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Kulturpädagogische Bildungsprinzipien

Aus dem Glossar Kulturelle Schulentwicklung.

Für die kulturelle Bildungsarbeit werden bestimmte Prinzipien formuliert, die das Spezifische dieser Arbeit charakterisieren. Kulturelle Bildung gelingt besonders dann, wenn diese Prinzipien berücksichtigt werden. Im Rahmen der Kulturellen Schulentwicklung ergibt sich die Herausforderung, diese Prinzipien – die vornehmlich aus den Handlungslogiken der Jugendarbeit und der Kunst- und Kulturpraxis abgeleitet – in das System Schule zu transferieren. Manche Prinzipen – z. B. die Frage der Freiwilligkeit – sind in der Schule nicht in dem Maße umsetzbar wie z. B. in der Jugendarbeit. Im Rahmen eines Kulturellen Schulentwicklungsprozesses sollte aber für jedes der Prinzipien reflektiert werden, in welcher Form es im Rahmen der Schule ausgeprägt werden kann.

Die zentralen kulturpädagogischen Prinzipien sind:

  • Bezug zu den Künsten. Konstituierendes Merkmal kultureller Bildung ist, dass die ästhetische und künstlerische Erfahrung eine zentrale Rolle spielt. Damit sind einerseits die klassischen Künste wie Musik, Tanz, Theater oder Bildende Kunst gemeint, aber auch kulturelle Praxen wie Spiel, Zirkus oder der kreative Umgang mit digitalen Medien angesprochen.
  • Selbstwirksamkeit. Durch die Erkundung und Erprobung der eigenen Ausdrucksmöglichkeiten erleben sich Kinder und Jugendliche als Handelnde, was sie in ihrer Überzeugung stärken kann, schwierige Anforderungen aus eigener Kraft zu meistern.
  • Handlungsorientierung. Eine wichtige Voraussetzung für das Erleben von Selbstwirksamkeit ist die Möglichkeit des (zumindest in bestimmten Grenzen) selbstbestimmten Handelns. Daher spielt die Tätigkeit, das konkrete Tun eine zentrale Rolle in der Kulturellen Bildung.
  • Ganzheitlichkeit. Gerade ästhetische Erfahrung lebt von der Tatsache, dass sie nicht nur kognitiv-intellektuelle, sondern auch leibliche und emotional-affektive Erfahrung ist. Dadurch sind gerade kulturelle Bildungsprozesse geeignet, die unterschiedlichen Zugangsweisen der Weltaneignung ("Kopf, Herz und Hand") einzubeziehen.
  • Interessenorientierung und Lebensweltorientierung. Die stärkste Antriebsfeder kultureller Praxis ist die intrinsische Motivation, verstanden als eine interessengeleitete, dem Subjekt entspringende Beschäftigung mit einem Gegenstand. Die Erfahrungen, insbesondere aus dem Bereich der Jugendarbeit, zeigen, dass es mit dem Ansatz der Lebensweltorientierung besonders gut gelingt, die Entwicklung intrinsischer Motivation zu fördern.
  • Partizipation. Selbstwirksamkeitserfahrung ist nicht umfassend möglich ohne mitverantwortliche Selbstbestimmung an Prozessen und Entscheidungen. Daher sollten alle Beteiligten in alle Dimensionen der Projektplanung und -durchführung einbezogen werden, ja sogar erleben können, dass sie im Verlauf erfolgreich Korrekturen anstoßen können.
  • Freiwilligkeit. Dieses Prinzip wird v.a. im Bereich der außerschulischen Jugendkulturarbeit betont. kulturelle Bildungsarbeit will das Subjekt ernst nehmen und berücksichtigt die Erfahrung, dass gerade ästhetische Prozesse "unter Zwang" oft nicht gelingen. Daher wird im Prinzip Freiwilligkeit eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen Kultureller Bildung gesehen.
  • Fehlerfreundlichkeit. Ästhetisch-kulturelle Praxis ist häufig ein prozessorientiertes, experimentelles und ergebnisoffenes Handeln. Das heißt aber auch – anders als in vielen schulischen Prozessen – das Risiko einzugehen, dass Umwege gegangen und auch Fehler gemacht werden - genauer: sich entwickeln zu lassen, was sich später als Umweg oder Fehler herausstellt.
  • Stärkenorientierung. Dieses Prinzip meint die konsequente Ausrichtung des pädagogischen Handelns an den schon vorhandenen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen. Im Vordergrund soll das stehen, was sie schon können, nicht das was sie (vielleicht noch) nicht können.
  • Offenheit für Vielfalt. Ein Aspekt kulturpädagogischen Arbeitens ist die Anerkennung und Wertschätzung kultureller, sozialer und weltanschaulicher Vielfalt. Das Prinzip meint – allgemeiner formuliert – die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven nachzuvollziehen, offene Situationen auszuhalten, Differenzen zu erkennen und sich auf sie einzulassen.

Als weitere Prinzipen werden genannt: Prinzip des selbstgesteuerten Lernens in Gruppen, Prinzip der Öffentlichkeit und Anerkennung, Prinzip der Zusammenarbeit mit Kulturpädagogen*innen und Künstlern*innen (vgl. Braun/Schorn 2012).

MR 4/2013 

 

Zum Weiterlesen:

BKJ: Dossier "Grundprinzipien Kultureller Bildung" auf der Website unter: www.bkj.de/kulturelle-bildung-dossiers/theoriebildung-und-grundlagen.html

Schorn, Brigitte (2009): Kulturpädagogische Prinzipien integrieren – Praktische Anregungen. In: Magazin Kulturelle Bildung (3/2009) – Kulturelle Schulentwicklung. Download [ PDF | 3,9 MB]

Braun, Tom / Schorn, Brigitte (2012): Ästhetisch-kulturelles Lernen und kulturpädagogische Bildungspraxis. in: Bockhorst, Hildegard / Reinwand, Vanessa-Isabelle / Zacharias, Wolfgang (Hrsg.) (2012): Handbuch Kulturelle Bildung. München: Kopaed, 128-134.

 

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