Arbeitsfelder der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung



Initiative Transparente Zivilgesellschaft

BMFSFJ

bkj.de
INTERVIEWS ZU DIVERSITÄT UND INKLUSION >>
Drei Fragen an ...
/// Peter Tiedeken: „Inklusion bedeutet nicht: Alle müssen mitmachen“



Der Musiker und Professor für Soziale Arbeit, Peter Tiedeken, beschreibt im Interview, was Inklusion für ihn bedeutet und was Menschen daran hindert oder darin unterstützt, „inklusiv“ miteinander zu handeln.

BKJ: Inklusion. Was ist das für ein Begriff? Verwenden Sie ihn und wenn ja, wie?

Porät von Peter Tiedeken Foto: www.kubi-online.dePeter Tiedeken: Ich beschäftige mich schon recht lange mit dem Begriff und bin über die Praxis auf ihn gestoßen. Ich spiele in der Musikgruppe Station 17, die mittlerweile seit 20 Jahren besteht. Zur Band bin über ein Praktikum gekommen und musste im Rahmen meines Studiums etwas dazu schreiben. Die Texte und Artikel, die ich damals gefunden habe, konnten jedoch nicht beschreiben, wie ich unsere Zusammenarbeit wahrgenommen habe. [...]

Dann schlug mir eine befreundete Sonderpädagogin vor, mich mit dem Begriff Inklusion zu beschäftigen. Ich stieß auf Literatur, die einen Inklusionsbegriff beschrieb, der unserer Arbeit bei Station 17 sehr nahekam. So habe ich den Begriff für mich entdeckt. Ich habe einen Zustand beobachtet, den ich beschreiben wollte. So funktioniert der Begriff Inklusion.

Inklusion bedeutet für mich nicht, Menschen mit und ohne Behinderung in die Gesellschaft zu integrieren, sondern Systeme zu schaffen, die unabhängig von zugeschriebener Kategorisierung Handlungen stattfinden lassen. Diesem Verständnis entsprechend ist Inklusion eine Anregung darüber nachzudenken, wie sich unsere Machtmechanismen gestalten. Wie und unter welchen Bedingungen handeln wir? Gerade im kreativen Feld ist es nicht sinnvoll und unmöglich, dass alle mitmachen sollen und müssen.

Inklusion bedeutet nicht: Alle müssen mitmachen, sondern wir haben die Möglichkeit, dass alle mitmachen können, die vom Kollektiv erwünscht sind.

BKJ: „Drogen sind schlecht für die Haut“, heißt ein Lied von Station 17. Was ist schlecht für Inklusion?

Peter Tiedeken: Schlecht für Inklusion sind Dinge, die Menschen davon abhalten, miteinander zu handeln, obwohl gute Erfahrungen damit verbunden sein könnten. Aber Wertvorstellungen, Vorurteile, institutionelle Bedingungen und Gesetze halten sie davon ab. Das heißt, dass alles, was Menschen nicht zueinander finden lässt, die gerne zueinander finden würden, schlecht für Inklusion ist und das sind mehr Dinge als man denkt. Hinderlich für Inklusion sind also vor allem Systembedingungen, die nur bestimmte Formen von Begegnungen ermöglichen, die unabhängig von Interessen stattfinden, sondern primär von Statuszuschreibungen (z. B. Behinderung) abhängen.

BKJ: Wie können solche Begegnungen möglich gemacht werden?

Peter Tiedeken: Die Gemeinwesenarbeit scheint viel Platz für Experimente zuzulassen. Das bedeutet, dass man unabhängig von Status etwas gemeinsam im Sozialraum veranstaltet. Es handelt sich dann nicht um Angebote, die sich auf bestimmte Personenmerkmale beziehen – z. B. Hip-Hop Kurse für Mädchen – sondern es geht um Projekte, die sich auf Menschen beziehen, die einen Stadtteil bewohnen. Der Stadtteil geht alle Menschen etwas an und das ist für mich gelungene Inklusion. So finden Interessen zusammen und nicht nur Begegnungen von Menschen mit ähnlichen Zuschreibungen.

Peter Tiedeken hat Soziale Arbeit in Hamburg studiert und ist Musiker beim Künstlerkollektiv „Station 17“ (Hamburg). Er hatzum Thema „Musik und Inklusion“ promoviert und vertritt seit 2016 eine Prrofessur für Ästhetik und Kommunikation mit dem Schwerpunkt Kultur und Musik an der Hochschule Neubrandenburg im Fachbereich Soziale Arbeit, Bildung und Erziehung.


Cover Themenheft Seid ihr alle da?Das Interview wurde in einer längeren Fassung zuerst veröffentlicht im BKJ-Themenheft „Diversität“, das unter dem Titel „Seid ihr alle da? – Bildungsbündnisse diversitätsbewusst gestalten“ im BKJ-Förderprogramm „Künste öffnen Welten“ erschienen ist und Fachbeiträge, Interviews, Praxisbeispiele sowie einen Glossar zum Thema Diversität in der kulturellen Bildungsarbeit bietet.

mehr

193 mal gelesen

nach oben | zurück
Demokratie in Not – Aufruf zum Innehalten

/// TERMINKALENDER


Qualifizierungsreihe „Gameplay@stage“
24.02.2019–26.02.2019 - Wolfenbüttel
Die fünf Workshops der Reihe „Gameplay@stage“ der Bundesakad...

Fortbildung „Medienkompetenz vermitteln und Bilder bewusst einsetzen“
22.03.2019–23.03.2019 - Berlin
Basis der Fortbildungen sind Fotografien mit politischem und...

Symposium: Vom Netzwerken zum Kooperieren - Wie Kulturfördervereine stärker werden
22.03.2019 - Berlin
Am 22. März 2019 laden Stiftung Zukunft Berlin und der Dachv...





/// SOCIAL MEDIA


       

Diversität anerkennen
Inklusion umsetzen
Zusammenhalt stärken
Seite drucken | PDF der Seite erstellen | Seite empfehlen deliciousWhatsapp | Jobs | Kontakt | Sitemap | Impressum | Datenschutz