Um neue Impulse für die Organisation internationaler Jugendbegegnungen zu erhalten, haben sich Akteure der Kulturellen Bildung und der außerschulischen Jugendarbeit aus Deutschland und Frankreich Anfang Februar 2026 in Aachen getroffen.
An der deutsch-französischen Partnertagung, die von der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) in Zusammenarbeit mit dem französischen Verband zur Jugendbildung Ligue de l‘enseignement veranstaltet wurde, nahmen Fachkräfte unter anderem von Kinder- und Jugendtheatern, Zirkusvereinen, Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit, soziokulturellen Zentren und Jugendkunstschulen teil, die mit ihren jeweiligen Partnerorganisationen im Nachbarland internationale Kinder- und Jugendbegegnungen mit künstlerisch-kreativem Schwerpunkt durchführen möchten oder auf der Suche nach neuen Partnerorganisationen waren.
Partnerarbeit und Projektplanung
Erstes Ziel des Treffens war es, Partnerorganisationen aus beiden Ländern die Möglichkeit zu geben, ihre geplanten Austauschprogramme über die üblichen (doch meistens unzureichenden) E-Mail-, Telefon- und Videokonferenzkanäle hinaus vorzubereiten. Von Termin und Ort, über Budget, Zielgruppen und Team-Zusammensetzung bis hin zu fachlichen Themen und pädagogischen Methoden: Alle organisatorischen und inhaltlichen Aspekte konnten dabei besprochen werden.
Neben Partner-Tandems, die bereits gemeinsame Projekte durchgeführt haben, nahmen auch Einrichtungen teil, die sich nach einer ersten Kontakt-Vermittlung durch die BKJ und die Ligue de l’enseignement zum ersten Mal trafen. Die Tagung bot ihnen die Gelegenheit, sich näher kennenzulernen und die Weichen für ihre neue deutsch-französische Kooperation zu stellen.
Einige Akteure der Kulturellen Bildung waren ohne Partner anwesend, konnten dennoch von den Beratungen sowie vom intensiven Austausch mit den anderen Teilnehmer*innen profitieren, um neue Ideen und Impulse für ihre künftigen deutsch-französischen Projekte zu bekommen. In einem Blitz-Workshop zur Partnersuche bekamen sie die Gelegenheit, sich näher vorzustellen und mögliche Anknüpfungspunkte mit Kolleg*innen aus dem anderen Land zu finden.
Information und Beratung zu Förderung und Konzeption deutsch-französischer Begegnungen
Als Partnerorganisationen und Zentralstellen des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) stehen die BKJ und die Ligue de l‘enseignement Akteuren der Jugendkulturarbeit zur Seite, um sie auf dem Weg zur Förderung und bei der inhaltlichen Gestaltung ihrer deutsch-französischen Jugendbegegnungen zu begleiten. In verschiedenen Workshops standen praktische Fragen rund um das Förderverfahren, die Fördersätze und Formulare des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) und die korrekte Beantragung und Abrechnung auf der Tagesordnung. Ein Input des Referats „Schulische und außerschulische Jugendbegegnungen“ des DFJW im hybriden Format fand ebenso statt, in dem die Grundprinzipien des DFJW und der geförderten Projekte vorgestellt wurden.
Neben den finanziellen und administrativen Aspekten bekamen die Teilnehmer*innen Tipps und weiterführende Materialien zu inhaltlichen und konzeptionellen Fragen. Dabei ging es beispielsweise um:
- Methoden zur Überwindung von Sprachbarrieren,
- Konzept und Methoden des transkulturellen Lernens und der diversitätsbewussten internationalen Jugendarbeit,
- aktive Einbeziehung der Jugendlichen an den Programmen durch partizipative Ansätze und Berücksichtigung von Jugendlichen „mit besonderem Förderbedarf“,
- Tools zur Evaluation und Qualitätsentwicklung internationaler Begegnungen,
- künstlerisch-kreative Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen und Fragestellungen,
- Aspekte der partnerschaftlichen Zusammenarbeit im internationalen Kontext,
- Kinder- und Jugendschutz,
- Nachhaltigkeit und Umweltschutz etc.
Sprachanimationseinheiten, die jeden Tag von einer ausgebildeten Sprachanimateurin angeboten wurden, trugen zu einer positiven Gruppendynamik bei und ermöglichten zugleich das praktische Kennenlernen spielerischer Methoden, die auch bei Jugendbegegnungen eingesetzt werden können, um Berührungsängste und Sprachbarrieren abzubauen.
Vor Ort waren spannende Partnerorganisationen. Die Workshops sowie die Sprachanimation waren hilf- und lehrreich und man konnte sich sehr gut austauschen und vernetzen. Mit zwei Organisationen aus Frankreich bin ich nun auch im Austausch.
Kilian Freiberger, International Munich ArtLab
Und dann?
Während der Partnertagung konnten die bestehenden deutsch-französischen Tandems die Planung ihrer Jugendkulturbegegnungen voranbringen. In einer abschließenden Runde wurden die Perspektiven der verschiedenen Projekte aufgezeigt: Vorhaben insbesondere mit zirkus-, musik-, tanz- und theaterpädagogischen Ansätzen werden in diesem und in den nächsten Jahren in Frankreich und Deutschland stattfinden. Teilnehmer*innen ohne Partnerorganisation konnten sich vor Ort vernetzen und mögliche Partnerschaften anbahnen.
Für die BKJ als Zentralstelle des DFJW sind die bilateralen Partnertagungen ein wichtiges Angebot für die Träger des deutsch-französischen Jugendkultur- und Fachkräfteaustauschs und Interessierte an der internationalen Jugendarbeit. Sie bieten den Fachkräften aus beiden Ländern die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen, gemeinsam anstehende Begegnungen zu planen, und sich dabei persönlich und intensiv von den Organisator*innen in allen Fragen der Organisation und Förderung internationaler Jugendprojekte begleiten zu lassen. Nach diesem Treffen in Deutschland werden die BKJ und die Ligue de l‘enseignement eine weitere deutsch-französische Partnertagung im nächsten Jahr in Frankreich organisieren.
Die Tagung konnte dank der finanziellen Unterstützung des DFJW stattfinden.