Statt pauschaler Verbote bedarf es stärkerer Plattformregulierung, mehr Medienbildung und niedrigschwelliger Unterstützungsangebote. Darauf weist eine aktuelle Studie des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt (AWO) hin. Grundlage der Ergebnisse sind Gruppeninterviews mit 30 Jugendlichen aus unterschiedlichen sozialen Lebenslagen, die in Einrichtungen in sozioökonomisch benachteiligten Stadtteilen geführt wurden.
In den Interviews wurde deutlich: Jugendliche nehmen die Risiken sozialer Medien wie etwa problematische Algorithmen, Suchtmechanismen, sexualisierte Inhalte oder Hass und Gewalt sehr deutlich wahr. Ein generelles Verbot wird dieser reflektierten Nutzung nicht gerecht und geht an der Lebensrealität vieler junger Menschen vorbei. Stattdessen fordern die Jugendlichen vor allem eine stärkere Regulierung der Plattformen.
Auch die Arbeiterwohlfahrt spricht sich in ihrer Pressemitteilung vom 26. Januar 2026 für verbindliche Regeln für Plattformbetreiber aus. Gleichzeitig plädiert der Verband für mehr Medienbildung in Schule, Jugendhilfe und außerschulischen Angeboten sowie für niedrigschwellige Beratungs- und Unterstützungsangebote, die auch Eltern und Fachkräfte einbeziehen. Junge Menschen sollten stärker an politischen Entscheidungen beteiligt werden, die ihre digitale Lebenswelt betreffen. Eine kohärente Digital- und Jugendpolitik müsse dabei Schutz, Teilhabe und Verantwortung gleichermaßen berücksichtigen.