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Sexualisierte Gewalt mit Kindern oder Jugendlichen thematisieren – Was kann das bewirken?
Fachbeitrag

Sexualisierte Gewalt mit Kindern oder Jugendlichen thematisieren – Was kann das bewirken?

veröffentlicht:
Thema
Prävention und Kindeswohl
Schlagworte
Partizipation • Prävention und Kindeswohl • Schutzkonzept

Künstlerische Arbeit – so gut und achtsam sie auch ist – ist kein Ersatz für Schutzkonzepte, aber sie kann ein entscheidender Bestandteil davon sein. Sie schafft Räume, in denen Kinder Selbstvertrauen, Empathie und Mut entwickeln – zentrale Voraussetzungen, um sexualisierte Gewalt zu erkennen, zu benennen und ihr entgegenzutreten.

Von Christine Eichholz

Christine Eichholz ist Theaterpädagogin, systemische Beraterin und Geschäftsführerin der tpw theaterpädagogischen werkstatt gGmbH (tpw). Für die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (LJS) bildete sie viele Jahre pädagogische Fachkräfte in Schulen, Kitas und in der Jugendhilfe zum Thema sexualisierte Gewalt weiter.

Ich weiß jetzt, was das ist und auch, dass es mehrere Menschen gibt, die mir damit helfen können. 

Mädchen, 3. Klasse

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche stellt nicht nur eine Herausforderung für die betroffenen Personen und Familien dar, sondern auch für alle Institutionen, in denen Kinder und Jugendliche betreut werden: Kindertagesstätten, Schulen, soziale Einrichtungen, Vereine und somit auch für Einrichtungen der Kulturellen Bildung.

Das Schweigen, das Tabu und die Geheimhaltung, die in Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt auftreten und von Täter*innen bewusst betrieben und gefördert werden, schützen Tatpersonen und gefährden die Kinder. Das bewusste Thematisieren sexualisierter Gewalt durchbricht diese Tatdynamiken und kann eine Vielzahl von positiven Wirkungen entfalten: für jedes Kind individuell, auf der pädagogischen Ebene und auch gesellschaftlich.

In den vergangenen Jahren haben die großen Missbrauchskomplexe, beispielsweise in Lügde oder auch Bergisch Gladbach, dazu beigetragen, dass die Sensibilisierung in der Gesellschaft und das öffentliche Sprechen über die Thematik der sexualisierten Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zugenommen haben. Trotzdem gibt es auch heute noch Verunsicherung bei Eltern und pädagogischen Fachkräften: Wie kann mit Kindern und Jugendlichen altersgerecht über die Thematik gesprochen werden? Wie kann man Kinder und Jugendliche informieren, ohne ihnen Angst zu machen oder sie gar zu traumatisieren? Wie viel Information ist richtig und wieviel ist zu viel? Debatten darüber, dass eine sexuelle Bildung und Präventionsarbeit angeblich zu einer „Frühsexualisierung“ führen könnten, die im Wesentlichen von rechten und konservativen Lagern geführt werden, schüren Ängste und Verunsicherungen bei Eltern und Fachkräften zusätzlich.

Studien belegen jedoch das Gegenteil: Kinder, die altersgerecht aufgeklärt werden und über sexualisierte Gewalt Bescheid wissen, sind sicherer, selbstbewusster und besser geschützt. Präventionsarbeit kann sexualisierte Gewalt nicht vollständig verhindern, aber sie kann den Nährboden, auf dem sie entsteht, deutlich verringern.

Kinder, die sexualisierte Gewalt erleben, fühlen sich häufig isoliert und allein. Nicht selten wird ihnen vermittelt, dass sie selbst Schuld haben oder zumindest eine Mitschuld tragen. Wird in der Familie, der Schule oder in der Jugendgruppe jedoch offen über Körperautonomie, persönliche Grenzen und Gewalt gesprochen, entsteht ein Klima, in dem Betroffene wissen: Ich darf darüber reden und werde ernst genommen.

Kinder, die altersgerecht aufgeklärt werden und über sexualisierte Gewalt Bescheid wissen, sind sicherer, selbstbewusster und besser geschützt. Präventionsarbeit kann sexualisierte Gewalt nicht vollständig verhindern, aber sie kann den Nährboden, auf dem sie entsteht, deutlich verringern.

Offene Gespräche nehmen der Thematik das Stigma, Tabus verlieren ihre Macht. Kinder, die gelernt haben, dass ausnahmslos Täter*innen die Schuld tragen und niemals Betroffene, sowie Kinder, die gelernt haben, zwischen guten und schlechten Geheimnissen zu unterscheiden und wissen, dass sie ein schlechtes Geheimnis erzählen dürfen, werden eher den Schritt wagen, sich anzuvertrauen. Mädchen und Jungen, die die richtigen Begrifflichkeiten für die Geschlechtsteile und andere Bereiche des Körpers kennen und eine altersgerechte sexuelle Aufklärung erfahren haben, können im Ernstfall verbalisieren, was ihnen passiert ist.

Umso wichtiger ist es, bereits in der Ausbildung, aber auch später im Berufsleben, allen Fachkräften, die in irgendeinem Kontext hauptberuflich oder ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, Wissen darüber zu vermitteln, wie eine fachlich gute Präventionsarbeit aussehen kann, wie im Ernstfall eine gute Erstintervention und Gesprächsführung funktioniert und welche Bedeutung professionelle und partizipativ erarbeitete Schutzkonzepte haben.

Sexualisierte Gewalt zu thematisieren, bedeutet nicht, Kinder mit Schockinhalten oder altersunangemessenen sexuellen Informationen zu konfrontieren, die sie nicht verarbeiten könnten. Vielmehr geht es um eine altersgerechte Bildung zu Themen wie:

  • Gefühlen
  • Berührungen
  • Grenzen
  • Konsens und Vertrauen
  • Geheimhaltungsdruck
  • Wissen und Vokabular zu sexualisierter Gewalt
  • Handlungsoptionen und Hilfemöglichkeiten

Kinder, denen vermittelt wird, dass sie über ihren eigenen Körper bestimmen dürfen, die gelernt haben, ihrem Gefühl zu vertrauen und dass es erlaubt ist, „Nein“ zu sagen, wenn jemand eine persönliche Grenze überschreitet, sind besser geschützt. Kinder und Jugendliche, mit denen über Grenzverletzungen und Gewalt – auch in digitalen Räumen – gesprochen wird, entwickeln Schutzkompetenzen, also die Fähigkeit, heikle Situationen und Gefahren besser einzuschätzen. Haben sie gelernt auf ihr Bauchgefühl als unbewusstes Erfahrungswissen zurückzugreifen, werden sie unangenehme Berührungen oder Manipulationen eher wahrnehmen, erlernte und erprobte Handlungsschritte umsetzen und Hilfe suchen.

Robbe kommt in mein Zimmer und macht so blöde Spiele mit mir. Zuerst fand ich das auch ganz lustig, aber jetzt … jetzt fasst er mich überall an, auch da, wo ich das nicht mag.

„Mein Körper gehört mir!“ (tpw), Junge über Übergriffe durch seinen älteren Bruder

Präventionsarbeit informiert, sensibilisiert und stärkt grundsätzlich alle Kinder, unabhängig davon, ob sie bereits Gewalt erlebt haben oder nicht. Statistisch befinden sich, gerechnet auf eine Schulklasse mit 20 Kindern, ein bis zwei betroffene Kinder. Viele Betroffene schweigen aus der Angst heraus, dass ihnen nicht geglaubt wird oder sie verurteilt werden.

In einem Umfeld, welches das Thema regelmäßig fachlich und auf einer organisatorischen Ebene bearbeitet , werden jedoch Strukturen geschaffen, in denen Betroffene eher den Mut finden, sich zu offenbaren. Es wird ihnen vermittelt: Du bist nicht allein und es gibt Wege, Hilfe zu bekommen!

Je eher es betroffene Kinder schaffen, die Hemmschwelle zu überwinden und sich anzuvertrauen, und dann auf kompetente Fachkräfte treffen, die Kinder in professionelle Hilfestrukturen vermitteln können, desto früher können ein langer Leidensweg und langfristige Traumafolgen verhindert werden.

Lernen, mit Kindern und Jugendlichen über sexualisierte Gewalt zu sprechen, und eigene Grenzen schützen

Ich habe mich 20 Jahre meines Berufslebens vor der Beschäftigung mit der Thematik der sexualisierten Gewalt her gedrückt – aus Unsicherheit und Überforderung. In der Fortbildung habe ich dann gemerkt: Es gibt Hilfen und es gibt Handlungsmöglichkeiten, ich fühle mich jetzt sicherer und besser gerüstet, im Ernstfall gut zu reagieren.

Sozialarbeiter

Grundsätzlich sollte beim Sprechen über sexualisierte Gewalt unterschieden werden zwischen der aufklärenden Präventionsarbeit und der Gesprächssituation, wenn zum Beispiel ein betroffenes Kind sich anvertraut.

Für beide Felder gilt: Pädagogische Fachkräfte können fachlich, kommunikativ und emotional darin geschult werden, angemessen, altersgerecht und traumasensibel mit Kindern über sexualisierte Gewalt zu sprechen — wenn sie dafür systematisch ausgebildet werden, klare institutionelle Rahmenbedingungen, wie Meldewege, Supervision oder psychologische Begleitung vorhanden und bekannt sind, Gesprächsführung erlernt wird und sie Techniken zur Wahrung ihrer eigenen Grenzen und Selbstfürsorge kennen.

Sexualisierte Gewalt bleibt häufig verborgen. Viele Kinder sprechen nicht von sich aus darüber und zeigen stattdessen Veränderungen im Verhalten oder in der Befindlichkeit oder konfrontieren Fachkräfte mit unklaren Andeutungen. Präventionsarbeit kann Räume und Anlässe für Kinder bieten, sich mit ihrer persönlichen Geschichte schrittweise zu öffnen. Deshalb sind Fachkräfte in Kitas, Schulen und anderen pädagogischen Einrichtungen in einer Schlüsselposition: Sie können Hinweise wahrnehmen, sichere Gesprächssituationen schaffen und Schutzketten in Gang setzen. Gleichzeitig bedeutet dies, dass Fachkräfte auch mit belastenden Inhalten und verunsichernden Situationen konfrontiert werden können, was die reflektierte Auseinandersetzung mit den eigenen Grenzen und professionelle Schutzmechanismen erforderlich macht.

Diese Fähigkeiten lassen sich in Fortbildungen, in praktischen Übungen, wie zum Beispiel Rollenspielen und begleitetem Praxistransfer vermitteln. Empirische und praxisnahe Leitfäden liefern Handlungsroutinen, die Fachkräfte in belastenden Situationen Sicherheit geben.

Vier Bereiche sind besonders entscheidend:

Strukturierte Ausbildung und Fortbildung

Tagesfortbildungen können meist wichtige erste Impulse und Grundlagen liefern. Effektivere Angebote denken jedoch langfristiger und kombinieren Wissenstransfer, Kommunikationsübungen, Fallarbeit und initiieren eine dauerhafte Begleitung (z. B. Coaching oder kollegiale Fallberatung).

Institutionelle Absicherung

Einzelne, gut ausgebildete Fachkräfte stehen unter enormem Druck, wenn die Institution keine klaren Melde- und Unterstützungsregelungen hat. Schutzkonzepte, klare Zuständigkeiten und niederschwellige Zugänge zu externen Fachstellen sind Voraussetzung, damit Fachkräfte tatsächlich handeln können, ihre Belastungen reflektieren und Hilfe in Anspruch nehmen können.

Supervision, Intervision und psychologische Begleitung

Die Reflexion belastender Fälle in Supervision sichert professionelle Distanz und schützt davor, dass Fachkräfte, denen belastende Erlebnisse anvertraut werden selbst sekundär traumatisiert werden. Einrichtungen, die trotz entsprechender Kosten, die Mühe nicht scheuen, Supervision und psychologische Begleitung anzubieten, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeiter*innen Fälle gut begleiten und selbst verarbeiten können.

Die Auseinandersetzung mit eigenen Werten, Einstellungen und Schamgrenzen

Kinder benötigen eine klare Sprache und die korrekten Begrifflichkeiten, um sich ausdrücken zu können. Manche Fachkräfte werden damit konfrontiert, dass es ihnen selbst schwerfällt, über Sexualität oder sexuelle Gewalt zu sprechen. Eine reflektierte Auseinandersetzung mit den eigenen kulturell oder familiär erworbenen Werten und Schamgefühlen sowie der eigenen persönlichen Aufklärungshistorie im Vergleich zu anderen Menschen kann helfen, innere Grenzen zu überwinden. Diese Auseinandersetzung kann das Potenzial entfalten einerseits Kinder und Jugendliche in ihren Schamgefühlen zu verstehen, andererseits ihnen ein sicheres Gegenüber zu bieten, das sie ermutigt, zu sprechen.

Es gibt realistische Grenzen:

Persönliche Traumata der Fachkraft: Wer selbst belastende oder gar traumatische Erfahrungen hat, braucht oft zusätzliche, längerfristige professionelle Begleitung, bevor er oder sie in belastenden Fällen arbeiten kann. Fortbildungen allein genügen nicht immer.

Forensische Grenzen: Wenn Aussagen von Kindern und Jugendlichen eine Sammlung von Beweismaterial erfordern, ist das Vorgehen streng geregelt. Ungeübte Nachfragen können Beweise gefährden oder Traumabilder verstärken. Ab einem gewissen Punkt sollte die Gesprächsführung daher an speziell ausgebildete Kräfte abgegeben werden.

Fachkräfte der Kulturellen Bildung können also lernen, mit Kindern über sexualisierte Gewalt zu sprechen und dabei ihre persönlichen Grenzen zu wahren ‒ wenn dieses Lernen nicht isoliert stattfindet. Grundvoraussetzung ist eine Haltung, die das Kind ernst nimmt, seine Autonomie schützt und zugleich die eigene professionelle Rolle und Selbstfürsorge bewahrt.

Potenziale der Theaterpädagogik im Kinderschutz

Ich finde das toll, wenn ich dazu beitragen kann, dass Kinder anfangen, über ihre Rechte nachzudenken. Wie cool ist das denn bitte?!

Theaterpädagogin

Kulturelle Bildung – und insbesondere die Theaterpädagogik – bietet wertvolle Zugänge in der Selbstwirksamkeitsstärkung. Dabei geht es gar nicht immer explizit darum, konkret über sexualisierte Gewalt zu sprechen oder gar diese auf die Bühne zu bringen. Dies passiert eher im Ausnahmefall. Vielmehr ist es – sofern entsprechend partizipativ gearbeitet wird – die partizipative künstlerische Arbeit, in der sich eine Stärkung der Kinder und Jugendlichen entfaltet. Sie ermöglicht Erfahrungsräume, in denen Kinder sich ausdrücken, Grenzen wahrnehmen und soziale Verantwortung erleben können. Kulturelle Zugänge schaffen eine Brücke zwischen emotionalem Erleben und reflektiertem Handeln – und genau darin liegt ihr Potenzial.

Schutzräume durch künstlerische Ausdrucksformen

Die partizipative kulturelle Arbeit eröffnet im Idealfall geschützte Räume, in denen Kinder Gefühle, Konflikte und Erfahrungen in ihrer Kunst ausdrücken können, ohne sich unmittelbar persönlich offenbaren zu müssen. Durch das Bild, den Tanz oder das Theaterspiel entsteht im gleichen Moment eine Auseinandersetzung und eine symbolische Distanz. Schwierige Themen können stellvertretend durch Rollen und Szenen verhandelt werden, durch verfremdende Symbole und Bilder, durch Bewegungsausdruck und Musik. Diese ästhetische Distanz ermöglicht es, über Grenzverletzungen zu sprechen, ohne sich selbst zu gefährden. In partizipativer Arbeit können die Menschen ihre Themen und Rollen selbst wählen und somit auch selbst beeinflussen und entscheiden, wo sie ihre Komfortzone verlassen, inwieweit sie an Grenzen stoßen möchten und diese eventuell erweitern oder aber auch verteidigen und wahren wollen.

Selbstwirksamkeit und Körperbewusstsein fördern

Zentral für die Prävention sexualisierter Gewalt ist die Stärkung von Selbstbestimmung und Körperbewusstsein. Insbesondere die Theaterpädagogik vereint unterschiedliche Ausdrucksformen mit Stimme, Bewegung und körperlicher Präsenz. Teilnehmer*innen lernen, sich ihres Körpers bewusst zu werden, ihren Körper als Ausdrucksmittel wahrzunehmen, Grenzen zu spüren und zu benennen – nicht nur verbal, sondern auch nonverbal. Übungen zu Raum, Nähe und Distanz oder zu Statusausdruck und Hierarchie fördern – wenn sie achtsam angeleitet werden – die Sensibilität für das eigene Auftreten und das der anderen sowie für die Wirkmacht der Körpersprache. Dadurch wächst die Fähigkeit, Machtungleichheiten oder Übergriffe zu erkennen und selbstbewusst darauf zu reagieren.

Kommunikation und Perspektivwechsel

Die Künste, insbesondere Theaterpädagogik, fördern dialogisches Lernen. In Improvisationen, beispielsweise im Forumtheater nach Augusto Boal, können Teilnehmer*innen Situationen durchspielen, sie unterbrechen, alternative Handlungen ausprobieren und erleben, wie sich Machtverhältnisse verändern lassen. Kinder und Jugendliche lernen: Gewalt entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern in sozialen Strukturen – und jede*r kann Verantwortung übernehmen.

Auch das Veto-Prinzip nach Maike Plath kann Gruppen unterstützen, Mit- und Eigenverantwortung in künstlerischen Prozessen zu übernehmen. In Anlehnung an Jesper Juuls Prinzip der Gleichwürdigkeit sind bestimmte Elemente wie „Führungsjoker“ von jeder Person einsetzbar und erlauben – einmal etabliert – eine direkte Rückmeldung über die Qualität der Führung, die Bedürfnisse und Grenzen von Einzelnen und die der Gruppe. Wenn auch Teilnehmer*innen, die sonst eher schüchtern und leise sind, die Karten nutzen und ein Veto setzen, ist die Chance hoch, dass alle Stimmen in der Gruppe gehört werden. Werden Widerstände bei einzelnen oder in der Gruppe als wertvolle Impulse für den gemeinsamen Prozess begriffen, nicht übergangen, sondern als Ressource genutzt, entsteht eine andere Qualität des Zuhörens und eine Stärkung der Selbstwirksamkeit.

Weiterlesen

Boal, Augusto (1996): Theater der Unterdrückten. Übungen und Spiele für Schauspieler und Nicht-Schauspieler. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Maike Plath (2023): Das Veto-Prinzip. Die sieben Säulen gleichwürdiger Pädagogik. Beltz: Weinheim Basel.

Jesper Juul (2016): Leitwölfe sein – Liebevolle Führung in der Familie. Beltz: Winheim Basel.

Emotionales Lernen und Empathie

Während rein kognitive Zugänge häufig Wissen über Grenzen und Rechte vermitteln, ermöglichen die Künste und die Theaterpädagogik emotionales Lernen. Kinder erleben in Rollen Empathie, Mitgefühl und Solidarität. Sie spüren, was es bedeutet, verletzt oder ausgeschlossen zu werden, und können gleichzeitig erfahren, welche Wirkung Unterstützung entfalten kann. Diese emotionalen Erfahrungen sind nachhaltig: Sie bilden die Grundlage für eine respektvolle Haltung gegenüber sich selbst und anderen. Theaterarbeit spricht damit nicht nur den Verstand, sondern den ganzen Menschen an – Körper, Emotion und Bewusstsein.

Künstlerische Arbeit ist immer sozial. Sie lebt von Kommunikation und Auseinandersetzung, von Kooperation, Vertrauen und Rücksichtnahme. In der gemeinsamen künstlerischen Arbeit entsteht ein Gruppengefühl, das gegenseitigen Respekt fördert und soziale Kompetenzen stärkt. Kinder erleben, dass Zusammenarbeit nur funktioniert, wenn Grenzen gegenseitig geachtet und auch kommuniziert werden.

Pädagogische Professionalität und Verantwortung

Theater oder andere Kunstformen sollten niemals zur „Bühne des Offenlegens“ persönlicher Erfahrungen werden, sondern sollten Reflexion und Bewusstmachung ermöglichen.
Künstlerische Arbeit kann kein Ersatz für Schutzkonzepte sein, aber sie kann ein entscheidender Bestandteil davon sein. Sie schafft Räume, in denen Kinder Selbstvertrauen, Empathie und Mut entwickeln – zentrale Voraussetzungen, um sexualisierte Gewalt zu erkennen, zu benennen und ihr entgegenzutreten.

Literatur

Boal, Augusto (1996): Theater der Unterdrückten. Übungen und Spiele für Schauspieler und Nicht-Schauspieler. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2022): „Kinder stark machen“ – Präventionsprogramm gegen sexualisierte Gewalt. Köln.
BKJ – Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (2023): Prävention und Kindeswohl. Dachverbandliches Schutzkonzept für das Handlungsfeld Kulturelle Bildung. Remscheid/Berlin.
https://www.bkj.de/publikation/dachverbandliches-schutzkonzept-fuer-das-handlungsfeld-kulturelle-bildung/
Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung (DGfPI) (2020): Qualitätskriterien für die Prävention sexualisierter Gewalt gegen Mädchen und Jungen. Düsseldorf.
https://dgfpi.de/wp-content/uploads/2024/10/DGfPI-Qualitaetskriterien-Praevention.pdf open_in_new
Hentschel, Ulrike (2020): Theaterpädagogik und Prävention – Handlungsräume zwischen Kunst und Bildung. München: kopaed.
Kappler Selina/Hornfeck, Fabienne/Pooch, Marie-Theres/Kindler, Heinz(Tremel, Inken (2019): Kinder und Jugendliche besser schptzen – der Anfang ist gemacht. Schutzkonzepte gegen sexuelle Gewalt in den Bereichen: Bildung und Erziehung, Gesundheit, Freizeit. Berlin.
https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs2019/UBSKM_DJI_Abschlussbericht.pdf open_in_new
Keupp, Heiner/Mosser, Peter (2019): Prävention sexualisierter Gewalt. Grundlagen, Konzepte und Praxisfelder. Weinheim: Beltz Juventa.
Kinderschutzbund Bundesverband (2023): Prävention sexualisierter Gewalt – Materialien und Empfehlungen. Berlin.
https://kinderschutzbund.de/wp-content/uploads/2024/04/DKSB_Jahresbericht_240423_web_FINAL.pdf open_in_new
Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (2021): Gemeinsam gegen sexuellen Missbrauch – Handlungsorientierungen für Prävention und Intervention. Broschüre. Hannover.
https://www.jugendschutz-niedersachsen.de/gemeinsam-gegen-sexuellen-missbrauch/wp-content/uploads/sites/10/2024/04/ljs_ggsm_handlungsleitfaden_2023.pdf open_in_new
Maywald, Jörg (2021): Kinderschutz in der pädagogischen Praxis. Prävention, Intervention und Beteiligung von Kindern. Freiburg: Lambertus Verlag.
Plath, Maike (2023): Das Veto Prinzip – Die sieben Säulen der gleichwürdigen Pädagogik. Weinheim: Beltz.
Schelle, Carla (2018): Ästhetische Bildung als Prävention – Emotionale Lernprozesse im Theaterunterricht. Weinheim: Beltz.
Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (2024): Themenportal „Schutz und Prävention“. Berlin.
https://beauftragte-missbrauch.de/themen/schutz-und-praevention/ueberblick-schutz-und-praevention open_in_new
Wildwasser e. V. (2023): Arbeitsgemeinschaft gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen. Schutzkonzepte. Berlin.
https://wildwasser-berlin.de/schutzkonzepte/ open_in_new