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Heute sicherstellen, was wir morgen brauchen
BKJ 06.11.25

Heute sicherstellen, was wir morgen brauchen

veröffentlicht:
Ein sechsköpfiges Gremium sitzt auf der Bühne vor einem Publikum in einem schwach beleuchteten Hörsaal, wobei auf der rechten Seite ein Präsentationsbildschirm zu sehen ist.
BKJ

Nachhaltigkeit ist ohne Demokratie nicht denkbar – und Demokratie ohne eine starke Zivilgesellschaft nicht gestaltbar. Zivilgesellschaft bildet den Raum, in dem Menschen Verantwortung übernehmen, Teilhabe praktizieren und Zukunft sichern. Von dieser Wechselbeziehung zwischen Nachhaltigkeit, Demokratie und zivilgesellschaftlichem Handeln ausgehend, brachte die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) Anfang November in Berlin Akteure der Kulturellen Bildung und aus der weiteren Zivilgesellschaft beim Fachtag „Zivilgesellschaft nachhaltig aufstellen – Kulturelle Bildung sichern“ zusammen.

Mit diesem Fachtag haben sich die BKJ-Mitgliedsstrukturen abschließend mit dem selbst gesetzten Schwerpunktthema Nachhaltigkeit befasst – und natürlich ist klar, dass es nur ein vorläufiger Abschluss ist, denn Nachhaltigkeit kann nie zu einem Ende kommen.

Die gemeinsame Auseinandersetzung richtete den Blick auf die Kulturelle Bildung als Teil der Zivilgesellschaft: Wie trägt sie zur Demokratiebildung bei, und wie können ihre Organisationen – Vereine, Verbände, Netzwerke – Strukturen schaffen, die sie unabhängiger, widerstandsfähiger und nachhaltig handlungsfähig machen? – Das galt es an dem Tag gemeinsam in Impulsen, Podiumsgesprächen und Workshops und moderiert von Margrit Lichtschlag herauszufinden.

Ein Papierflugzeug steckt in einer gefalteten Karte auf dem Boden. Auf der Karte sind zwei Herzen gezeichnet und die Worte Mut + Wut mit buntem Marker geschrieben.
Copyright: BKJ
Mehrere Personen stehen an einem gebogenen Tresen mit Broschüren und Tragetaschen und unterhalten sich bei einer Indoor-Veranstaltung.
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Ein Mann spricht auf der Bühne in ein Mikrofon, während eine Frau daneben steht; vorne auf der Bühne sind Origami-Figuren und Wasserflaschen ausgestellt.
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Zwei eng beieinander sitzende Personen; eine hält einen Stift und ein gedrucktes Dokument mit einem Cartoon-Bild und Text auf einem Holzfußboden in der Hand.
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Drei Papierarbeiten, darunter zwei gefaltete Boote und ein Zickzack-Akkordeonstreifen aus bedrucktem Papier, liegen auf einer grauen, strukturierten Oberfläche.
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Zwei Frauen stehen in einem Haus, eine im Vordergrund in einem blauen Pullover und lächelnd, die andere im Hintergrund neben einem roten Kasten mit weißer Schrift.
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Fünf Personen sitzen auf einer Bühne vor roten und schwarzen Vorhängen und nehmen an einer Podiumsdiskussion mit Mikrofonen und Papieren teil, wobei zerknüllte Papierdekorationen auf dem Boden liegen.
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Shrinking civic spaces

Weltweit steht Zivilgesellschaft zunehmend unter Druck, ihre Handlungsräume werden enger – auch in Deutschland ist das der Fall. Der Fachtag nahm diese Entwicklungen in den Blick: von global sichtbaren skrinking civic spaces über die Strategien, mit denen sich Organisationen behaupten, bis hin zu den konkreten Situationen, in denen diese Bedrohungen spürbar werden.

Mit dem Impuls von Dr.in Marie Wachinger von der Allianz für Rechtssicherheit und dem Podium „Auf brüchigem Boden“ entstand ein dichtes Bild der aktuellen Lage und Herausforderungen zivilgesellschaftlicher Organisationen auf Bundes- Landes- und kommunaler Ebene.

Dr.in Nina Stoffers, Geschäftsführerin der Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen, beschrieb eindrücklich, wie sich demokratische Spielräume in der Praxis zunehmend verengen – oft bürokratisch leise und scheinbar beiläufig. Sie berichtete von der aktuellen Lage im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe im Bundesland, wo zum Beispiel bei einer jurybasierten Fördervergabe vorsorglich Projekte mit dem Wort „Demokratie“ im Titel nicht ausgewählt werden oder der sehr geringe, aber notwendige Anteil der Kommune für die Durchführung eines Projekts auf Basis einer Landesförderung von dieser nicht bewilligt wurde. Diese Beispiele mögen vereinzelt wirken, doch ihre Anzahl nehme spürbar zu.

„Wenn Demokratie schon ein Reizwort geworden ist, sollten wir die bedrängten Räume sichtbar machen und verteidigen“, mahnt Dr.in Marie Wachinger an. Wie nötig und wirksam das sein kann, zeigte Éva Adorján vom theater- und zirkuspädagogischen Zentrum LATIBUL in Köln: Einem von Jugendlichen mit migrantischen Wurzeln partizipativ entwickelten Freilichtkino-Projekt im Park wurde das erteilte Einverständnis zur Durchführung entzogen, weil der in Cannes prämierte Film in Teilen türkisch-sprachig war. Öffentlicher Protest machte mittels Demonstration, Briefen und Presse darauf aufmerksam, was Wirkung entfaltete: Die verantwortlichen Mitglieder des Bürgervereins, die sich gegen den Film ausgesprochen hatten, und den Teil des Parks gepachtet hatten, haben ihr Engagement im Verein aufgegeben.

Mut und Wut

Laut sein und immer zu prüfen, wo man im eigenen Wirkungsfeld aktiv werden kann, um handlungsfähig zu bleiben, ist unerlässlich, fasst Nina Stoffers zusammen. Isabel Gahren vom betterplace lab, die zum Thema Resilienz in der Zivilgesellschaft forscht, fügte hinzu, das Träumen wieder gesellschaftsfähig zu machen – und dem lähmenden Krisendiskurs eine hoffnungsvolle Utopie entgegenzusetzen. Wie solche Strategien und Ansätze aussehen können, zeigten die Workshops zu Rechtssicherheit, Bündnisarbeit, Finanzierung und Organisationsentwicklung, in denen Lars Reisner vom Deutschen Bundesjugendring, die Transformationsmanagerinnen Auli Eberle und Jennifer Aksu, Jonas Frykman vom Bündnis Zusammen für Demokratie und Philanthropie-Berater Malte Schumacher wichtige Impulse und Handwerkszeug vermittelten.

Ein glücklicher Sisyphos

Das Ringen um zivilgesellschaftliche Räume ist mühsam und kostet Kraft – oft auf Kosten der Ressourcen der eigentlichen, meist pädagogischen Arbeit. Dennoch, so der Tenor des ganzen Tages und des abschließenden Podiums „Boden gewinnen“, gehört es zum Selbstverständnis der Zivilgesellschaft, diesen Entwicklungen entschlossen entgegenzutreten.

Diskutiert wurde, wie politisches Handeln, zur Einschränkung zivilgesellschaftlicher Handlungsspielräume beiträgt. Sich davon unabhängig zu machen und selbstbewusst weiterzumachen, ist ein Lösungsangebot, das die Gesprächsteilnehmer*innen teilten. Stefan Wallner vom Bündnis für Gemeinnützigkeit aus Wien prägte hier das folgende Bild: „Stellen Sie sich Sisyphos als glücklichen Menschen vor.“

Jamila Schäfer, Mitglied des Deutschen Bundestages, riet dazu, die Politik durchaus ‚Druck zu betanken‘, und entsprechend mit Nachdruck daran zu erinnern, die gesetzlich festgelegten und zivilgesellschaftlich organisierten Aufgaben auch umsetzen zu müssen. Und Moritz von Rappard betonte, dass es sich lohne, die Motivation aus dem Kernpunkt der Arbeit zu ziehen, aus den „roten Bäckchen“, dem Spaß, der eigenen Begeisterung für die Arbeit und derjenigen, für die diese Arbeit gedacht ist. Nur wer Freude und Sinn in seinem Tun finde, könne andere dafür gewinnen, sich weiter zu engagieren. Das Erleben des Miteinander im Echten, dass sich Menschen verorten können in einer Gesellschaft sei für deren Entwicklung schließlich zentral, betonte Stefan Wallner. Nur so bliebe auch die Kraft für das Tun erhalten und dies sei gleichermaßen eine Maßnahme der Selbstfürsorge – diese Ansicht wurde insbesondere von den Fachkräften im Publikum betont. Nachhaltigkeit bedeute auch Selbstfürsorge ‒ inmitten von Krisen und steigender Arbeitsbelastung nicht auszubrennen, sondern Kraftquellen zu bewahren, um weiter gestalten zu können.