Ob im Kultur- oder Sportbereich oder als Lesepat*innen in der Grundschule, ob in der Erinnerungskultur oder in der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) – zivilgesellschaftliche Organisationen und Engagierte spielen eine wichtige Rolle für die Gestaltung lebendiger kommunaler Bildungslandschaften. Ihre fachliche und methodische Expertise sowie ihr Zugang zu verschiedenen Zielgruppen machen sie zu zentralen Kooperationspartnern für das kommunale Bildungsmanagement.
Die Fachkonferenz der Transferinitiative kommunales Bildungsmanagement des Bundesbildungsministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) unter dem Titel „Zivilgesellschaft und Kommune: Gemeinsam Bildungslandschaften gestalten“ griff am 5. und 6. November 2025 in Bonn die Potenziale dieser Kooperationen auf und regte zum Austausch, Transfer und Weiterdenken an. Eingeladen waren Engagierte in kommunalen Bildungslandschaften, Verantwortliche aus Kommunalverwaltungen, insbesondere Projektleitungen und -mitarbeiter*innen der geförderten „Bildungskommunen“ und der Kommunen des Förderprogramms „Ganztag in Bildungskommunen“ sowie alle weiteren interessierten Kommunen.
Nach der Eröffnung und Begrüßung durch Dr. Andrea Ruyter-Petznek, Referatsleiterin im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), folgten Impulse und Anregungen aus der Praxis, die Vorbilder für tragfähige Partnerschaften zwischen Kommunen und zivilgesellschaftlichen Akteuren lieferten. Auch die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) und ihre „Fachstelle Kulturelle Bildung im kommunalen Bildungsmanagement“ beteiligte sich an dem Programm.
Das Dialogforum, moderiert von Dominik Eichhorn und Michel von Stromer (Fachstelle Kulturelle Bildung im kommunalen Bildungsmanagement bei der BKJ), brachte Vertreter*innen des Fachnetzwerks für kommunales Bildungsmanagement mit Akteur*innen aus verschiedenen Kommunen zusammen. Mitgewirkt haben unter anderem Lion Hartmann, Kulturmanager und Koordinator für Kulturelle Bildung im Bildungsbüro des Burgenlandkreises und Tanja Lütje, Kreiskulturreferentin im Kreis Stormarn, ebenso wie Julia Nierstheimer (bjke/BKJ), Theresa Demandt (BMCO) und Janek Liebetruth (freier Regisseur und Produzent sowie LanZe/BFDK).
Das Dialogforum „Teilhabe sichern: Kulturelle Bildung in kommunaler Verantwortung“ zeigte: Kulturelle Bildung kann nur dann Garant für gesellschaftliche Teilhabe sein, wenn sie als gemeinsame Verantwortung verstanden wird – getragen von Menschen, die zuhören, Brücken bauen und Räume schaffen, in denen Dialog wirklich stattfinden kann.
Stellen wir uns vor: Eine alleinerziehende Mutter, 43, leitet den örtlichen Jugendchor. Zwischen Familienalltag, Beruf und Ehrenamt jongliert sie täglich mit Zeit und Verantwortung. In wohliger Atmosphäre eines Dorfgemeinschaftshauses erzählt sie von ihren Herausforderungen – angestoßen durch Gesprächsinitiator*innen, die von außen in den Ort gekommen sind, um zuzuhören. Am nächsten Tag berichten diese im Amtszimmer der Bürgermeisterin von der Begegnung. Die Bürgermeisterin ist irritiert: „Warum redet sie nicht direkt mit mir? Bei mir stehen alle Türen offen.“
Diese Szene ist fiktiv – und doch steht sie exemplarisch für das, was im Dialogforum verhandelt wurde: Wie können Kommune und Zivilgesellschaft in einen echten Dialog kommen, um Teilhabe an kultureller Bildung zu sichern?
Wie können Kommune und Zivilgesellschaft in einen echten Dialog kommen, um Teilhabe an Kultureller Bildung zu sichern?
Im Mittelpunkt des Forums stand die Frage, wie Bedarfe erkannt, Sichtbarkeit gestärkt und Potenziale verknüpft werden können. Schnell wurde deutlich, dass Dialog mehr braucht als Strukturen – er braucht Atmosphäre. Orte, in denen Vertrauen entsteht, in denen Menschen ihre Erfahrungen teilen und gehört werden, sind die Grundlage gelingender Verständigung. Ebenso notwendig ist ein gemeinsames Verständnis dessen, worüber gesprochen wird, wenn von Teilhabe und Kultureller Bildung die Rede ist. Engagement darf nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden; es braucht verlässliche Rahmenbedingungen, die Beteiligung ermöglichen und wertschätzen. Das Credo „Zugänge für alle“ erfordert zugleich die kritische Reflexion der eigenen Haltung und Situiertheit – wer spricht für wen, aus welcher Position heraus, und welche Perspektiven bleiben ungehört?
Kulturelle Bildung wurde im Forum als prozessorientierter Raum beschrieben, der Persönlichkeitsentwicklung und Selbstbildung in den Mittelpunkt stellt und sich an den Lebensrealitäten junger wie älterer Menschen orientiert. Dabei zeigte sich, dass das Wissen um die Vielfalt kultureller Bildungsakteur*innen zentral ist: Vom ehrenamtlich getragenen Verein über Jugendkunst- und Musikschulen, Stadtmuseen, Theater- und Tanzhäuser bis hin zu Jugendhäusern oder Freiwilligen Feuerwehren – sie alle leisten Beiträge zur Kulturellen Bildung. Diese Heterogenität macht das Handlungsfeld anspruchsvoll und zugleich besonders wirksam, wenn sie in kommunale Strukturen eingebettet und wertgeschätzt wird.
Am Ende wurde deutlich: Kulturelle Bildung als Teil kommunaler Bildungslandschaften entfaltet ihr Potenzial, wenn die Kommune Verantwortung übernimmt, Teilhabe dialogisch zu entwickeln, Qualität zu sichern und Kulturelle Bildung dauerhaft im kommunalen Miteinander zu verankern.
Dazu gehören Augenhöhe, Perspektivwechsel und die Bereitschaft, Kulturelle Bildung als Querschnittsaufgabe zu begreifen. Unterschiedliche Bedarfslagen – von Mobilität über Zeit bis hin zu Zuständigkeitsfragen – müssen gemeinsam mit Fachkräften, Ehrenamtlichen, Schule und Kita, Verwaltung und Politik diskutiert werden, um nachhaltige Verständigungsprozesse zu schaffen.
Kulturelle Bildung kann nur dann Garant für gesellschaftliche Teilhabe sein, wenn sie als gemeinsame Verantwortung verstanden wird – getragen von Menschen, die zuhören, Brücken bauen und Räume schaffen, in denen Dialog wirklich stattfinden kann.