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Schulentwicklung

Aus dem Glossar Kulturelle Schulentwicklung.

Schule ist einem ständigen Wandel unterworfen: Das Umfeld, die Anforderungen, die Schüler*innen ändern sich kontinuierlich. Die Schule muss sich diesen veränderten Bedingungen immer wieder neu anpassen. Schulentwicklung bedeutet demnach die systematische Weiterentwicklung von Schule mit dem übergeordneten Ziel, die Qualität von Schule zu verbessern. Dabei ist es wichtig, Schulentwicklung als dauerhaften Prozess zu begreifen, der nicht irgendwann ein Ende hat.

Systematische Schulentwicklung strebt eine stärkere Profilierung und Konturierung einer Schule an. Die Schulen erhalten dadurch größere Eigenständigkeit und Selbstverantwortung, die es produktiv zu nutzen gilt.

Schulentwicklung bewegt sich in einem Systemzusammenhang von Unterrichtsentwicklung, Organisationsentwicklung und Personalentwicklung. Diese drei Entwicklungsfelder sind auch bei der kulturellen Schulentwicklung im Fokus.

Unterrichtsentwicklung

Bei Helmke (2009) werden unter Unterrichtsentwicklung alle Aktivitäten und Initiativen verstanden, die sich auf Verbesserung des eigenen Unterrichts und des dafür notwendigen professionellen Wissens und Könnens beziehen. Unterrichtsentwicklung bezieht sich also auf die Veränderung der Lehrmethoden und Lehr-Lern-Szenarien, die Effektivierung der Klassenführung, die Stärkung eigener (didaktischer, fachlicher, diagnostischer) Kompetenzen sowie die Optimierung des Lehrmaterials mit dem Ziel, die Wirksamkeit des eigenen Unterrichts zu steigern.

Im Rahmen der kulturellen Schulentwicklung beinhaltet die Unterrichtsentwicklung darüber hinaus noch den Aspekt der Erweiterung des ästhetischen Lernfelds. Lernangebote wie kreatives Schreiben, visuelle Gestaltung, Fotografie, Trickfilm, Tanz ... könnten den Fächerkanon ergänzen. Schüler, die in diesem Feld ein breites Angebot ausprobieren können, werden für ihre kreativen und ästhetischen Potenziale sensibilisiert.

Der erweiterte ästhetische Lernbereich bietet damit den unterschiedlichsten Begabungen Raum, innerhalb dieses Lernbereichs wird ein vielfältiger Fächer vernetzendes Lernen ermöglicht. Das bewusste Umgehen mit dem kreativen Potenzial der Schüler*innen öffnet neue Lernzugänge auch für den sonstigen Fachunterricht.

Lehrer*innen nutzen künstlerisch-kulturelle  Methoden für eine ganzheitlichere Gestaltung des Unterrichts. Die Persönlichkeitsentwicklung Schüler*innen wird in den Vordergrund der Schulkultur gestellt. Kunst und Kultur ermöglichen so andere Lern- und Lebensformen innerhalb der Schulen und integrieren die pädagogischen Prinzipien der Kulturellen Bildung:

1. Ganzheitlichkeit

Ganzheitliches Lernen betont neben den kognitiv-intellektuellen Aspekten auch körperliche sowie affektiv-emotionale Aspekte.

2. Selbstwirksamkeit

Unter Selbstwirksamkeit versteht man die Überzeugung eines Menschen, in unterschiedlichen Lebenssituationen subjektive Kontrolle zu erleben und sich kompetent zu fühlen.

3. Ästhetische und künstlerische Erfahrung

4. Stärkenorientierung und Fehlerfreundlichkeit

Stärkenorientierung bedeutet, den Blickwinkel zu verändern: nicht zu fragen, was der Betreffende nicht kann, sondern zu sehen, welche Fähigkeiten und Stärken er oder sie in welcher Situation zeigt, wie viel er oder sie wann zu tun oder zu leisten in der Lage ist.

5. Interessenorientierung

Die Schüler*innen erhalten die Möglichkeit, einem Thema, einer Frage nachzugehen, die von ihnen selbst ausgewählt worden ist.

6. Partizipation

Im Rahmen der kulturellen Schulentwicklung sollte die Chance genutzt werden, Kinder und Jugendliche dauerhaft und konsequent an der Planung und der Gestaltung der gemeinsamen Aktivitäten zu beteiligen.

7. Vielfalt erleben

Kulturpädagogische Arbeit zielt darauf ab, allen mit dem gleichen Respekt zu begegnen.

8. Selbstgesteuertes Lernen in Gruppen

In der kulturellen Bildungsarbeit wird selbstgesteuertes Lernen in Gruppen gefördert. Jeder einzelne bringt sich nach seinen Möglichkeiten ein und kann dabei auf die Gruppe als Unterstützungssystem zurückgreifen.

9. Zusammenarbeit von Kindern und Jugendlichen mit professionellen Künstler*innen und Kulturpädagogen*innen

Die Qualität kultureller Bildung hängt wesentlich auch von der gelungenen Einbeziehung professioneller Künstler*innen und Kulturpädagogen*innen ab. Ihre "authentische" Art, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, begeistert die Schüler*innen und animiert sie, selbst künstlerisch tätig zu werden. Die Einbeziehung von Künstlern fördert darüber hinaus die Öffnung der Schulen.

10. Öffentlichkeit, Anerkennung

11. Leistungsbewertung/ Auswertung der Lernprozesse

Schulen, die sich auf den Weg zu einem anderen Lernen machen, suchen nach alternativen Formen der Anerkennung und entwickeln verschiedene Formate der Rückmeldung. Eine Möglichkeit des Feedbacks ist der "Kompetenznachweis Kultur", der die Stärken der Schüler*innen sichtbar macht. er ist damit eine Beleg von Kompetenzen, die die Jugendlichen im Rahmen ihrer kulturellen Arbeit erlangt haben.

Organisationsentwicklung

Nach Rolff (2013) ist Organisationsentwicklung ein Ansatz, eine Organisation von innen heraus weiterzuentwickeln. Planung und Ausführung gehören bei Organisationsentwicklung zusammen. Durch gemeinsame Planung kann sich ein Kollegium selbst mobilisieren und motivieren. Gemeinsame Prozessplanung  ist die Basis einer sich selbst entwickelnden Schule.

Das Konzept der Organisationsentwicklung wurde inzwischen zum Konzept des Change Managements weiterentwickelt, welches drei Phasen unterscheidet:

Strategie, d. h. die Klärung und Vereinbarung mittelfristiger Ziele und die Wahl des Zugangs zur Zielerreichung (Konzepte, Methoden ...). Im Rahmen der kulturellen Schulentwicklung wird das gesamte Kollegium an der inhaltlichen und strukturellen Ausgestaltung eines kulturellen Schulprofils beteiligt.

Struktur, d. h. die dauerhafte, nachhaltige Basis für die Umsetzung, z. B. durch feste Teams, neue Organisationsformen des Innenaufbaus der Organisation usw. Im Rahmen der kulturellen Schulentwicklung kann geklärt werden, ob eine Steuergruppe, die sich aus allen beteiligten Lernangeboten/Lernbereichen konstituiert, für diesen Bereich eingerichtet wird, um den gesamten Prozess mit folgenden Schritten zu steuern.

1. Zielvereinbarungen für das laufende Schuljahr im Einklang mit dem Schulprogramm

2. Jahresplanungen für die Schule und die Jahrgänge

3. Inhaltliche Arbeit

4. Öffentlichkeitsarbeit

Zu überlegen ist in dem Zusammenhang, ob eine Funktionsstelle für einen Kulturkoordinator eingerichtet wird, der alle kulturellen Aktivitäten und      Informationen bündelt, die Fachkonferenzen informiert, den Kontakt zu den      außerschulischen Kunst- und Kulturinstitutionen pflegt usw.Kultur, d.h. die Normen, Werte, Interaktionsformen usw., die die Schule mit Leben erfüllen. Im Rahmen der kulturellen Schulentwicklung wird hier u.a. über alternative Formen der Rückmeldung beraten.

Personalentwicklung

Nach Rolff (2013) versucht Personalentwicklung die Entwicklungsinteressen einer Organisation mit den Entwicklungsinteressen der einzelnen Organisationsmitglieder anzustimmen. Dazu gehört zunächst die Ermittlung des Anforderungsprofils (z. B. durch Erstellung des Leitbildes und Personalbedarfsplans sowie des Potenzials der Lehrer*innen). Personalentwicklung in der Schule beinhaltet neben der Stellenbesetzung vor allem Fortbildung, Teamentwicklung, Supervision, Trainings alles Art, Jahresgespräche, gegenseitige Hospitation und Evaluation des Lehrer- bzw. Schulleiterhandelns.

Die Verantwortung der Zusammensetzung des Kollegiums geht nach Fuchs (2010) immer mehr in die Verantwortung der Schulleitung über. Darüber hinaus kann jede Schule in Eigenverantwortung über die Mittel des Fortbildungsetats verfügen. Beides sind wichtige Ansatzpunkte in einem kulturellen Schulentwicklungsprozess, um entsprechende zu dem kulturellen Schulprofil passende Lehrkräfte zu finden und eine passgenaue Fortbildung der Lehrkräfte zu ermöglichen.

GW 7/13 

 

Zum Weiterlesen:

Braun, Tom/Fuchs, Max/Kelb, Viola Kelb (Hg.) (2010): Auf dem Weg zur Kulturschule. Bausteine zu Theorie und Praxis der Kulturellen Schulentwicklung. Schriftenreihe Kulturelle Bildung, Vol. 17, München.

Fend, Helmut (2008): Schule gestalten. Systemsteuerung, Schulentwicklung und Unterrichtsqualität. 1. Aufl. Wiesbaden.

Fuchs, Max (2010): Handbuch Schulentwicklung. Theorie – Forschungsbefunde – Entwicklungsprozesse - Methodenrepertoire. Herausgegeben von Thorsten Boh, Werner Helsper, Heinz Günter Holtappels und Carla Schelle. Heilbronn.

Helmke, Andreas (2009): Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts. 1. Aufl. Selze-Velber.

Rolff, Hans-Günter (2013): Schulentwicklung kompakt. Modelle, Instrumente, Perspektiven. Weinheim und Basel.

 

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