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„Go and create partnerships!“

„Go and create partnerships!“

Netzwerktreffen in Potsdam (14. – 18.11.2018)

veröffentlicht:
Thema
Internationale Perspektiven

Wie entstehen gute und stabile Partnerschaften für den Jugendaustausch auch über Kontinentalgrenzen hinweg? Dieser Frage sind 16 „globale“ Partnertandems beim zweiten BKJ-Netzwerktreffen „jugend.kultur.austausch global“ Mitte November 2018 in Potsdam nachgegangen.

von Volkmar Liebig

Volkmar Liebig ist seit 2017 Referent im Projekt „jugend.kultur.austausch global“ der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ). Zuvor arbeitete er für den Deutschen Entwicklungsdienst und als Kulturprogrammkoordinator beim Goethe-Institut Mexiko.

Ein Mann im Anzug spricht auf einem Podium in ein Mikrofon, vor ihm sitzt ein Publikum, im Hintergrund sind Informationsplakate zu sehen.
Drei Männer sitzen eng beieinander und führen ein ernstes Gespräch; andere Personen sind im unscharfen Hintergrund zu erkennen.
Eine Frau steht neben einer weißen Tafel, auf der etwas geschrieben steht.
Eine Gruppe von Menschen posiert für ein Foto.
Eine Gruppe von Menschen posiert für ein Foto.
Ein Mann steht mit den Händen in den Hüften und schaut auf eine Schautafel mit Fotos und Papieren. Er trägt ein blaues Hemd mit der Aufschrift "Proyecto Ecológico" auf dem Rücken. Im Hintergrund sind zwei gelbe Transparente zu sehen.
Bei einer Indoor-Veranstaltung mit Informationsständen und Postern im Hintergrund tauschen sich die Menschen aus und knüpfen Kontakte.
Drei Personen stehen in einem Raum und unterhalten sich; eine Frau hält eine Karte, die anderen hören aufmerksam zu.
Ein Mann steht neben einem Flipchart mit handgeschriebenen Worten und gestikuliert, während er in einem hellen, modernen Raum eine Präsentation hält.
Eine Gruppe von vier Personen sitzt eng beieinander und diskutiert, hält Ordner und Notizbücher in der Hand, während im Hintergrund andere Personen und ein Flipchart zu sehen sind.
Eine Gruppe von Menschen, die in einem Raum sitzen.
Eine Gruppe von Menschen springt auf eine Mauer.
Eine Person zeichnet ein Gesicht auf ein Blatt Papier.

Die Teilnehmer*innen des Netzwerktreffens haben in zweierlei Hinsicht Neuland betreten: Zum einen bot das Treffen zum ersten Mal den treibenden Kräften hinter Jugendbegegnungen zwischen Deutschland und Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas Gelegenheit, sich mit ihren jeweiligen Partner*innen persönlichen auszutauschen und ihre weltwärts Begegnungen gemeinsam zu planen. Zum anderen bot das Netzwerktreffen insbesondere für viele Teilnehmer*innen aus Tansania den Anlass, das erste Mal nach Deutschland zu reisen und sich einen Eindruck von den Bedingungen vor Ort zu machen.   

Pilotland Tansania

Die neue Dynamik im Austausch zwischen Trägern aus Deutschland und Tansania kommt nicht von ungefähr: So ist Tansania eines der drei Pilotländer der vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 2016 ins Leben gerufenen und von Engagement Global koordinierten Deutsch-Afrikanischen Jugendinitiative. Eines deren Ziele ist es, die Zahl der Jugendbegegnungen zwischen den beteiligten Ländern über Förderlinien wie weltwärts Begegnungen oder das entwicklungspolitischen Schulaustauschprogramms (ENSA) zu erhöhen. Mit insgesamt neun im Verlaufe dieses Jahres entstandenen Kooperations-Tandems stellten die Praktiker*innen aus Tansania und Deutschland daher auch gut die Hälfte der Teilnehmer*innen.    

Die Bedeutung der Deutsch-Afrikanischen Jugendinitiative und der Zusammenarbeit beider Länder unterstrich auch der tansanische Botschafter Dr. Abdallah Saleh Possi, der das Treffen eröffnete. Auch gegen Widerstände müssten neue Partnerschaften ins Leben gerufen und Energie investiert werden, um diese zu erhalten. „Create partnerships!“ – „Schafft Partnerschaften!“, lautete seine zentrale Botschaft.

Wie funktionieren faire Partnerschaften?

Wie gute Partnerschaften entwickelt werden können, wurde bei dem fünftägigen Treffen in Potsdam aus ganz verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Einerseits nutzten die einzelnen Nord-Süd-Tandems die Möglichkeit, intensiv an ihren gemeinsam geplanten Jugendgruppenbegegnungen im Rahmen der weltwärts-Förderlinie weiterzuarbeiten. Andererseits wurde auch der Begriff „Partnerschaftlichkeit“ selbst thematisiert. Dabei ging es insbesondere um die Frage, wie trotz Ungleichheiten, möglicher Vorurteile und unausgewogener Machtverhältnisse Partnerschaften möglichst fair funktionieren können. Wichtiges Ergebnis war, dass nicht trotz, sondern gerade wegen solcher Disparitäten globale Partnerschaften viele Möglichkeiten bieten, um mit diesem Thema umzugehen. Entscheidend ist, dass ein Bewusstsein für diese Thematik vorhanden ist, sie offen und transparent angesprochen und immer wieder gemeinsam reflektiert wird.

Methoden, die auf die Arbeit mit Jugendlichen übertragbar sind

Gewinnbringend war für die Teilnehmer*innen auch die Gelegenheit, sich mit den Organsiator*innen anderer Begegnungsvorhaben auszutauschen und zu vernetzen. Bei der Konferenz vertreten waren etwa das Graffiti-Projekt Wachata aus Daressalam, das gemeinsam mit dem Berliner Hiphop- und Street-Art-Verein Berlin Massive einen Austausch gestalten möchte, oder die Dhow-Countries-Musikakademie aus Stone Town auf Sansibar, die eine Kooperation mit der Jeunesses Musicales Deutschland und der Musikschule Hannover anstrebt. Neben diesen Tandems nahmen zudem Vertreter*innen von Jugend-Theatern, Zirkusvereinen sowie Film- und Tanzprojekten aus Deutschland, Tansania, Benin, Südafrika, Kamerun, Nicaragua und Ghana am Treffen teil. Gerade der Dialog zwischen diesen sehr unterschiedlichen Akteuren führte zu neuen Sichtweisen und Erkenntnissen. Dazu trugen sowohl die gemeinsame Auseinandersetzung mit sensiblen Themen wie etwa den globalen Ungleichheiten bei als auch die tägliche Sprachanimation. Die hier eingesetzten Methoden stießen auf großes Interesse, weil sie auch auf die Arbeit mit Jugendlichen übertragen werden können. Über das Netzwerktreffen hinaus bekamen zudem alle Tandempartner aus dem Globalen Süden die Möglichkeit, den jeweils deutschen Partnerverein zu besuchen und sich dort die praktische Arbeit anzuschauen.

Von allen Beteiligten konnte das Netzwerktreffen für ein wirkliches Kennenlernen sowie eine Erweiterung der Perspektiven genutzt werden.

„Es war für uns genau der richtige Zeitpunkt, um uns intensiver mit den SDGs zu beschäftigen, die Veranstaltung hat uns in unserer Planung gut vorangebracht.“

Ein Teilnehmer

Auf dieser Grundlage heißt es nun für die Tandems, die gesammelten Erkenntnisse in weltwärts Begegnungen umzusetzen: „Go and create partnerships!“.

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