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Dritte Orte als kommunale Bildungsinfrastruktur
BKJ Politik • 15.09.26

Dritte Orte als kommunale Bildungsinfrastruktur

veröffentlicht:
Ihre Ansprechpartnerin
Antje Materna
Projektleitung Kooperation und Bildung
Telefon: 030 484860-37
E-Mail: materna@bkj.de
Körber-Stiftung

Eine Kampagnenbeteiligung zum Thema „Dritte Orte“? Selbstverständlich sind wir dabei. Gelegenheit für uns, dieses wichtige Thema nicht nur im Licht von Kultureller Bildung zu betrachten, sondern im Rahmen der kommunalen Verantwortung für ihre Bildungsinfrastruktur im Spannungsfeld non-formale und informelle Bildung.

Dritte Orte sind weit mehr als Räume der Begegnung. Sie sind nicht getrennt von der Bildungslandschaft – Dritte Orte sind ihre Zukunft.

Antje Materna, Fachstelle Kulturelle Bildung im kommunalen Bildungsmanagement (BKJ)

Dritte Orte als Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit unserer Kommunen

Wenn wir über die Zukunft von Bildung sprechen, müssen wir weit über Schulen und Kitas hinausblicken. Zukunftsfähige Bildungslandschaften entstehen überall dort, wo Menschen sich begegnen, Erfahrungen austauschen, Unterschiede aushalten, Neues ausprobieren, gemeinsam gestalten und Verantwortung übernehmen. Dritte Orte bieten genau diese Freiräume. Sie sind deshalb keine Ergänzung formaler Bildungsinstitutionen, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil kommunaler Bildungsinfrastruktur. 

An Dritten Orten wird Bildung nicht vermittelt, sondern gelebt. Hier lernen Menschen aller Generationen, Lebenslagen und Perspektiven miteinander und voneinander. Sie handeln Konflikte aus, entwickeln Ideen für ihr Zusammenleben, erproben neue Formen des Engagements und erfahren, dass sie ihre Kommune mitgestalten können.

Angesichts wachsender sozialer Ungleichheiten, demografischer Veränderungen und zunehmender Polarisierung brauchen wir solche offenen Bildungs- und Begegnungsräume heute mehr denn je. Als offene Bildungsorte stärken Dritte Orte nicht nur individuelle Entwicklung, sondern auch die Zukunftsfähigkeit unserer Kommunen. Sie können Brücken bauen, wo andere Systeme an ihre Grenzen stoßen und insbesondere in ländlichen oder strukturschwachen Regionen zu wichtigen Ankerpunkten des kommunalen Lebens werden.

Kulturelle Bildung als Motor gesellschaftlicher Transformation

Kulturelle Bildung entfaltet genau an diesen Orten ihre besondere gesellschaftliche Kraft: Sie lädt dazu ein, Fragen zu stellen, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen, Kreativität freizusetzen und Konflikte produktiv auszuhandeln. Sie schafft Zugänge für Menschen jeden Alters und jeder Herkunft – oft dort, wo klassische Bildungsinstitutionen nicht weiterkommen. So wird Kulturelle Bildung zu einem Motor gesellschaftlicher Transformation und Dritte Orte werden zu Laboren einer offenen Gesellschaft: Sie ermöglichen Teilhabe, stärken demokratische Handlungskompetenz und fördern das Vertrauen, dass Veränderung und Zukunft gemeinsam gestaltet werden können.

Kommune als Mitgestalter und Ko-Verantwortlicher

Doch dieses Potenzial entfaltet sich nicht von selbst. Dritte Orte müssen gewollt, bewusst entwickelt, unterstützt und gemeinsam gestaltet werden. Dafür braucht es langfristige Perspektiven, verlässliche Strukturen und den Mut, neue Wege zu gehen.

Genau hier liegt die Verantwortung der Kommunen. Sie können verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, indem sie öffentliche Räume sichern, Ressourcen bereitstellen, Kooperationen zwischen Verwaltung, Kultur, Bildung und Zivilgesellschaft fördern, partizipative Prozesse anstoßen und Freiräume für Innovation schaffen.

Dritte Orte sind weit mehr als Räume der Begegnung. Sie sind nicht getrennt von der Bildungslandschaft – Dritte Orte sind ihre Zukunft. Sie sind Teil einer modernen Daseinsvorsorge, weil sie demokratische Teilhabe ermöglichen, gesellschaftliche Resilienz stärken und den sozialen Zusammenhalt fördern.

Wer Kommunen zukunftsfähig machen will, sollte Dritte Orte als kommunale Bildungsinfrastruktur begreifen – und Kulturelle Bildung als ihren zentralen Impulsgeber.

Antje Materna, Fachstelle Kulturelle Bildung im kommunalen Bildungsmanagement (BKJ)

Über die Mitmach-Kampagne „Dritte Orte für Begegnung“

Dass Dritte Orte für gesellschaftlichen Zusammenhalt unverzichtbar sind und den Austausch über Trennlinien hinweg ermöglichen, dafür will die Körber Stiftung mit ihrer Mitmach-Kampagne „Dritte Orte für Begegnung“ sensibilisieren. Kultur- und Bildungsorte, Bibliotheken, Nachbarschaftszentren, Initiativen, Vereine, soziale Einrichtungen, engagierte Einzelpersonen und Netzwerke können sich beteiligen und im Rahmen der Kampagne zur Sichtbarkeit beitragen. 

Mit dem zur Kampagne gehörigen Statement „Dritte Orte sind für gesellschaftlichen Zusammenhalt unverzichtbar“ bringen die Mitunterzeichner*innen, unter anderem das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE), der Bundesverband Soziokultur, die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) sowie der Deutsche Bibliotheksverband ihre Haltung zum Ausdruck.

Als Mitglied des BBE setzt sich die BKJ insbesondere im Feld der Kulturellen Bildung für Dritte Orte ein.