- Thema
- Bildungslandschaften
- Schlagworte
- Demokratie • Engagement • Ländliche Räume
Antje Materna ist Projektleiterin für die Fachstelle Kulturelle Bildung im kommunalen Bildungsmanagement der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ).
Zivilgesellschaft wird zu Recht als ‚Brückenbauer‘ bezeichnet, auch weil zivilgesellschaftliche Akteure oftmals versuchen, gezielt sozial benachteiligte Gruppen zu erreichen – so auch mit ihren kulturellen Bildungsangeboten.
Hübner/Priemer 2021: 40
Zivilgesellschaftlich getragene kulturelle Bildungsarbeit richtet sich stark an regionalen Herausforderungen sowie den Bedarfen der Zielgruppen aus. Ihr Beitrag für Bildungslandschaften ist unbestritten. Allen voran in ländlichen oder strukturschwachen Regionen verbindet Kulturelle Bildung die Generationen, stiftet Gemeinschaft und trägt maßgeblich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. Dabei sind zivilgesellschaftliche Akteure der Kulturellen Bildung per se auf Zusammenarbeit ausgerichtet. Sie „kooperieren etwas häufiger als andere zivilgesellschaftliche Organisationen (80% gegenüber 71%)“ (Rößler-Prokhorenko/Priemer/Hutter 2025: 8). Mit diesem Vernetzungsgrad scheinen sie prädestiniert dafür, in Bildungslandschaften verankert zu sein. Doch das Konzept der Bildungslandschaften ist bisher wenig bekannt und nur 15% der kulturellen Akteure betrachten sich selbst als eingebunden (vgl. Rößler-Prokhorenko/Priemer 2025: 9). Die Gründe hierfür sind äußerst vielgestaltig: Zivilgesellschaftlich organisierte Kulturelle Bildung ist nicht nur in unterschiedlichen Handlungsfeldern aktiv, sondern auch mit unterschiedlichen Organisationsformen und dort mit jeweils spezifischen Voraussetzungen, Zielsetzungen und Selbstverständnissen.
Zivilgesellschaftlich getragene kulturelle Bildungsprojekte sind besonders wichtige Säulen der Bildungsarbeit in ländlichen Räumen und brauchen Zugänge zu Ressourcen sowie Schnittstellen für die Netzwerkarbeit
Viele durch freiwilliges Engagement getragene Organisationen begreifen sich selbst kaum als Bildungsakteur. Dies wirkt sich nicht nur auf ihre Sichtbarkeit und Anerkennung, sondern auch auf ihre Handlungsfähigkeit aus. (vgl. Rößler-Prokhorenko/Priemer/Hutter 2025: 10). Lenkt man den Blick auf diese Organisationen in ländlichen und strukturschwachen Regionen, wird dieses Selbstverständnis und die Wahrnehmung besonders wichtig: Denn gerade hier sind zivilgesellschaftlich getragene kulturelle Bildungsakteur*innen zentrale Säulen der Bildungsarbeit. Sie brauchen Zugänge zu Ressourcen sowie Schnittstellen für die Netzwerkarbeit.
Schnittstellen schaffen in ländlichen Räumen
Ein Beispiel für eine solche Schnittstelle ist die KulturPerlenKette der Landesvereinigung Kulturelle Bildung Hessen (LKB). Die online verfügbare Karte stellt Akteure der Kulturellen Bildung aus ganz Hessen vor. Insbesondere zivilgesellschaftliche Akteure profitieren hier von den Möglichkeiten für Vernetzung, Erfahrungsaustausch und dem Initiieren gemeinsamer Projekte. Für das kommunale Bildungsmanagement bietet sich zudem ein Zugewinn an Transparenz und Sichtbarkeit zivilgesellschaftlicher Bildungsakteure, was die Anbahnung und Gestaltung externer Kooperationen erleichtert.
Neben der Sichtbarkeit ist die Einrichtung lokaler Koordinierungs- und Netzwerkstellen eine wichtige Gelingensbedingung, um die Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteure an lokalen Netzwerken für Kulturelle Bildung zu stärken und so unter anderem auch die Wege zu Förderprogrammen wie „Kultur macht stark“ zu ebnen. Die Unterstützungsstrukturen reichen von kommunal bis zivilgesellschaftlich getragenen sowie von rein koordinierenden bis hin zu ko-kreativ ausgerichteten Netzwerkstellen. Mit deren Hilfe können zivilgesellschaftliche Akteure der Kulturellen Bildung ihre zentrale Rolle als „Brückenbauer“ in Bildungslandschaften einnehmen.
Blick in die Praxis: Das Kulturlandbüro im Landkreis Vorpommern-Greifswald
Im Rahmen des Programms „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“ hat sich das Kulturlandbüro bis 2024 in der Region Uecker-Randow im Flächenlandkreis Vorpommern-Greifswald als Netzwerkstelle etabliert und sich 2025 mit Auslaufen des Programms als haftungsbeschränkte gUG neu gegründet, um die Strukturen zu erhalten und diese im Auftrag des Landkreises über die Region hinaus auszubauen. Dabei geht das Spektrum des Kulturlandbüros weit über das einer Koordinierungs- und Netzwerkstelle hinaus. Es ist vor Ort präsent und Ansprechpartner für alle Kulturinteressierten und Bildungsakteure, führt Beratungen für diese durch, entwickelt und begleitet kulturelle Projekte, stößt eigene Formate an und vermittelt zwischen den Menschen, den zivilgesellschaftlichen Akteuren, den Kommunen und der Landkreisverwaltung – immer mit dem Ziel, möglichst vielen Menschen vor Ort den Zugang zu Kultur und Kultureller Bildung zu ermöglichen. Mit dieser Vermittlungsrolle fungiert das Kulturlandbüro, wie es der Leiter David Adler formuliert, als „das kreative Komplementär der Verwaltung“. Ein weites Kultur- und Bildungsverständnis, das auch die Selbstverständnisse der zivilgesellschaftlichen Akteure integriert, ist dafür grundlegend. Um Sichtbarkeit und Transparenz zu erhöhen, hat das Kulturlandbüro zudem die Kulturland-Schatzkarte initiiert, die den Zugang zu Angeboten, Informationen und Ressourcen unterstützt. Für zivilgesellschaftliche Akteure der Kulturellen Bildung schafft dies zusätzliches Identifikationspotenzial und zahlt auf ihre Wertschätzung als Bildungsakteure ein. Diese zeigt zentrale Potenziale und Handlungsoptionen zivilgesellschaftlichen Engagements in kommunalen Bildungslandschaften auf. Ihre Beiträge entstanden im Kontext der Förderprogramme der „Transferinitiative Kommunales Bildungsmanagement“ (TI) und sollen nützliche Anregungen und Transferhinweise für Verwaltung, Bildungsakteure und Bildungsnutzende bieten.
Der Beitrag ist erstveröffentlicht in „Zivilgesellschaft und Kommune. Gemeinsam Bildungslandschaften gestalten“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ, 2025).