Die Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zu verbessern, sei das Anliegen von Bundesbildungsministerin Karin Prien. Sie war vergangene Woche erstmals zu Gast bei der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ).
Karin Prien hob in ihrem Grußwort bei der Mitgliederversammlung in Berlin die Bedeutung der Kulturellen Bildung als zentralen Bestandteil der Bildungs- und Jugendpolitik hervor. Sie kündigte an, sich dafür einzusetzen, dass die Träger der Kulturellen Bildung gute Rahmenbedingungen für ihre Arbeit vorfinden. Sie leiste einen unverzichtbaren Beitrag für die Resilienz und gesundes Aufwachsen von jungen Menschen, für Chancengerechtigkeit und eine resiliente Demokratie.
Prien: Mit Selbstbewusstsein einfordern
Karin Prien verwies in ihrem Grußwort auf die jüngsten Ergebnisse der Bereinigungssitzung zum Bundeshaushalt 2026, der mehr Geld im Kinder- und Jugendplan für Projekte vorsieht – wenn auch nicht für die bundeszentralen Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe. Sie bekräftigte ihr Ziel, Kinder und Jugendliche von Sparauflagen auszunehmen und hob die im Bundeshaushalt veranschlagten zusätzlichen Mittel für die Freiwilligendienste hervor, welche für sie ein wertvolles Instrument der Berufsorientierung darstellen. Auch müsse der Kulturellen Bildung ein fester Platz im Ganztag und die dafür erforderlichen Mittel dafür zur Verfügung stehen.
Die Bundesministerin unterstrich, dass sich keine Herausforderung ohne Bildung bewältigen ließe und ermutigte die Kulturelle Bildung, mit mehr Selbstbewusstsein aufzutreten. Von intelligenten Strukturen in Zeiten knapper Ressourcen war vielfach die Rede.
Raphael Amend in BKJ-Vorstand gewählt
Als Beisitzer neu in den Vorstand gewählt, wurde der neue Bundesgeschäftsführer des Verbands deutscher Musikschulen Raphael Amend. Mit dem Thema Fachkräftemangel konnte er die Mitgliedschaft von seiner Wahl überzeugen. Statt kurzfristiger Lösungen richtet er seinen Blick auf die strukturellen Grundlagen dieser Situation und so sagt er zu seinem Antritt:
Wir brauchen junge Menschen, die Kulturelle Bildung mitgestalten – als Teilnehmende aber auch als Fachkräfte. Das bedeutet, wir müssen Kulturelle Bildung als sinnstiftendes, gesellschaftlich relevantes Berufsfeld sichtbar und attraktiv machen. Für die entsprechend besseren Rahmenbedingungen möchte ich mich gerne im Vorstand und gemeinsam mit den BKJ-Mitgliedern für das gesamte Feld einsetzen.
Raphael Amend, BKJ-Vorstand
Holger Denckmann, der im vergangenen Jahr als Bundesgeschäftsführer des Verbands deutscher Musikschulen in den Vorstand der BKJ gewählt wurde, hatte im Sommer eine neue berufliche Aufgabe übernommen und schied daher vorzeitig aus dem Vorstand aus.
Neues Positionspapier verabschiedet
Digitalisierung ist zentraler Treiber eines tiefgreifenden kulturellen Transformationsprozesses. Dass ein Positionspapier zu diesen Themen seine Halbwertszeit schneller überschreitet als gedacht, ist nicht verwunderlich. So hat die BKJ-Mitgliederversammlung am 15. November 2025 in Berlin ein Positionspapier unter dem Titel „Digitale Teilhabe sichern. Kulturelle Medienbildung für und mit jungen Menschen gestalten“ verabschiedet. Es wird Anfang Dezember hier veröffentlicht und ist eine Weiterentwicklung des 2020 verabschiedeten Positionspapiers „Digitalität gestalten. Jugendgerechte Kulturelle Bildung in der digitalen Gesellschaft“. Es behandelt KI, Augmented- und Virtual-Reality als künstlerische Werkzeuge bzw. Lernressourcen, beschreibt die Bedeutung autodidaktischen Lernens über digitale Plattformen, nimmt Bezug zu den Diskussionen um Smartphoneverbote und Altersbeschränkungen für Soziale Medien und beschäftigt sich mit einem umfassenden Kinder- und Jugendmedienschutz durch kulturelle Medienbildung.
Mitglieder bestätigen: Verschärfung von Kürzungen und Demokratiefragen
Die BKJ-Mitgliedsorganisationen tauschten sich über aktuelle Themen aus. Die Tendenzen des vergangenen Jahres setzen sich fort und es zeigte sich ein breites Spektrum an Anliegen, die von Fragen der Finanzierung und drohenden Kürzungen über Lobbyarbeit, Fachkräftemangel, Ganztagsentwicklung und Schutzkonzepten bis hin zu Extremismusprävention, Ehrenamt und Generationswechsel reichten. Entsprechend tauschten sich die Vertreter*innen aus Vorständen und Geschäftsstellen etwa über veränderte Förderbedingungen, kommunale Rahmenbedingungen, die Bedeutung stabiler Netzwerkarbeit und die Auswirkungen des politischen Umfelds auf ihre Arbeit aus.
Die BKJ-Mitgliederversammlung verabschiedete zudem die Jahresplanung und den Haushalt 2026. Auf besondere Weise wurde am Abend Rolf Witte gewürdigt, der nach mehr als 25 Jahren des beruflichen Wirkens für die BKJ in den Ruhestand gegangen ist und nun offiziell von der BKJ-Mitgliederversammlung verabschiedet wurde.