehmer*innen in Foren entlang unterschiedlicher Themenschwerpunkte und analysierten, wie der Ganztag historisch gewachsen ist, beschrieben seine heutige Realität aus unterschiedlichen Perspektiven und entwickelten gemeinsam Zielbilder für einen qualitativ starken, kooperativen Ganztag der Zukunft. Gemeinsam formulierten sie die Vision eines kooperativen Bildungsnetzwerks, in dem unterschiedliche Professionen und Perspektiven gleichwertig zusammenwirken. Getragen werden soll es durch verbindliche Zusammenarbeit, die strukturelle Verankerung Kultureller Bildung, Sozialraumorientierung sowie verlässliche Rahmenbedingungen in Form von Qualitätsstandards, Qualifizierung und auskömmlicher Finanzierung.

Wir brauchen Organisation, aber auch Ressourcen. Vor allem brauchen wir verbindliche Qualitätskriterien zur Integration von Kultureller Bildung in den Ganztag.

Bianca Bischer, Ganztagsträger PaedAktiv in Baden-Württemberg

Mit einer Live-Aufnahme des Podcasts Transformator „Transformator vor Ort – Stimmen aus der Ganztagspraxis“ klang der erste Konferenztag aus. Moderiert von Laura Vorsatz diskutierten Julia Nierstheimer (Geschäftsführerin des Bundesverbands der Jugendkunstschulen und Kulturpädagogischen Einrichtungen e. V.), Sarah Jäger (Mitglied des Landesjugendbeirats Rheinland-Pfalz) und Dr.in Anna-Maria Seemann (Lehrgangsleitung Akademie für Ganztagspädagogik) erste Ergebnisse und zentrale Impulse aus dem ersten Konferenztag.

Am zweiten Konferenztag stand die gemeinsame Maßnahmenplanung im Mittelpunkt. Dabei wurde deutlich: Ein qualitativ hochwertiger Ganztag entsteht nicht durch einzelne Angebote, sondern durch verlässliche Strukturen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene, gemeinsame Qualitätsmaßstäbe und eine langfristig gesicherte Finanzierung. Vor allem aber muss der Ganztag konsequent vom Kind aus gedacht werden und als gemeinschaftliche Aufgabe von Bildung, Kultur, Jugendhilfe und Politik gestaltet werden.

Ich wünsche mir, dass die Netzwerknotwendigkeit auch von offizieller Seite gesehen wird. Dass man mindestens einmal im Jahr alle Beteiligten an einen Tisch holt und fragt: Was bewegt euch? Welche Projekte gibt es? Wo können wir zusammenarbeiten? Denn ganz allein kommt man oft nicht weiter.

Ulrich Diekmann, Geschäftsführer des Sozialwerks für Bildung und Jugend in Olsberg

Einen eindrucksvollen Einblick in das Potenzial Kultureller Bildung im Ganztag bot die Performance der Berliner Initiative LUNA Park e. V., bei der Schüler*innen der Weddinger Gesundbrunnen-Grundschule ihre eigene Version von Schneewittchen auf die Bühne brachten. Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einem poetischen Tagungsrückblick von Bühnenpoetin und Poesiepädagogin Meike Harms

Die BKJ wird die Konferenzergebnisse für die Weiterentwicklung ihrer Positionen nutzen und in den fachpolitischen Diskurs einbringen. Sie setzt sich weiterhin für die strukturelle Stärkung Kultureller Bildung im Ganztag und die Interessen ihrer Mitglieder ein.

Hintergrund: Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung

Ab dem 1. August 2026 gilt in Deutschland der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für neu eingeschulte Grundschulkinder. Er wird in den Folgejahren bis 2029 schrittweise auf alle Kinder der Klassen 1 bis 4 ausgeweitet und umfasst acht Stunden Betreuung an Werktagen sowie Ferienbetreuung mit Ausnahme von maximal vier Schließwochen.