KULTURELLE SCHULENTWICKLUNG /// GLOSSAR >>
Schularchitektur und Raumausstattung

Aus dem Glossar Kulturelle Schulentwicklung.

Die architektonische Gestaltung und Ausstattung einer Schule ist für den Lernerfolg von besonderer Bedeutung. Experten sprechen sogar vom Raum als dritten Pädagogen. Schließlich führen der Ausbau von Ganztagsschulen und Ganztagsangeboten und die zunehmende Mitwirkung außerschulischer Partner aus Jugendhilfe, Kultur und Sport dazu, dass sich die Anforderungen an die Schule als Ort des Lebens und des Lernens verändern.

Der Bau und die Gestaltung von Schulbauten sind Gegenstand umweltpsychologischer Forschung. Wissenschaftliche Untersuchungen befassen sich seit den 60er Jahren mit dem Zusammenhang zwischen Architektur und der Lernbereitschaft von Schüler*innen. Untersuchte Aspekte reichen von Design und Ausstattung bis zur Auswirkung der Schulgröße. Die Ergebnisse der umweltpsychologischen Forschung stellen einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Lerneffizienz, der Lernbereitschaft und -intensität und der baulichen Gestaltung fest. Schulgebäude wirken in unterschiedlichster Weise auf die verschiedenen Sinnensysteme der Kinder. Bewusst oder unbewusst erfährt das Gehirn der Schüler*innen eine ständige Stimulierung durch Gerüche, akustische Reize, taktile und visuelle Phänomene. Schüler, die sich in einem Gebäude wohl fühlen, sind eher geneigt, dem Unterricht zu folgen bzw. ihn aktiv zu gestalten, als wenn sie sich unwohl fühlen (vgl.: Rittelmeyer 1994; Borrelmann u. Walden 2002). Im Rahmen einer Untersuchung in 35 österreichischen Motessori-Grundschulklassen (vgl.: Hammerer und Renner 2004; 2006) konnte die deutliche Wirkung des Raumes auf das Lern- und sozialverhalten festgestellt werden. In nahezu allen Klassen, in denen eine Veränderung der Raumgestalt und eine Erweiterung der Lernumgebung über die Klasse hinaus vorgenommen werden konnte, nahmen die Lehrer*innen positive Veränderungen im Lern- und Sozialverhalten der Kinder wahr. Auffallend war der beobachtete Rückgang an Konflikten und aggressivem Verhalten.

Einige Untersuchungen, die sich speziell mit dem Schulvandalismus beschäftig haben, kommen zu dem Schluss, dass gerade dort häufiger Beschädigungen festgestellt werden, wo Schulen ungepflegt wirkten, wenn sie einfallslos gestaltet waren und Klassen besonders unwohnlich eingerichtet waren (Flade 1996). Vandalismus ist auch eine Form des Protests. Protest gegen ein respektloses Verhalten gegenüber den Schülern und Schülerinnen, gegenüber den Lehrer und Lehrerinnen, dass in ungepflegten Gebäuden, fehlender Seife in den Toiletten oder tristen Aufenthaltsräumen zum Ausdruck kommt.

Eine Schule auf dem Weg zum kulturellen Schulprofil wird vor dem Hintergrund umweltpsychologischer Erkenntnisse auch den räumlichen Gegebenheiten eine besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen. Die Schule ist sich bewusst, dass das Gebäude und seine Räume Botschaften im Hinblick auf den Respekt und die Wertschätzung gegenüber den Nutzern ausstrahlen, ohne dass sie einen menschlichen Mittler bräuchten. Eine Schule mit kulturellem Profil ermöglicht den Schüler*innen und allen an Schule Tätigen auch durch die Raumkonzeption und -gestaltung Sicherheit und Orientierung. Vor allem in Ganztagsschulen, in denen Kinder viele Stunden im Klassenverband, in Gruppen verbringen, muss auch dem Bedürfnis nach Privatheit im räumlichen Angebot entsprochen werden. Es ist wichtig, auf dem Schulgelände und wenn möglich auch in den Klassenräumen Zonen zu schaffen, die den Rückzug von kleineren Gruppen oder sogar einzelner Schüler*innen ermöglichen. (Borrelbach und Walden 2002, S. 62)

Eine Schule mit Kulturprofil ermöglicht den Kindern und Jugendliche die aktive Aneignung der „Lernumwelt Schule“. Im Optimalfall können sich die späteren Nutzer*innen ihre Räumlichkeiten schon durch die Beteiligung an der Planung aneignen. Dies wird in den seltensten Fällen möglich sein. Aber Aneignung ist auch mehr, als selbst gemalte Bildung an die Wände zu hängen. Die Räume einer Schule mit kulturellem Profil bieten Gestaltungs- und Nutzungsmöglichkeiten, ermöglichen eine Inbesitznahme.

Die Aneignung des Schulgebäudes und seiner Räume wird in der Schule mit kulturellem Schwerpunkt durch künstlerisch-kreative Gestaltungsprojekte unterstützt. Überall können die Schüler und Schülerinnen ihre Spuren hinterlassen – nicht durch heimlich gesprühte Graffitis oder Ritzzeichnungen in den Tischkanten – sondern durch gemeinsam entwickelte und umgesetzte kreative Objekte. Gemeinsam mit Künstlern ist es möglich, gemeinsame Gestaltungen zu entwickeln, die professionellen Standards entsprechen und die ein positiv prägender Rahmen für schulisches Leben und Arbeiten sind. (vgl.: Reeh, 2008)

Räume für künstlerisch-kulturelle Bildung

Die Ausstattung einer Schule mit Räumen für künstlerisch-kulturelle Bildung ist abhängig von den Angeboten in den einzelnen Gestaltungsformen. Die Räumlichkeiten sollten den pädagogischen Ansprüchen, aber vor allen Dingen auch den methodischen Erfordernissen entsprechen. Dieser Grundsatz bezieht sich sowohl auf die Räumlichkeiten, das Inventar, als auch die Verbrauchsmaterialien.

Die folgende Checkliste für die räumliche Ausstattung einer Schule mit kulturellem Profil geht von einem Idealzustand aus, der für alle Klassen und alle künstlerischen Ausdrucks- und Gestaltungsformen Angebote vorsieht. Man sollte sie als Anregung für den Ausbau von Räumlichkeiten in Schulen nehmen und bei der konkreten Umsetzung vor Ort berücksichtigen.

Der kulturell-künstlerische Bereich gliedert sich in Werkstätten oder Fachräume, multivariable Räume und Kommunikationsbereiche. Während Werkstätten und Fachräume in der Regel nur für die Nutzung in einem spezifischen Gestaltungsbereich vorgesehen sind, lassen sich multivariable Räume für verschiedene Gestaltungsformen nutz

Für kulturell-künstlerische Angebote werden auch die entsprechend ausgestatteten Räume benachbarter Kultur- und Jugendeinrichtungen genutzt.

BS 5/2013 

 

Zum Weiterlesen:

Borrelbach, S., Walden R. (2002): Schulen der Zukunft. Gestaltungsvorschläge der Architekturpsychologie. Heidelberg.

Flade, A. (1996): Kriminalität und Vandalismus. In: Kruse/Graumann/Lautermann (Hrsg.): Ökologische Psychologie. Ein Handbuch in Schlüsselbegriffen. Weinheim.

Hammerer, F., Renner C. (2006): Lernen als räumliche Erfahrung – wie Leben und Lernen in der Schule durch architektonische Gestaltung gestützt werden kann. Montessori Österreich Heft 23.

Rittelmeyer, Chr. (2004): Schulbauten positiv gestalten, Wiesbaden/Berlin 1994Rittelmeyer, Chr.: Zur Rhetorik von Schulbauten. Über die schülergerechte Gestaltung des architektonischen Ausdrucks. In: Die deutsche Schule, Heft 96.

Reeh, U. (2010): Was Kunst kann. In: Lebensraum Schule. Raumkonzepte planen, gestalten, entwickeln. Stuttgart.

 

Öffnet internen Link im aktuellen FensterZurück zum Glossar