Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) rückt mit einer europäischen Fachtagung in Berlin die Bedeutung Kultureller Bildung für das psychische Wohlbefinden junger Menschen in den fachlichen und politischen Mittelpunkt. Unter dem Titel „Creativity as MindCare – How Cultural Education Contributes to Psychological Wellbeing and Resilience“ haben vom 03. bis 05. Dezember 2025 über 100 Fachkräfte, Wissenschaftler*innen und Programmträger aus mehreren europäischen Ländern in Panels, Workshops und Fachgesprächen die fachlichen und politischen Perspektiven zur Stärkung der mentalen Gesundheit junger Menschen durch Kulturelle Bildung diskutiert.
Partner der Veranstaltung ist das niederländische „Kenniscentrum voor cultuureducatie en amateurkunst“ (LKCA), das gemeinsam mit der BKJ das europäische Projekt „MindCare“ realisiert und den Fachaustausch zur Förderung mentaler Gesundheit in der Kulturellen Bildung auf europäischer Ebene vorantreibt.
Einsamkeit entgegen wirken und Demokratie stärken
Zur Eröffnungsveranstaltung in der Botschaft des Königreichs der Niederlande in Berlin begrüßten die stellvertretende Botschafterin Mira Woldberg und die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesjugendministerium sowie Kinderbeauftragte Mareike Lotte Wulf die Gäste. Mareike Lotte Wulf unterstrich in ihrem Grußwort die Bedeutung von Bildungsansätzen, die über verschiedene Bereiche hinweg zusammenwirken und hob das Potenzial Kultureller Bildung hervor, Einsamkeit entgegenzuwirken und Demokratie zu stärken. Wie die Staatssekretärin formulierte, sei Kulturelle Bildung nicht nur Lernort, sondern auch Entfaltungsraum:
Cultural education is a place to grow and a place to glow!
Mareike Lotte Wulf, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesjugendministerium
Die stellvertretende Botschafterin des Königreichs der Niederlande, Mira Woldberg, betonte den Beitrag Kultureller Bildung für das emotionale Wohlbefinden junger Menschen und verwies auf Erfahrungen und Instrumente aus den Niederlanden, die ästhetische Räume als Orte von Ruhe, Inspiration und Selbstfindung nutzen.
Die Forschung zeigt eindeutig, dass Kinder und Jugendliche ein Gefühl der Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit als Schlüssel zu ihrem Wohlbefinden brauchen. Kulturelle Bildung und das gemeinsame MindCare-Projekt wirken daher genau am richtigen Ort – an der Schnittstelle zwischen Kultur- und Gesundheitspolitik.
Mira Woldberg, stellvertretende Botschafterin des Königreichs der Niederlande
Kulturelle Bildung als selbstverständlicher Beitrag zur Gesundheit?
Prof.in Dr.in Janine Stubbe von der Universität Rotterdam zeigte in ihrer Keynote eindrücklich, wie Kulturelle Bildung das psychische Wohlbefinden junger Menschen stärken kann und unterstrich dies mit Forschungsergebnissen, die diese Wirkung messbar machen. Sie zog zudem einen anschaulichen Vergleich zur Entwicklung der Sportförderung: Was heute als selbstverständlicher Beitrag zur Gesundheit gilt, musste sich erst über Jahrzehnte gesellschaftlich etablieren. Ähnlich, so Janine Stubbe, könne Kulturelle Bildung langfristig als präventive Ressource verankert werden.
Präsentiert wurden an dem Abend von den Vertreter*innen von LKCA und BKJ zudem erstmals die Ergebnisse der deutsch-niederländischen Studie zu Mentaler Gesundheit in der Kulturellen Bildung, in der Wirkung Kultureller Bildung auf das psychische Wohlbefinden von jungen Menschen erhoben wurde. Sie wird im Anschluss an die Fachtagung auf der Projektseite von „MindCare“ veröffentlicht.
Perspektivwechsel und Dialog
Ein Beispiel dafür, wie künstlerische Medien Räume für Perspektivwechsel und Dialog eröffnen können, bot Jordy Dik vom DIK Danstheater. Abgerundet wurde die Eröffnungsfeier durch eine künstlerische Performance des Paperlantern Collective, das gemeinsam mit Musizierenden aus Chemnitz erfahrbar machte, welche verbindende und stärkende Kraft im gemeinsamen Musizieren liegt, unabhängig von der musikalischen Vorerfahrung.
Wirkung erfahren, Wissen austauschen
An den beiden kommenden Tagen ging es dann an die gemeinsame Arbeit. Von Anfang an war zu spüren, wie offen und interessiert die Teilnehmer*innen dem Thema begegnet sind. Besonders intensiv waren die Workshops, die von vielen als sichere und wertschätzende Räume erlebt wurden. Gearbeitet haben die über 100 Tagungsteilnehmer*innen zu Themen wie: Partizipation und safe spaces, Kreatives Schreiben für Resilienz, Theater und Tanz als Methoden im Kinderschutz sowie zur Demokratisierung von Klang. Es wurde getanzt, gelacht, gedacht, geschrieben, geklebt, performt und erfahren, denn neben Inputs ging es auch um die Verankerung durch persönliche Erfahrung.
Das Kinder- und Jugendfilmzentrum der Bundesrepublik Deutschland (KJF) hat zudem eine thematisch angelehnte Ausstellung aus unterschiedlichen Jahrgängen des Deutschen Jugendfotopreises gezeigt. Der Auftritt des Kinder- und Jugendzirkus Cabuwazi aus Berlin unterstrich die kreative Stimmung der Fachtagung am ersten Tag, während am zweiten Tag das beeindruckende Stück des AWA Theaters die Teilnehmer*innen nachdenklich zurückließ und ein international besetztes Podium darauf aufbauend über Einsamkeit und die Rolle von Kunst und Kultur für Gemeinschaften diskutierte.
Fazit
Mit der Tagung schaffen die BKJ und das LKCA einen Raum für internationale Vernetzung, fachlichen Austausch und kreative Impulse. Ziel ist es, die Potenziale Kultureller Bildung für Prävention, Destigmatisierung, soziale Teilhabe und Resilienzförderung stärker sichtbar machen und Fachkräfte dabei zu unterstützen, Kulturelle Bildung als Ressource für Wohlbefinden zu nutzen.
Tagungsprogramm anschauen
Über MindCare
Das Projekt „MindCare“ der BKJ zielt darauf ab, Kulturelle Bildung als essenziellen Bestandteil einer ganzheitlichen Kinder- und Jugendhilfe zu etablieren, insbesondere vor dem Hintergrund steigender Belastungen für junge Menschen durch globale Krisen, Unsicherheiten und soziale Isolation.
„MindCare − Mentale Gesundheit in der Kulturellen Bildung, Förderung von Achtsamkeit, Resilienz und Empowerment“ (2025−2026) ist ein Kooperationsprojekt der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) und des „Kenniscentrum voor cultuureducatie en amateurkunst (LKCA)“, Niederlande. Es wird gefördert von der Europäischen Union.