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Was bedeuten die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Postdigitalität für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen? Was für ihre jugendkulturellen und künstlerischen Ausdrucksformen? Und damit letztlich für die Weiterentwicklung der Kulturellen Bildung?
Von Prof.in Dr.in Susanne Keuchel
Susanne Keuchel ist seit 2024 Geschäftsführender Vorstand Kunst- und Kulturvermittlung in Europa der Stiftung Genshagen. Sie war zuvor Direktorin der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW. Sie war über mehrere Jahre Vorsitzende der BKJ. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u. a. Empirische Kulturforschung.
Foto: Uwe Schinkel
Das Forschungsprojekt Postdigitale kulturelle Jugendwelten konnte im Rahmen von qualitativen und quantitativen Erhebungen jugendlichen Perspektiven auf digitale Praktiken und Teilhabe-Herausforderungen nachgehen.
Auf der einen Seite stehen künstlerische Materialien und Produktionen, die sich im Zeitalter der Postdigitalität insbesondere als interdisziplinär und performativ, experimentell und interaktiv zeigen. Eine Trennung von analog und digital ist in diesen Praktiken nicht mehr möglich, aber auch Grenzen von (bewusster) Produktion und Rezeption verschwimmen.
Auf der anderen Seite tritt eine fortbestehende, wenn nicht sogar sich verschärfende Problematik zutage: Produktions- und Rezeptionserfahrungen sind vielfach davon abhängig, welchen Bildungshintergrund junge Menschen haben. Das Wissen um die Rahmenbedingungen ihrer Mediennutzung (z. B. Algorithmen und Datenschutz) ist bei Jugendlichen relativ umfangreich, weist aber große Lücken auf. Insgesamt haben viele Jugendliche ein kritisches Bewusstsein und sehen zu ihrer Unterstützung politischen Handlungsbedarf. Postdigitale Praktiken teilhabeorientiert und künstlerisch-innovativ weiterzuentwickeln und emanzipatorischen Medienumgang zu unterstützen, stellen sich als dringende Aufgaben der Kulturellen Bildung heraus.
Im Fachbeitrag von Prof.in Dr.in Susanne Keuchel auf der Wissensplattform Kulturelle Bildung Online werden zunächst Hintergründe und Methodik der gesamten Studie vorgestellt. Anschließend werden Teilergebnisse der Studie präsentiert, die sich im Wesentlichen auf zwei der angewendeten zahlreichen Erhebungsformate im Gesamtvorhaben beziehen: die qualitativen Methoden BarCamp und eine bundesweite repräsentative Jugendbefragung der 14- bis 24-Jährigen (Face-to-face). Dabei werden einige grundsätzliche Merkmale postdigitaler jugendkultureller Ausdrucksformen skizziert, die beobachtet werden konnten.
Auch die postdigitale kulturelle Teilhabe wird in den Blick genommen und veränderte Sichtweisen durch Digtalität werden aufgezeigt. Abschließend beschreibt Susanne Keuchel auf Basis der Ergebnisse Empfehlungen für eine zeitgemäße Kulturelle Bildung im Zeitalter der Postdigitalität abgeleitet.
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Über das Forschungsprojekt
Das Forschungsprojekt „Postdigitale kulturelle Jugendwelten Entwicklung neuer Methodeninstrumente zur Weiterentwicklung der Forschung zur Kulturellen Bildung in der digitalen und postdigitalen Welt“ unter der Leitung von Susanne Keuchel (Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW) und Benjamin Jörissen (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – FAU) wurde im Zeitraum von 2016 bis 2019 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Es war ein Verbundvorhaben zwischen dem Institut für Bildung und Kultur e. V. Remscheid und der FAU, in Kooperation mit der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW.
Weitere Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt: siehe Jörissen, Benjamin, Carnap, Anne/Schröder, Martha Karoline (2020): Postdigitale Jugendkultur: Kernergebnisse einer qualitativen Studie zur digitalen Transformation ästhetischer und künstlerischer Praktiken. In: Timm, Susanne/Costa, Jana/Kühn, Claudia/Scheunpflug, Annette (2020): Kulturelle Bildung. Theoretische Perspektiven, methodologische Herausforderungen und empirische Befunde. Waxmann. S. 61-78.
Der Beitrag von Susanne Keuchel ist Teil des Praxis-Dossiers „Digitalisierung in der kulturellen Bildungspraxis“ der Wissensplattform Kulturelle Bildung Online, zu dem die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. beigetragen hat. In diesem Dossier geben Vertreter*innen unterschiedlicher Praxisfelder Einblicke in die konkrete Arbeit in ihren Einrichtungen bzw. Trägerstrukturen. Sie zeigen auf, wie sich durch den Einsatz digitaler Medien Methoden und Prozesse ihrer Arbeit verändert haben und was sie selbst daran als innovativ beschreiben.
Die Wissensplattform Kulturelle Bildung Online ist ein Projekt in Trägerschaft der vier bundesweit relevanten Fachstrukturen für Kulturelle Bildung: der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW, der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel, der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung sowie dem Institut für Kulturpolitik der Stiftung Universität Hildesheim. kubi-online.de richtet sich an eine Fachöffentlichkeit von Theoretiker*innen und Praktiker*innen der Kulturellen Bildung, Wissenschaftler*innen und Student*innen.