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Perspektiven global erweitern: Die Zuversicht, die Welt verändern zu können

Perspektiven global erweitern: Die Zuversicht, die Welt verändern zu können

Internationale Konferenz in Köln (30./31.10.2019)

veröffentlicht:
Thema
Internationale Perspektiven

Was ist es, wenn junge Menschen aus Deutschland mit Altersgenossen in Benin ein Theaterstück entwickeln, das sich mit nachhaltigen Entwicklungszielen beschäftigt? Kulturelle Bildung, entwicklungspolitische Bildung oder Internationale Jugendarbeit? Eine Tagung in Köln betonte die Gemeinsamkeiten.

von Christian Herrmann

Eine große Gruppe von Menschen steht lächelnd auf den Stufen vor einem Museumsgebäude mit Glastüren und Beschilderung in deutscher Sprache.
Drei Personen in Geschäftskleidung stehen in einem Konferenzraum und unterhalten sich; eine weitere Person sitzt in der Nähe und schaut weg.
Zwei Frauen sitzen in einem Raum; eine spricht in ein Mikrofon und gestikuliert, die andere hört aufmerksam zu. Beide haben Notizen und Papiere vor sich liegen.
Ein Mann hält ein Mikrofon und spricht während einer Veranstaltung, während andere Teilnehmer im Vordergrund zu sehen sind.
Eine ältere Frau in einer blauen Jacke spricht bei einer Indoor-Veranstaltung in ein Mikrofon, während andere Personen im Hintergrund sitzen und zuhören.
Eine Gruppe von sechs Personen sitzt auf der Bühne und diskutiert mit dem Publikum, das vor ihnen sitzt. Ein Diskussionsteilnehmer spricht mit einem Mikrofon in der Hand. Im Hintergrund sind ein Plakat und große Fenster zu sehen.
Eine Gruppe Erwachsener sitzt in einer Bibliothek oder einem Büro mit Bücherregalen im Hintergrund und diskutiert, wobei ein Mann spricht und gestikuliert.
Eine Gruppe von Menschen nimmt an einem Tanz- oder Bewegungskurs in einem Raum teil und hebt ihre Arme, während sie den Anweisungen folgen. Ein Wandspiegel reflektiert ihre Aktionen.
Eine Frau gestikuliert, während sie in einer Gruppe spricht; ein Mann neben ihr macht sich Notizen, und zwei Personen im Vordergrund sind teilweise sichtbar.
Eine Frau spricht an einem Podium, hinter ihr ein projiziertes Bild und ein Text, der sich auf die Soweto-Proteste vom 16. Juni 1976 bezieht. Im Vordergrund sind Zuhörer zu sehen.
Ein Mann in einem blauen Pullover sitzt während einer Veranstaltung und spricht in ein Mikrofon, während im Hintergrund ein Informationsplakat und Wasserflaschen zu sehen sind.
Ein Mann im Anzug spricht während einer Veranstaltung oder Konferenz in einem Gebäude in ein Mikrofon, während er sitzt und Unterlagen auf seinem Schoß hält.
Ein Mann im Anzug und mit roter Krawatte steht an einem Podium mit einem Mikrofon und spricht in einem Gebäude. Im Hintergrund sind Transparente und eine Wasserflasche zu sehen.
Zwei Personen sitzen und unterhalten sich; der Mann auf der rechten Seite spricht in ein Mikrofon, während die Frau auf der linken Seite mit einem weiteren Mikrofon und einem Notizblock zuhört.
Eine Person im Anzug und mit gelb getönter Brille spricht bei einer Veranstaltung in einer Halle in ein Mikrofon, während andere Personen im Hintergrund sitzen.
Eine Frau mit geflochtenem Haar spricht während einer Veranstaltung in ein Mikrofon, während eine andere Person im Hintergrund nach unten schaut und schreibt.
Ein Mann mit Mikrofon spricht und gestikuliert mit einem Stift, während eine Frau mit Brille im Vordergrund sitzt, beide in einer Konferenz- oder Seminarumgebung.
Ein Mann mit Brille und Namensschild sitzt an einem Tisch, gestikuliert mit seinen Händen und spricht mit einer anderen Person, die mit dem Rücken zur Kamera steht.
Drei Frauen stehen um einen Tisch herum, konzentriert auf einen Laptop-Bildschirm, mit einer Wasserflasche und einem blauen Tuch im Vordergrund.
Drei Personen sitzen bei einer Podiumsdiskussion, halten Mikrofone in der Hand und sprechen. Im Hintergrund ist ein Werbebanner zu sehen.
Zwei Personen stehen zusammen; eine hält ein Mikrofon und spricht, die andere hält Papiere und hört zu. Im Hintergrund ist ein gelbes Informationsbanner zu sehen.
Eine Frau und ein Mann sitzen auf Stühlen; der Mann spricht in ein Mikrofon, während er mit der Hand gestikuliert, und die Frau schaut ihn aufmerksam an.
Drei Personen sitzen auf der Bühne und führen eine Podiumsdiskussion; eine Frau spricht in ein Mikrofon, während zwei Männer zuhören, die jeweils Papiere in der Hand halten.
Eine Frau steht auf einem Podium und spricht bei einer Veranstaltung in einer Halle in ein Mikrofon, im Hintergrund sind Transparente und eine Wasserflasche zu sehen.
Eine Frau in einer rosa Jacke spricht an einem Podium mit Mikrofon. Neben ihr steht ein gelbes Transparent über globale kulturelle Bildung.
Eine Frau in einem hellrosa gemusterten Blazer hält ein Mikrofon und spricht während einer Veranstaltung oder Podiumsdiskussion in einem Gebäude.
Ein glatzköpfiger Mann im dunklen Anzug spricht im Sitzen in ein Mikrofon und gestikuliert mit der Hand während einer Veranstaltung in einer Halle.

Seit 2017 haben Mitglieder der BKJ und weitere Akteure der Kulturellen Bildung mit Partnern in Südafrika, Tansania, Benin und weiteren Ländern des Globalen Südens im Rahmen einer strategischen Partnerschaft von BKJ und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Kulturprojekte durchgeführt. Jugendbegegnungen mit Tanz, Theater, Musik, Film und Zirkus sind dabei entstanden – immer angelehnt an eins der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Die 2016 vom BMZ geschaffene und von Engagement Global gGmbH – Service für Entwicklungsinitiativen umgesetzte Förderlinie weltwärts Begegnungen ermöglicht den außerschulischen entwicklungspolitischen Austausch von Gruppen und ergänzt so die individuellen Freiwilligendienste des weltwärts-Programms.

Durch die Zusammenarbeit mit der BKJ sollen Jugendgruppen der Kulturellen Bildung gezielt fördern werden, um dadurch Zielgruppen zu erreichen, die bisher nicht oder nur wenig Berührung mit entwicklungspolitischen Themen hatten. Während einer Tagung im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum haben sich BKJ und IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit am 30. und 31. Oktober unter dem Titel „Perspektiven global erweitern“ die Frage gestellt wie durch Bildungsangebote ein gesellschaftliches Bewusstsein für globale Herausforderungen wie Umwelt- und Klimaschutz, gerechtere Lebensbedingungen, weniger Armut und besserer Zugang zu Bildung gefördert werden kann. Wie können die drei Bereiche Internationale Jugendarbeit, entwicklungspolitische Bildungsarbeit und Kulturelle Bildung dabei zusammenwirken?

Nachdenken über Ungleichheit

Es sind die Strukturen, die schnell in den Mittelpunkt der Diskussion rücken. Bei der BKJ wurde eine Servicestelle eingerichtet, die Akteure der Kulturellen Bildung zur Antragstellung für weltwärts Begegnungen bei Engagement Global berät. Die anwesenden Projektpartner werden nicht müde, diese Unterstützung zu loben. Ein Wermutstropfen bleibt jedoch: Anträge können nur deutsche Organisationen stellen und sie müssen auch die Mittel ihrer Partner aus dem Globalen Süden abrechnen. „Wir zwingen unseren Partnern ein deutsches Verwendungsrecht auf, das sie in ihren ehrenamtlichen Strukturen kaum bewältigen können“, klagt eine deutsche Teilnehmerin. Die Folge ist eine strukturelle Ungleichheit, die immer wieder bewusst gemacht werden muss. Alternativen gibt es – aber eben nur hypothetisch. Gäbe es bilaterale Abkommen, die eine Finanzierung der Projektpartner durch beide Regierungen der beteiligten Länder vorsehen, könnte die oft beschworene „Augenhöhe“ hergestellt werden. Von solchen Vereinbarungen ist man jedoch meilenweit entfernt.

Ein weiteres strukturelles Hindernis stellt die Visavergabepraxis deutscher Botschaften und Konsulate dar. Rückbegegnungen in Deutschland scheitern immer wieder an nicht erteilten Visa. Begegnung ist einerseits politisch gewünscht und wird zugleich behindert. „Die Visavergabepraxis hat sich seit 2015 verschlechtert“, sagt Marie-Luise Dreber, Direktorin von IJAB, in einer Podiumsdiskussion.

Das Unsichtbare sehen lernen

Es ist die Schönheit der Projekte und die künstlerische Kraft ihrer Akteure, die den Charme der Konferenz ausmachen. In Workshops kann man erfahren, wie in Tunis ein Garten entstand, in Tansania ein Zirkusprojekt auf die Beine gestellt wurde, in Ghana ein Theaterstück entwickelt wurde. Auf der Bühne gibt es „Spoken Word“ und Musik zum Mitsingen. „Ich habe gelernt, Dinge zu sehen, für die ich vorher blind war“, sagt ein junger Mann, über seine Austauscherfahrung. „Wir brauchen die Zuversicht junger Menschen, die Welt verändern zu können“, meint Rolf Witte, Leiter für Internationales bei der BKJ.

Es mangelt aber auch nicht am analytischen Blick. „Was bewegt junge Menschen in Südafrika?“, fragt Yvette Hardie, Direktorin von ASSITEJ Südafrika – einer internationalen Vereinigung von Kinder- und Jugendtheatern –, und gibt eine eindrucksvolle Antwort auf diese Frage. Es sind zunächst die Dinge, die vielen als Erstes in den Sinn kommen, wenn es um den globalen Süden geht: Armut, Jugendarbeitslosigkeit, geringe Perspektiven. Hardie bricht dieses Klischee jedoch sofort. Von Südafrika bis Hongkong beobachtet sie vorwiegend von Jugendlichen getragene Proteste. Für den Globalen Süden besonders wichtig: Es geht um den Zugang zu Bildung. Das betrifft das Schulsystem mit seinen oft ausgrenzenden Strukturen. Es betrifft aber auch den außerschulischen Sektor mit seinen vielen NGOs und lokalen Initiativen. Hier sieht Hardie ein weites Lernfeld, das es jungen Menschen ermöglicht, einen Platz in der Gesellschaft zu finden und an Projekten teilzuhaben, die es ihnen ermöglichen, das Lernen zu lernen – selbstbestimmt und entlang ihrer eigenen Vorstellungen und Wünsche. Es ist wohl vor allem dies, was junge Menschen in Jugendaustauschprojekten eint – egal wo ihre Heimat ist.

Was sind die Perspektiven nach zwei Jahren Projektarbeit? Die Teilnehmenden sind sich einig, dass Partnerschaften dann Erfolg versprechen, wenn sie langfristig angelegt sind. „Vertrauen braucht Zeit“, betonen sie immer wieder und meinen damit auch die unterschiedlichen Bedingungen unter denen Vereine und NGOs in Deutschland und dem Globalen Süden arbeiten. Die Förderer sind wohl bereit, ihnen diese Zeit zu geben.

Weitere Informationen zur Veranstaltung

Dieser Text von Christian Herrmann ist zuerst erschienen bei IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.. Er wurde von der BKJ redaktionell bearbeitet.

BKJ-Presseinformation „Perspektiven global erweitern – Kulturelle Bildung und Globales Lernen gehören zusammen“ vom 6. November 2019.

Dieser Text ist lizensiert unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 und darf unter den Bedingungen dieser Lizenz vervielfältigt und weiterverbreitet werden.