Wie im Juli berichtet, wird das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Finanzierung des Deutsch-Afrikanischen Jugendwerks (DAJW) nicht fortführen. Damit läuft das von Engagement Global umgesetzte Programm mit den Förderlinien „Teams up!“ und „Team works!“ zu Ende 2027 aus. Neue Anträge für Jugendbegegnungen sind nicht mehr möglich.
Einschnitte für Verständigung zu globalen Fragen
Für die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) ist diese Entscheidung ein schwerer Einschnitt. Das DAJW hat jungen Menschen und Fachkräften aus Deutschland und afrikanischen Ländern ermöglicht, einander im Rahmen außerschulischer Begegnungen kennenzulernen, gemeinsam künstlerisch und fachlich zu arbeiten und globale Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven zu bearbeiten.
Gerade über Europa hinaus sind solche Begegnungen von besonderer Bedeutung: Sie schaffen Erfahrungsräume, in denen junge Menschen andere Lebensrealitäten kennenlernen, eigene Sichtweisen hinterfragen und internationale Beziehungen aufbauen können. Für Fachkräfte eröffneten sie zugleich Räume für fachlichen Austausch, Qualifizierung und den Aufbau langfristiger Kooperationen.
Die BKJ war bis Ende 2025 strategische Partnerin im Rahmen der von Engagement Global umgesetzten und später vom DAJW verantworteten Programmlinie „Teams up!“. Sie begleitete Träger der Kulturellen Bildung bei der Entwicklung deutsch-afrikanischer Jugendbegegnungen. Gefördert wurden insbesondere künstlerische Projekte, in denen sich junge Menschen aus Deutschland und afrikanischen Ländern gemeinsam mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 auseinandersetzten. So wurden Nachhaltigkeitsthemen und Ansätze des Globalen Lernens in der Kulturellen Bildung gestärkt.
Aus für etablierte internationale Kooperationen
Über die Jahre haben sich zunehmend Träger der Kulturellen Bildung an dem Programm beteiligt und gemeinsam mit afrikanischen Partnerorganisationen tragfähige Kooperationen, Netzwerke und persönliche Beziehungen aufgebaut. Bereits in der aktuellen Förderphase haben jedoch Träger aus dem BKJ-Netzwerk keine Förderung mehr für geplante Begegnungsprojekte erhalten. Die Folgen der Abwicklung sind damit schon jetzt spürbar.
Mit dem Ende des DAJW entfällt nicht nur ein einzelnes Förderangebot. Es drohen gewachsene Partnerschaften und Netzwerke wegzubrechen, die über Jahre mit erheblichem Engagement aufgebaut wurden. Ohne verlässliche Förderung können viele Träger ihre Kooperationen nicht fortführen. Vor allem aber verlieren junge Menschen und Fachkräfte aus Deutschland und afrikanischen Ländern konkrete Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu kommen, gemeinsam zu arbeiten und tragfähige internationale Kooperationen weiterzuentwickeln.
Förderlücke ohne Ersatz
Aus Sicht der BKJ entsteht damit eine gravierende Förderlücke. Eine vergleichbare Möglichkeit, reziproke Jugendbegegnungen zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern zu fördern, besteht derzeit nicht. Auch über den Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP), für den die BKJ als Zentralstelle Mittel an Träger der internationalen Kulturellen Bildung weiterleitet, kann diese Lücke nicht geschlossen werden: Bei Begegnungen in Deutschland können die internationalen Reisekosten der ausländischen Partnergruppen grundsätzlich nicht finanziert werden. Für viele Jugendgruppen aus afrikanischen Ländern wird eine Begegnung in Deutschland damit faktisch kaum noch möglich.
Junge Menschen brauchen Räume, in denen sie sich über Grenzen hinweg begegnen, voneinander lernen und gemeinsam an globalen Fragen arbeiten können. Das Deutsch-Afrikanische Jugendwerk hat solche Begegnungen über Europa hinaus ermöglicht. Mit seinem Auslaufen entsteht eine Lücke, für die es eine politische Antwort braucht.
Cara Hilliges, Referentin Kulturelle Bildung International
Die BKJ hat sich deshalb mit einem Schreiben an die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Reem Alabali Radovan, gewandt. In ihrer Antwort verweist die Ministerin darauf, dass der Bundeshaushalt keine weiteren Mittel für das DAJW vorsieht. Damit wird jedoch nicht in Frage gestellt, dass das DAJW fachlich sinnvoll war oder dass die geförderten Begegnungen einen wichtigen Beitrag geleistet haben. Offen bleibt also vielmehr, wie deutsch-afrikanischer Jugendaustausch künftig noch möglich sein soll.
Die BKJ wird die weiteren Entwicklungen aufmerksam verfolgen und sich weiterhin dafür einsetzen, dass internationale Jugendbegegnungen über Europa hinaus möglich bleiben.