500 Akteur*innen aus Kommunen, Politik, Bildungsforschung und -praxis sowie Zivilgesellschaft teilten bei der Bundeskonferenz im smartvillage in Berlin-Neukölln ihre Perspektiven auf die Frage, wie Kommunen Bildungsbiografien besser unterstützen, strukturelle Barrieren abbauen und allen Menschen – unabhängig von Herkunft, sozialem Hintergrund oder Lebenslage – Zugänge zu besseren Bildungschancen ermöglichen können.
Die Fachstelle Kulturelle Bildung im kommunalen Bildungsmanagement der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) gestaltete dafür die Fishbowl-Diskussion „Mehr als Glitzer und Pappmaché: Frühkindliche Kulturelle Bildung als große Chance für mehr Bildungsgerechtigkeit“ aus.
Mehr als nur ein Projekt
Teresa Krohn, Stabsbereich Kultur/Kreis Stormarn, Luisa Leppin, Leitung Netzwerk Frühkindliche Kulturelle Bildung (NFKB), und Dr.in Caroline Heuer, Leitung Kulturkita Hessen, stellten in der Fishbowl-Diskussion anschauliche und praxisbezogene Beispiele aus der frühkindlichen Kulturellen Bildung vor und regten den Austausch an über die Leitfrage: Was braucht es, damit frühkindliche Kulturelle Bildung mehr wird als ein einzelnes Projekt und nachhaltig Bildungsgerechtigkeit stärkt?
Diskutiert wurden unter anderem die Rolle der Kommunen und das große Wirkpotenzial Kultureller Bildung für Kinder im Kita-Alter, aber auch für deren Familien. Neben finanziellen Ressourcen und Förderprogrammen (wie „Kultur macht stark“), die frühkindliche kulturelle Bildungsangebote erst möglich machen, brauche es vor allem Menschen, die den Mut haben, anzufangen.
Unser Learning bei der ‚Kultur & Kita‘-Förderung unserer Kommune: Aha! Es ist bereits alles da, es muss ‚nur‘ aktiviert und sichtbar gemacht werden. Es braucht also Mittel, Angebotsstrukturen und Vernetzung.
Teresa Krohn, Stabsbereich Kultur/Kreis Stormarn
Dr.in Caroline Heuer, die mit den Erfahrungen aus ihrem Modellprojekt ganz konkrete Einblicke in die Praxis der Kitas gewähren konnte, unterstrich:
Kitas in der pädagogischen und politischen Praxis als zentrale Bildungsorte zu begreifen und zu fördern, schafft Bildungsgerechtigkeit. Eben weil sie so entscheidend Bildungsbiografien beeinflussen und Zugänge eröffnen können, stehen sie im Fokus von Kulturkita Hessen.
Dr.in Caroline Heuer, Kulturkita Hessen
Luisa Leppin blickte vor allem aus einer fachlichen Perspektive auf das Themenfeld Frühkindliche Kulturelle Bildung. Sie betonte, dass Kulturelle Bildung ein wichtiges Querschnittsthema ist, um unter anderem an Themen wie gesellschaftliche Teilhabe, Demokratiebildung und soziales Miteinander anzuknüpfen. Sie erläuterte:
Weil ästhetisch-künstlerische Praxis an die kindliche Neugier anschließt und zum freien Experimentieren einlädt, schafft sie Erfahrungsräume zum Erkunden einer komplexen Welt, fördert Selbstvertrauen, Mut, Neugier, Kreativität und Flexibilität. Sie fördert so das soziale Miteinander, vielfältige Ausdrucksweisen und gesellschaftliche Teilhabe.
Luisa Leppin, Netzwerk Frühkindliche Kulturelle Bildung (NFKB)
Kulturelle Bildung als Baustein kommunaler Bildungslandschaften – für mehr Bildungsgerechtigkeit
Das Fazit der Fishbowl: Kulturelle Bildung ist ein wichtiger Baustein kommunaler Bildungslandschaften, um nachhaltig und lebenslang Bildungsgerechtigkeit zu stärken. Damit dies gelingt, gilt es Netzwerke auszubauen und zu kooperieren sowie die Sichtbarkeit auch in der Öffentlichkeit zu verstärken. All diese strukturell bedeutsamen Bausteine sind ebenso wichtig, wie Kulturelle Bildung auch selbst zu erleben: Um die Begeisterung vermitteln zu können, was sie bei jedem Einzelnen und in der Gruppe bewirkt.
Bessere Bildung? – gemeinsame Verantwortung von Bund, Ländern und Kommunen!
Zur „Bundeskonferenz Kommunales Bildungsmanagement“ am 16. und 17. Juni 2026 hatte das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) eingeladen. Mit einem Grußwort von Dr. Petra Bahr, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), und einer anschließenden Podiumsdiskussion, bei der Vertreter*innen aus Bund, Ländern und Kommunen erste Impulse zur Weiterentwicklung kommunaler Bildungslandschaften gaben, startete die zweitägige Veranstaltung. Es gab Keynotes zum Thema Bildungsgerechtigkeit in kommunalen Bildungslandschaften von Prof. Dr. Marcel Helbig, Leibniz-Institut für Bildungsverläufe, und Prof.in Dr. Viola Georgi, Universität Hildesheim. Ein breit diskutiertes Thema war zudem die von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden herausgegebene Erklärung zur Stärkung kommunaler Bildungslandschaften, die anlässlich der Bundeskonferenz auf den Weg gebracht wurde. Darin bekräftigen sie die gemeinsame Verantwortung, die alle Ebenen − Bund, Länder und Kommunen − dafür tragen, dass bessere Bildung vor Ort verwirklicht werden kann.
Bildungskommunen vernetzen sich zu Kultureller Bildung
Ein besonderes Highlight für die Fachstelle Kulturelle Bildung im kommunalen Bildungsmanagement war der Programmpunkt am Meeting Point am Nachmittag des ersten Konferenztages. Hier trafen sich die Bildungskommunen mit Schwerpunkt Kulturelle Bildung und weitere Interessierte. Mit Fragen wie „Was ist die geheime Superkraft Ihrer Kommune?“ oder „Welches ist für Sie das wichtigste Argument für Kulturelle Bildung?“ wurden Impulse geschaffen, um sich kennenzulernen und in den persönlichen Austausch zu gehen.
Die aktivierende und positive Wirkung von Kultureller Bildung zeigte sich am zweiten Konferenztag beim Bühnenact des Improvisationstheater-Ensembles „Die Gorillas“ und der Aufführung des Stücks „#Kinderrechte“ eines Kinder-Theaterprojekts aus Neukölln.
Nach einem Mind Opener von Prof.in Dr. Kerstin Schneider, RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Bergische Universität Wuppertal, fanden parallele Fokus-Sessions statt, zu denen die abschließende Plenumsdiskussion „Zukunftsreise Bildungsgerechtigkeit“ kurze Blitzlichter gewährte. Zuletzt sprach Dr. Andrea Ruyter-Petznek, Referatsleiterin im BMBFSFJ. Ihr Dank richtete sich an die rund 150 Aktiven, die an den verschiedenen Formaten beteiligt waren und mit ihren Beiträgen, ihrem Wissen und ihrem Engagement entscheidend zum Konferenzprogramm beigetragen haben. Abschließend betonte sie nochmals die Bedeutung der gemeinsamen Erklärung „Gemeinsam für starke kommunale Bildungslandschaften“ von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden. Sie sei eine wichtige Grundlage, um das kommunale Bildungsmanagement in gemeinsamer Verantwortung zu stärken. Bildung in Deutschland wird nur dann besser, wenn wir auf allen Ebenen in gemeinsamer Verantwortung agieren. Mit dem Rückenwind der Erklärung geht es jetzt darum, diese Verantwortung in Taten zu übersetzen, so die Referatsleiterin.