Skip to main content
home
chevron_right
Magazin
chevron_right
Einfach lesen – Mit einem inklusiven Lesefestival stärkt die Bildungskommune Burgenlandkreis Bildungsgerechtigkeit vor Ort
Interview

Einfach lesen – Mit einem inklusiven Lesefestival stärkt die Bildungskommune Burgenlandkreis Bildungsgerechtigkeit vor Ort

Im Gespräch mit Lion Hartmann, Bildungsbüro Burgenlandkreis

veröffentlicht:
Thema
Bildungslandschaften
Schlagworte
Bildungsmonitoring • Kommunales Bildungsmanagement

Lion Hartmann ist als Kulturmanager und Koordinator für Kulturelle Bildung im Bildungsbüro des Burgenlandkreises tätig.

Was ist Kulturelle Bildung für Sie?

Kultur beginnt für mich überall dort, wo Menschen miteinander in Beziehung treten. Kulturtechniken sind deshalb immer auch Verständigungstechniken. Kulturelle Bildung begegnet uns nicht nur in Museen oder Theatern, eher sogar überall dort, wo Menschen gemeinsam gestalten, kommunizieren, lesen, musizieren oder sich kreativ ausdrücken. Sie ermöglicht es, die Welt und sich selbst auf ganz unterschiedliche Weise zu erfahren – haptisch, analog, digital, kognitiv, gestalterisch und emotional.

Deshalb möchte ich durch unsere Arbeit nicht nur möglichst viele Angebote schaffen, sondern vor allem die Qualität der Begegnungen und der Interaktion in den Mittelpunkt stellen.

Warum ist Kulturelle Bildung ein guter Schlüssel zu mehr Bildungsgerechtigkeit?

Kulturelle Bildung trägt dazu bei, Bildungschancen gerechter zu verteilen und Menschen zu ermutigen, ihre Perspektiven einzubringen. Denn Formate der Kulturellen Bildung erreichen Menschen unabhängig von ihren Voraussetzungen, ermöglichen Reflexionen zur eigenen Person, zur Umwelt, zur Heimat, zum Körper und geben so neue Ausdrucks- und Teilhabemöglichkeiten.

Kulturelle Bildung kann somit einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung leisten. Sie bietet Räume, in denen Menschen sich selbst, ihre Umwelt und ihre Mitmenschen neu wahrnehmen und reflektieren können.

Das Bildungsbüro setzt sich dafür ein, dass Ihre Kommune eine Region mit hoher Bildungsgerechtigkeit wird. Was sind die drei wichtigsten Aspekte, damit das Ziel „mehr Bildungsgerechtigkeit durch eine starke kulturelle Bildungslandschaft“ gelingt?

Ein zentraler Aspekt ist es, die Akteur*innen der Kulturellen Bildung und ihre Angebote zu kennen. Noch wichtiger ist aber, dass sich die Akteur*innen untereinander kennen und miteinander ins Gespräch kommen. Nur so entstehen tragfähige Netzwerke. Der zweite Aspekt ist die Zusammenarbeit zwischen formalen und non-formalen Bildungsakteur*innen. Schulen, Kitas, Kulturinstitutionen, Vereine und freie Kulturschaffende können gemeinsam nachhaltige Bildungspartnerschaften entwickeln. Davon profitieren unter anderem der Ganztag und das lebensbegleitende Lernen. Ein dritter wichtiger Baustein ist die gemeinsame Qualitätsentwicklung. Durch ein gut vernetztes Akteursfeld können wir Bedarfe früh erkennen, qualitative Rückmeldungen direkt aus dem Netzwerk erhalten und unsere Angebote gemeinsam weiterentwickeln.

Beim Klick auf Wiedergabe werden Daten von podigee-cdn.net geladen. Erfahren Sie mehr in der Datenschutzerklärung.
Transformator – Der Podcast für eine kulturelle Bildungslandschaft: Folge No 1: „Das große Klischee ist, hier ist nichts“ – Stimmen aus dem Burgenlandkreis

Mit welchem Projekt der Kulturellen Bildung stärken Sie Bildungsgerechtigkeit und Inklusion?

Mir liegt das Projekt „Einfach lesen“ von Robert Weinkauf besonders am Herzen. Es zeigt exemplarisch, wie aus einer kleinen Kooperation durch ein starkes Netzwerk ein nachhaltiges Projekt für Teilhabe und Inklusion entstehen kann.

Den Ausgangspunkt bildete eine Veranstaltung der Behindertenbeauftragten des Burgenlandkreises gemeinsam mit dem örtlichen Teilhabemanagement, der Kreismusikschule und dem Kulturmanagement. Regionale Persönlichkeiten lasen dort Literatur in Einfacher Sprache. Der Musiker Robert Weinkauf erkannte das Potenzial einer niedrigschwelligen Literaturvermittlung und entwickelte gemeinsam mit dem Kulturmanagement und dem Teilhabemanagement ein eigenes Veranstaltungsformat für Lesungen in Einfacher Sprache.

Das Kulturmanagement unterstützte das Projekt durch Öffentlichkeitsarbeit, die Einbindung in die digitale Kulturplattform, Werbematerialien und die Vernetzung weiterer Partner. Aus dieser zunächst kleinen Zusammenarbeit entwickelte sich Schritt für Schritt ein wachsendes Netzwerk, aus dem ein zweitägiges Impulsfestival rund um Einfache Sprache hervorgegangen ist, welches im November 2026 stattfinden wird.

Warum zählt ein Lesefestival in einfacher Sprache Ihrer Meinung nach zu Kultureller Bildung?

Literatur ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Kultur. Ein Lesefestival in Einfacher Sprache eröffnet Menschen einen Zugang zur Literatur, die sonst häufig ausgeschlossen werden oder nur schwer teilnehmen können. Damit schafft das Festival kulturelle Teilhabe und ermöglicht Begegnungen über unterschiedliche Lebenswelten hinweg. Genau das ist für mich Kulturelle Bildung: Menschen den Zugang zu kulturellen Ausdrucksformen zu eröffnen und sie dabei zu unterstützen, sich aktiv mit der Welt auseinanderzusetzen.

Welche Aspekte machen Ihr inklusives Lesefestival zu einem erfolgreichen Instrument für Bildungsgerechtigkeit?

Das Festival verbindet Akteure weit über das Netzwerk der Kulturellen Bildung hinaus und bringt unterschiedliche Akteursgruppen zusammen. Die Netzwerkpartner aus verschiedenen Bereichen – Bildung, Kultur, Verwaltung, Soziales und Zivilgesellschaft – übernehmen Verantwortung für seine langfristige Gestaltung und werden gleichzeitig für das Thema Einfache Sprache sensibilisiert. Das Festival selbst wiederum schafft einen niedrigschwelligen Zugang zu Literatur und kultureller Teilhabe für Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Alles in allem, stärkt so ein Festival nachhaltig regionale Netzwerke und macht deutlich, wie Inklusion und Bildungsgerechtigkeit gemeinsam gestaltet werden können.

Welche Unterstützung bekommen Sie durch das Fachnetzwerk kommunales Bildungsmanagement?

Durch das Fachnetzwerk für kommunales Bildungsmanagement lernen wir von den Erfahrungen anderer Kommunen, die Kulturelle Bildung bereits erfolgreich in ihrer Bildungslandschaft verankert haben. Viele dieser Ideen können wir auf die Bedingungen im Burgenlandkreis übertragen, weiterentwickeln und an unsere Region anpassen.

Die BKJ unterstützt uns dabei, Teil dieses bundesweiten Netzwerks zu sein, unsere eigenen Erfahrungen einzubringen und gemeinsam neue Ansätze für mehr Bildungsgerechtigkeit zu entwickeln. Dieser kontinuierliche Austausch hilft uns dabei, unsere kulturelle Bildungslandschaft nachhaltig weiter auszubauen.

Bildungskommune Burgenlandkreis

  • Bundesland: Sachsen-Anhalt
  • Einwohnerzahl: 171.535
  • Im Fachnetzwerk als Bildungskommune seit: 2023
  • Begleitprogramme: REAB Mitteldeutschland

Kampagne für Bildungsgerechtigkeit: „Kein Platz für Zufall“

Der Beitrag ist entstanden im Rahmen der Kampagne „Kein Platz für Zufall“ des Fachnetzwerks für kommunales Bildungsmanagement. 

Stimmen aus der Praxis der Bildungskommunen mit Schwerpunkt Kulturelle Bildung

Bildungskommune Burgenlandkreis, Lion Hartmann

Kulturelle Bildung trägt dazu bei, Bildungschancen gerechter zu verteilen und Menschen zu ermutigen, ihre Perspektiven einzubringen.

Lion Hartmann, Kulturmanager und Koordinator für Kulturelle Bildung im Bildungsbüro des Burgenlandkreises

Bildungskommune Stormarn, Teresa Kron

In Stormarn stärken wir Bildungs- und Teilhabechancen mit Kultureller Bildung und lebensbegleitendem Lernen – von Anfang an bis ins hohe Alter. Das wirkt vor Ort, davon sind wir überzeugt.

Teresa Krohn
Stabsbereich Kultur, Kreis Stormarn

BKJ und Fachstelle Kulturelle Bildung im kommunalen Bildungsmanagement

Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) ist mit ihrer umfangreichen Expertise im gesamten Themenspektrum Kulturelle Bildung bundesweit Anlaufstelle und hilft allen Akteuren der Kulturellen Bildung dabei, ihr Engagement für Bildungsgerechtigkeit sichtbar zu machen und umzusetzen.