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Partizipation und Teilhabe

Aus dem Glossar Kulturelle Schulentwicklung.

Teilhabe ist in den letzten Jahren geradezu zu einem Leitbegriff in der Politik geworden. Ein Grund dafür ist darin zu sehen, dass die deutsche Gesellschaft Probleme mit der Teilhabe hat. Man kann soziale, politische, ökonomische und kulturelle Teilhabe unterscheiden, wobei man berücksichtigen muss, dass die genannten Teilhabeformen eng miteinander zusammenhängen. Um Teilhabe zu verbessern, unterscheidet der Sozialpolitikforscher Franz Xaver Kaufmann vier Stellschrauben: eine geographische Bedingung (Erreichbarkeit), eine rechtliche Bedingung (etwa bei politischer Teilhabe die Wahlberechtigung von Zuwanderern), eine ökonomische Bedingung (z. B. Eintrittskosten) und Bildung. Andererseits weiß man, dass Bildung erst durch Teilhabe an entsprechenden Aktivitäten entstehen kann. Bildung und Teilhabe bedingen also einander und liegen daher auf derselben kategorischen Ebene. Probleme mit Teilhabe gibt es in Hinblick auf Bildung, was PISA regelmäßig zeigt, wenn etwa 20 % der getesteten Jugendlichen nur die unterste Kompetenzstufe beim Lesen erreichen. Ökonomische Teilhabe ist gefährdet, wenn Armut zu einem Problem wird. Probleme mit der kulturellen Teilhabe sind dort erkennbar, wo Nutzerstudien zeigen, wie klein der Anteil der Bevölkerung bei der Nutzung von (öffentlich geförderten) Kultureinrichtungen ist.

Dass es sich bei diesen Problemlagen nicht um Marginalien handelt, erkennt man daran, dass es sich bei dem politischen Ziel der Sicherstellung von (allen Formen der) Teilhabe um das am höchsten abgesicherte Ziel politischen Handelns handelt: Es ist ein Menschenrecht, das nicht bloß in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, sondern auch in den darauf aufbauenden völkerrechtlich verbindlichen Konventionen (Pakt für soziale, ökonomische und kulturelle Rechte, Kinderrechtskonvention, Behindertenkonvention, UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt etc.) gefordert wird. Gerade in der Kulturpädagogik muss aufgrund des engen Zusammenhangs von Bildung und Teilhabe die Verbesserung der Teilhabe im Sinne einer größeren Teilhabegerechtigkeit ein zentrales Ziel sein, zumal sich hier besondere Möglichkeiten anbieten, Teilhabe zu verbessern. Dies gilt insbesondere für Kulturschulen. Da Schulen alle Kinder und Jugendlichen erreichen, ergeben sich durch die Entwicklung eines kulturellen Profils in der Schule ein selbstverständlicher Umgang der Kinder und Jugendlichen mit ästhetischen Ausdrucksformen und eine entsprechende kulturelle Kompetenz.

MF 2/2013 

 

Zum Weiterlesen:

Mädler, J. (Hg.): TeileHabeNichtse. München 2008.

Fuchs, M. (2012): Kulturelle Bildung als Menschenrecht. In Bockhorst u.a. (Hg.): Kulturelle Bildung München.

 

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