Wie werden wir in Zukunft leben? Welche Rolle spielen Kunst, Kultur und Gemeinschaft dabei? Im Mittelpunkt des Gipfeltreffens für die Generationen der Zukunft am 11. Mai 2026 im LATIBUL Theater- & Zirkuspädagogisches Zentrums in Köln stand die Auseinandersetzung mit Fragen rund um Gesellschaft, Kultur und Zusammenleben.
In Workshops, Gesprächsformaten, künstlerischen Installationen und Werkschauen wurde gemeinsam ausprobiert, diskutiert und gestaltet. Das Gipfeltreffen „AUSSICHTEN“ lud dazu ein, Zukunft im gemeinsamen Denken und künstlerischen Handeln zu erkunden – offen, spielerisch und partizipativ.
Die nun vorliegende Charta macht auf die Notwendigkeit und Bedeutung von Kunst und Kultur im Leben von jungen Menschen aufmerksam. In 16 Leitsätzen formuliert sie Wünsche, Erwartungen und Handlungsbedarf im Bereich der Kunst und Kultur sowie der kulturellen und ästhetischen Bildung. Am Charta-Prozess haben sich 369 Jugendliche sowie 24 Künstler*innen und Kulturpädagog*innen beteiligt.
Die Charta wurde auf Vor dem Hintergrund multipler Krisen und gesellschaftlicher Herausforderungen sowie schwindender Repräsentationsräume für Jugendliche wurde die Charta entwickelt. Sie hält Wünsche und Bedürfnisse von jungen Menschen im Hinblick auf Kunst und Kultur fest. Die Charta dient als Aufforderung und als Orientierung für Kunst- und Kulturschaffende sowie für politisch Verantwortliche, die Sichtweisen und Wünsche der jungen Generation stets zu beachten, sie aktiv zu fördern und ihnen Räume und Möglichkeiten zu bieten, sich an Kunst und Kulturformaten nach ihren Wünschen und Ideen zu beteiligen.
Die Punkte der Charta:
I. Kunst und Kultur im Leben von jungen Menschen
Kunst und Kultur machen uns zum Menschen, weil sie uns helfen, Sachen besser zu verstehen und weil sie unsere Besonderheiten zeigen. Kunst und Kultur bilden die Grundlage für unsere Werte, Entscheidungen und Beziehungen. Kunst ist für uns etwas, was Begegnungen und Verbindungen schafft, etwas, was Menschen von Sprache und Herkunft unabhängig berührt. Kunst macht Spaß und hilft, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen.
- Kunst und Kultur brauchen wir, um unsere Identität zu stärken, uns frei und ohne Folgen ausprobieren und uns auf gemeinsame Werte einigen zu können.
- Kunst stärkt unsere Fähigkeit, das Anderssein anzunehmen.
- Wir sollten unseren Kunstbegriff über die klassischen Kunstgenres hinaus erweitern. Wir betrachten beispielsweise auch Kochen, Gaming und Mode nicht nur als Kulturtechniken, sondern auch als Kunstformen, weil man auch dafür eine Mischung aus Talent und harter Arbeit benötigt und weil man Kunst in allem finden und erkennen kann.
II. Räume und Orte, die sich junge Menschen wünschen
Damit junge Menschen die eigene Freiheit und die Freiheit anderer erleben und erfahren können, brauchen sie Orte, an denen sie ganz sie selbst sein können.
- Wir brauchen Räume zum Chillen und um uns in Ruhe und sicher mit Freunden treffen zu können in unserer Stadt.
- Wir brauchen mehr Büchereien, öffentliche Küchen und „Probierbäckereien“ und Räume, wo man sich begegnen kann.
- Orte, an denen wir gern zurückkehren, sollten gemütlich, naturnah, sicher, ästhetisch und atmosphärisch ansprechend und kreativ sein.
- Wir brauchen Orte, wo viele Menschen aus unterschiedlichen Altersgruppen und Herkünften, die sich vielleicht sonst nie begegnet wären, zusammenkommen und gemeinsam Kunst und Kultur in einem freien und offenen Rahmen erleben und merken, dass auch sie und jeder Mensch sich in Kunst und Kultur ausdrücken und zuhause fühlen kann.
III. Wie junge Menschen Kunst/Kultur erleben
- Wir sind gern Teil einer Gruppe, weil mit Menschen zusammen zu sein, uns Spaß macht. Ausgrenzung ist für zwei-drittel der jungen Menschen ein Thema. Wenn man zusammen Theater spielt, Zirkus oder andere Kunst macht, ist man Teil eines Teams und fühlt sich nicht ausgegrenzt.
- Kunst bedeutet auch, die eigenen Grenzen auszutesten. Das kickt voll, braucht aber viel Mut und Vertrauen.
IV. Wir fordern
48 Prozent der befragten jungen Menschen wünschen sich, auch mal Theater spielen zu können, 52 Prozent möchten sich in diversen Kunstformen ausprobieren können. 54 Prozent der befragten jungen Menschen wünschen sich, häufiger ins Theater gehen zu können.
- Damit wir mehr Kunst und Kultur ausüben können und wollen, brauchen wir kostenlose Angebote, müssen besser an sie herangeführt werden, sie müssen für uns interessanter und für alle zugänglich werden.
- Damit wir mehr Kunst und Kultur in unserem Alltag erleben können, müssten diese günstiger und leichter erreichbar sein und wir müssten dort Freunden begegnen und neue Freunde finden können.
- Wir fordern mehr Sichtbarkeit, mehr Mitbestimmung, leichteren Zugang, mehr jugendrelevante Themen und kostenlose Angebote.
V. Unsere Visionen
- Wir möchten in der Zukunft in einer Welt ohne Kriege, Mobbing, Neid, Geldprobleme und Gewalt leben. Für eine bessere Zukunft müssen wir Gefühle voneinander, unseren Frieden, Sicherheit und Freiheit schützen und bewahren.
- Auch in einer KI dominierten Zukunft wird man Kunst brauchen, weil sie eins der menschlichsten Dinge ist, die es gibt. Kunst hat die Aufgabe die Macht zu nutzen, gerade in Zeiten von KI zugänglich für alle zu bleiben und sich nicht verdrängen zu lassen. Menschlichkeit muss immer wichtiger als technologische Neuheiten bleiben und dafür ist Kunst essenziell.
- KI wird nie erreichen, was eine Verbindung zwischen Menschen schaffen kann. Dafür braucht man immer noch Kunst, weil sie echte Emotionen übermitteln kann.
- Wir wünschen uns eine Gesellschaft mit mehr Empathie, eine, in der man sich mehr zuhört und die Meinung anderer ernst nimmt. Das wird nur dann gelingen, wenn wir lernen, Gefühle nachzuvollziehen und auszudrücken.