Arbeitsfelder der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung



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Wie verstehen wir uns?

Manche Fachkräfte der Kulturellen Bildung trauen sich nicht an internationale Jugend-Kultur-Begegnungen heran, weil sie fürchten, dass die Sprachkenntnisse der Beteiligten nicht ausreichen – und lassen sich und „ihren“ Jugendlichen die vielfältigen Potenziale des interkulturellen Austauschs entgehen. Am Beispiel des deutsch-französischen Jugendkulturaustauschs zeigt Odile Bourgeois, wie (vermeintliche) Sprachbarrieren überwunden werden können.

von Odile Bourgeois

Internationale Begegnungen rund um die Künste und kulturelle Themen bieten jungen Menschen neue Lern- und Lebenserfahrungen. Sie tragen zur Förderung ihrer Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung, ihres Fremd- und Selbstbewusstseins bei. Zudem stärken sie ihre Fähigkeit zum Reflektieren und Agieren in unterschiedlichen interkulturellen Kontexten. Der internationale Jugendkultur- und Fachkräfteaustausch kommt deshalb sowohl Kindern und Jugendlichen, die kulturelle Vielfalt intensiv und bewusst (er)leben, als auch Akteuren der kulturellen Bildung, die damit ihre eigene, lokale Arbeit bereichern können, zugute.

Doch oft wird die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern von den Fachkräften, nicht zuletzt aufgrund der Sprachbarriere, als zu kompliziert empfunden und gar nicht erst gewagt. Oft verzichten sie auf die vielfältigen Potenziale des interkulturellen Austauschs, weil die Sprachkenntnisse vermeintlich nicht ausreichen. Welche Strategien können entwickelt werden, damit diese Barriere überwunden wird und gelingende Partnerschaften in internationalen Kontexten zustande kommen? Wie können wir uns im Jugendkulturaustausch verstehen und näher kommen, obwohl wir unterschiedliche Sprachen sprechen?

Sprache als Baustein der (inter-)kulturellen Bildungspraxis

Zunächst sollte jeder Organisator einer internationalen Begegnung im Auge behalten, dass die Sprachbarriere nicht einfach durch den Einsatz eines Dolmetschers umgangen werden kann. Zwar ist eine solche Sprachmittlung für die alltägliche Kommunikation in der Begegnungssituation notwendig, jedoch kann sich die gegenseitige Verständigung nicht darauf beschränken. Den sprachlichen Hindernissen liegen psychologische Hemmungen und Berührungsängste zugrunde, die durch aktive Beteiligung der jungen Leute am Annäherungs- und Verständigungsprozess abgebaut werden können.  Es geht darum, ihre Fähigkeit, auf die ihnen noch fremden Teilnehmer aus dem Partnerland zuzugehen, zu fördern und bei ihnen Spaß und Lust auf das Entdecken der anderen Sprache zu wecken, damit sie miteinander in Berührung kommen. Deshalb ist die Sprache nicht nur Mittel zur Kommunikation, das die kulturpädagogische Arbeit im interkulturellen Kontext erleichtert, sondern sie soll ein Baustein der (inter-)kulturellen Bildungspraxis sein.

Methoden zur Sprachverständigung

Der Einsatz von Methoden der Sprachanimation hilft, im Jugendkulturaustausch die anfänglichen Kontakthemmungen der Jugendlichen abzubauen und eine Gruppendynamik aufzubauen. Die Sprachanimation ist eine spielerische Methode, die von mehreren Organisationen, unter anderem dem Deutsch- Französischen Jugendwerk (DFJW) mit seinen Partnern, entwickelt wurde und deren Ziel es ist, die Kommunikation und Interaktion anzuregen, die Sprachbarrieren zu überwinden und dazu zu motivieren, die jeweils andere Sprache und die sich dahinter verbergende Kultur zu entdecken. Die mündliche Kommunikation steht im Vordergrund mit dem Ziel, die Freude am Umgang mit der Sprache des Partners spielerisch zu wecken. Auch die Tandem-Methode kann in Jugendbegegnungen eingesetzt werden: Jeder Teilnehmer ist gleichzeitig Lernender  der Sprache  seines Partners und Vermittler seiner eigenen. Auch mit wenigen Sprachkenntnissen fördert diese lebendige Auseinandersetzung mit dem An- deren und dem Eigenen den kommunikativen und interkulturellen Lernprozess. Ziel solcher Methoden ist es, durch Sprachspiele, kreative Methoden und aktive Einbeziehung der jungen Teilnehmenden ein Interesse für die noch fremde Sprache zu wecken und damit interkulturelle Begegnungen zu fördern. Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern mit verschiedenen (Sprach-)Hintergründen können so offener und freier miteinander agieren.

Kulturelle Bildung fördert interkulturelle Begegnungen

Ansätze und Methoden der kulturellen Bildung bieten ungeahnte Möglichkeiten, um persönliche Verbindungen auf einer non-verbalen Ebene zu entwickeln: ob mit Tanz, Spiel, Mimik/Pantomime, bildender Kunst – das Arbeiten mit künstlerischen Mitteln ist für interkulturelle Begegnungen optimal, da das vermeintliche Defizit mangelnder Sprachkenntnisse aktiv ausgeglichen werden kann. Darüber hinaus kann die gegenseitige Annäherung schnell durch gemeinsame künstlerische Prozesse und die damit verbundenen Emotionen geschehen, auch wenn die Sprachkenntnisse gering sind.

Kulturelle Bildung stellt zudem interessante Wege zur Aneignung und Auseinandersetzung mit Sprache dar, indem spielerische Sprachübungen in kulturpädagogische Ansätze integriert werden können. So führt beispielsweise der „Jugendkulturarbeit Oldenburg e. V.“ deutsch-französische und trilaterale Jugendbegegnungen durch, bei denen die Sprachen Anlass zur künstlerisch-kreativen Arbeit sind. Mittels des Theaters, des Gesangs, des Songwritings und der Bewegung werden die jugendlichen Teilnehmenden dazu gebracht, die Sprache des Anderen sowie ihre eigene zu entdecken beziehungsweise zu reflektieren. Dabei werden ihre Ideen und Interessen aufgegriffen und in die Theaterstücke integriert, so dass sie aktiv in die Lern- und Gestaltungsprozesse involviert werden. Viele Akteure der kulturellen Jugendbildung kooperieren mittlerweile mit Schulen. Die Arbeit mit der Sprache bei internationalen Jugendbegegnungen lässt sich mit solchen schulisch-außerschulischen Formaten gut kombinieren, wenn beispielsweise die Sprachlehrer an der inhaltlichen Gestaltung und dem pädagogischen und sprachlichen Konzept des Programms beteiligt werden. So können Kinder und Jugendliche mit den auf das Thema der Begegnung und auf die Kunstform bezogenen Wörtern und Ausdrücken vertraut gemacht werden. Dieser künstlerische Einstieg in die Sprache des Partners steht im Mittelpunkt der seit 2011 vom „Zirkus- und Artistikzentrum Köln ZAK e. V.“ jährlich organisierten deutsch-französischen Kinderzirkusprojekte mit Schulen aus Frankreich und Deutschland.

Interkulturelle Begegnungen fördern Kulturelle Bildung

(Sprach-)Grenzen zu überwinden ist besonders im internationalen Jugendkulturaustausch viel leichter als es scheint: Viele Methoden können ohne großen Aufwand eingesetzt und in die künstlerisch-pädagogische Praxis eingebunden werden, damit sich junge Menschen aus unterschiedlichen sprachlichen Zusammenhängen verstehen und sich näherkommen. Die Herausforderung, die sich für Fachkräfte aus der Vielfalt der Sprachen ergibt, kann mit ihrer eigenen Kreativität und Offenheit schnell und einfach angenommen werden. Es ist die pädagogische Aufgabe aller Kulturpädagogen und Fachkräfte aus allen Kunstsparten, eigene künstlerische, spielerische und kreative Wege der Arbeit an und mit Sprache zu finden, Sprachgrenzen zu überschreiten und damit neue spannende Lern-, Lebens- und Erfahrungsräume für Kinder und Jugendliche zu gestalten.

Indem sie lernen, über ihren eigenen Schatten zu springen und über ihre ersten Berührungsängste gemeinsam und schöpferisch hinauszugehen, entdecken und entfalten die jungen Menschen im internationalen Austausch ihre eigenen künstlerischen, persönlichen, sozialen und interkulturellen Kompetenzen. Daher sollte die Auseinandersetzung mit Sprachen als eine Chance für die kulturelle Bildung betrachtet werden, da sie neue Perspektiven für die Praxis entwickeln kann und den Lernzielen, die jeder kulturpädagogischen Arbeit zugrunde liegen, gerecht wird – nämlich Kinder und Jugendliche an kreativen Prozessen zu beteiligen und sie mit Kunst und Kultur stark zu machen.

Odile Bourgeois ist Referentin für deutsch-französischen jugend.kultur.austausch bei der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V.


Hinweis

Interessierten Trägern, die sich die Methoden zum interkulturellen Lernen und zur Sprachanimation aneignen möchten, bieten das DFJW und seine Partner Fortbildungen für den deutsch-französischen Austausch an. Darüber hinaus steht ihnen eine Teamer-Datenbank zur Verfügung, um vom DFJW zertifizierte Sprachanimateure und Gruppendolmetscher, die Jugendbegegnungen sprachlich und pädagogisch begleiten können, zu finden. Mehr Informationen zur Sprachanimation und Teamer-Datenbank für den deutsch-französischen Austausch unter: www.dfjw.org


Dieser Beitrag ist erschienen in infodienst – Das Magazin für kulturelle Bildung Nr. 112.


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