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Drei Fragen an ...
/// Jens Maedler: „Wir werden unserem Anspruch nicht gerecht“



Die BKJ setzt sich dafür ein, dass in der kulturellen Kinder- und Jugendbildung Diversität anerkannt und Inklusion umgesetzt werden. Dazu gehört auch der kritische Blick auf die eigene Organisation und der Mut, auch dort Veränderungen einzuleiten. Wie das gehen kann, beschreibt Jens Maedler vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen im Bereich der kulturellen Freiwilligendienste. 

BKJ: Dieses Interview führen zwei weiße, festangestellte Männer miteinander. Illustriert dieser Umstand bereits, warum es für Organisationen wie die BKJ so schwierig ist, sich glaubwürdig für eine inklusive und diversitätsorientierte Bildungs- und Kulturpraxis einzusetzen?

Porträt von Jens MaedlerJens Maedler: Die Liste der Privilegien die du und ich haben, ließe sich gewiss fortsetzen. Schwierig wird es dann, wenn wir uns der Privilegien nicht bewusst sind, oder gar leugnen sie zu haben. Aus Privilegien leiten sich schnell Gewohnheitsrechte ab. Aus deiner oder meiner Warte auf das Thema „Diversität und Inklusion“ zu blicken und stillschweigend davon auszugehen, auch hier eine umfassende Deutungshoheit zu haben, wäre so eine Gewohnheit, die uns unglaubwürdig machen würde.

Zugangsbarrieren und Diskriminierungserfahrungen sind für dich und mich als Person vermutlich eher Worte von abstrakter Bedeutung. Für eine gelingende diversitätsorientierte Praxis Kultureller Bildung ist es elementar, dass wir uns klar machen, dass es zum Teil unbewusste Ausschlussmechanismen gibt. Also ist es – um beim Begriff der Glaubwürdigkeit zu bleiben – deine und meine Aufgabe, die Expertise anderer Menschen mit diesen Erfahrungen als bedeutsam anzuerkennen und einzubeziehen.

BKJ: Du beschreibst die Ausgangssituation für einen Veränderungsprozess der BKJ als Fachstruktur der Kulturellen Bildung hin zu mehr Inklusion, Diversität und Teilhabe dennoch als gut. Was macht dich optimistisch?

Jens Maedler: Ich kenne die BKJ seit fünfzehn Jahren. Die Verwirklichung des Rechts auf Teilhabe war der BKJ immer ein zentrales Anliegen. Gleichwohl haben wir etwa in den Freiwilligendiensten festgestellt, dass wir dem Anspruch nicht gerecht werden. Das Angebot ist mittelschichtorientiert, und – wie vieles in der Kulturellen Bildung – durchzogen von habituellen Ausschlüssen.

Lange haben wir andere wie Einsatzstellen und Bewerber*innen in der Verantwortung gesehen, daran etwas zu ändern – ohne Erfolg. Daraufhin haben wir einmal unser Angebot und uns selbst betrachtet. Welches Bild von Engagement vermitteln wir, wie zugangsoffen sind die Freiwilligendienste wirklich, wen sprechen wir wie an, und wen aus Gründen der Bequemlichkeit dann doch lieber nicht? Und das sind alles noch Fragen aus der Komfortzone. Doch ich nehme eine Bereitschaft wahr, sich auch unbequemen Fragen zu stellen, die mich zuversichtlich stimmt, dass es der BKJ wirklich ein Anliegen ist, zu mehr gesellschaftlicher Inklusion und Diversität beizutragen.

BKJ: Welche konkreten Schritte sind – nach euren Erfahrungen im Trägerverbund „Freiwilligendienste Kultur und Bildung“ – erfolgversprechend, um eine Entwicklung der Organisation in Gang zu setzen?

Jens Maedler: In den Freiwilligendiensten haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, dass sich Kolleg*innen gemeinsam und intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Sie haben eine „Roadmap“ erarbeitet, die für einen Zeitraum von drei Jahren Ziele und Umsetzungsaktivitäten beschreibt. Die Roadmap wurde mit den Leitungen der Mitglieder des Trägerverbunds abgestimmt.

Außerdem haben die Kolleg*innen ihr Wissen geteilt. Möglichst mit allen. Inklusion und Diversität sind keine Themen, die sich auf das pädagogische Team beschränken lassen, wenn es um erfolgversprechende Umsetzungsstrategien geht. Rechts und links von uns sind Menschen tätig, die  in der Öffentlichkeitsarbeit, in der Verwaltung, in anderen Programmangeboten, in der Geschäftsführung oder im Vorstand tätig sind. Die sind alle Teil eines inklusiven Prozesses. Denn all diese Menschen führen Telefonate, schreiben Mails, besuchen Veranstaltungen, leiten Fortbildungen, repräsentieren die Angebote des Trägers, haben Ministeriumskontakte.

Deshalb sollte das gesamte Team in den Geschäftsstellen ebenso wie die Menschen im Vorstand wissen, wieso zum Beispiel das Sprachhandeln des Trägers so ist, wie es ist. Meine Erfahrung sagt, dass sie dahinter stehen, wenn sie aktiv und gleichberechtigt an dem Prozess der Meinungsbildung beteiligt werden. Anhand einer Selbstevaluation, die unsere Arbeitsgruppe entlang des „Index für Inklusion“ erarbeitet hat, haben Mitarbeiter*innen und vielleicht auch Vorstände eine Menge über sich und über gemeinsame und abweichende Bilder, Wahrnehmungen und Glaubenssätze der Institution herausfinden können.

Jetzt stehen wir an dem spannenden Punkt, dass die Träger Selbstverpflichtungen eingehen. Sie benennen konkrete Ziele, wie etwa die Einbindung von so und so viel Menschen ohne oder mit niedrigen Schulabschlüssen in die Freiwilligendienste, und wie sie diese Ziele erreichen wollen. Aus dem nun anstehenden Umsetzungsprozess werden wir viel lernen können. Manches davon wird sich, so hoffe ich, auf die BKJ als Ganzes oder auf einzelne Mitglieder übertragen lassen.

Jens Maedler leitet den Fachbereich Freiwilliges Engagement und das Programm Freiwilligendienste Kultur und Bildung der BKJ.

Die Fragen stellte Christoph Brammertz, Referent für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit bei der BKJ.

Weitere Informationen

Freiwilligendienste Kultur und Bildung

Tony Booth / Mel Ainscow (2017): Index für Inklusion. Ein Leitfaden für Schulentwicklung. Mit Online-Materialien. Auch für Kindergärten, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen. Weinheim/Basel: Inhalt und Bestellmöglichkeit

>  Beitrag: Inklusive Öffnung der Freiwilligendienste (18.05.2018)

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