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Künstlerische Fächer

Aus dem Glossar Kulturelle Schulentwicklung.

Die fachbezogene inhaltliche Gliederung schulischer Bildung vollzieht sich üblicherweise über Fächer (Schulfächer, Unterrichtsfächer) oder Fächerverbünde (Lernbereiche), die im Fächerkanon einer Schulform bzw. Schule zusammengefasst werden. Gesetzlich erlassene Stundentafeln regeln dabei sowohl die Art der zu unterrichtenden Fächer (bzw. Fächerverbünde) als auch die Anzahl an Wochenstunden, mit denen ein Fach (bzw. ein Fächerverbund) in den Jahrgangsstufen einer Schulform unterrichtet wird. Art und Umfang der Unterrichtsfächer können zwischen den einzelnen Schulformen und Schulen (je nach Profilbildung) in den sechzehn Bundesländern stark variieren, zumal der Begriff "Fach" neben den klassischen Unterrichtsfächern (wie Deutsch, Englisch, Geschichte, Mathematik, etc.) auch berufliche Fachrichtungen (z. B. Sozialpädagogik, Elektrotechnik) und sonderpädagogische Fachrichtungen (z. B. Förderschwerpunkt Sehen, Förderschwerpunkt Hören, Sprachförderung) umfasst. Über die Schulfächer (bzw. Fachrichtungen/Fächerverbünde) wird demnach die inhaltliche Struktur eines schulischen Bildungsgangs organisiert.

Aus dem Bereich der Kunstsparten haben sich heutzutage insbesondere die bildende Kunst und die Musik im Fächerkanon der meisten Schulformen mehr oder weniger fest etabliert. Entweder als ordentliches Unterrichtsfach oder im Rahmen von Fächerverbünden sind die Fächer Kunst und Musik in den Jahrgangsstufen 1 bis 9 (bzw. 10) in den meisten Stundentafeln der unterschiedlichen Schulformen in den Bundesländern verankert. Wie andere Unterrichtsfächer auch, sind künstlerische Fächer im Rahmen der allgemeinen Schulorganisation dabei in der Regel von folgenden Kennzeichen getragen:


Zwischen den einzelnen Bundesländern und auch Schulen variieren die Ausrichtungen und Fachbezeichnungen von weiteren künstlerischen Fächern teilweise stark. Daher können hier nur typische künstlerische Unterrichtsfächer (bzw. Lernbereiche) angegeben werden. Dazu gehören u.a. die Fächer Literatur, Darstellendes Spiel (Theaterunterricht), Textilgestaltung oder der Lernbereich Darstellen & Gestalten (in Nordrhein-Westfalen). Immer öfter werden künstlerische Fächer auch in Fächerverbünden unterrichtet (z. B. Musik-Sport-Gestalten an der Werkrealschule und der Hauptschule in Baden-Württemberg).

Neben den klassischen Fachausrichtungen haben heutzutage alle künstlerischen Sparten an Bedeutung für die Schulbildung gewonnen. So gibt es an vielen Schulen Klassen mit künstlerischem Profil, sog. Profilklassen (u. a. Musikklassen, Filmklassen, Tanzklassen, Medienklassen, Kunstklassen).

Hauptanliegen der künstlerischen Fächer ist die Ausbildung künstlerischer und ästhetischer Kompetenzen und die Einführung in künstlerisches Denken. Neben kunstpraktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten geht es in den künstlerischen Fächern auch um Kompetenzen in den Bereichen der Kunstrezeption und der Reflexion über künstlerische Phänomene. Eine Erziehung und Bildung in den Künsten (education in the arts) geht dabei einher mit einer Bildung durch die Künste (education through the arts), bei der Transfereffekte durch die Auseinandersetzung mit Kunst zum Tragen kommen.

An einer Kulturschule haben die künstlerischen Fächer einen besonderen Stellenwert, da insbesondere hier die Entwicklung von ästhetischen und künstlerischen-kulturellen Kompetenzen besonders gut gefördert werden kann. Durch die Einbeziehung von Künstlerinnen und Künstlern in den Unterricht kann dieser Kompetenzaufbau gerade hier in einer authentischen Weise erfolgen. Dazu gehört auch die regelmäßige Nutzung von Kultureinrichtungen wie Theater, Konzerthäuser oder Jazzclubs als dritter Lernort und die damit verbundene langfristige Kooperation mit außerschulischen Kooperationspartnern der Kulturellen Bildung auch auf der Ebene der Unterrichtsgestaltung.

Künstlerische Fächer sind seit jeher auch im außerunterrichtlichen Bereich von Schule verankert. Dort haben sie in ihrer Bedeutung bei der AG-Arbeit oder bei Schulaufführungen eine lange Tradition. Insbesondere Kulturschulen greifen diese Tradition bei der Gestaltung des Ganztags auf und erweitern ihre künstlerisch-kulturellen Angebote. Dazu arbeiten Kulturschulen eng mit Kooperationspartnern aus dem Bereich der Kulturellen Bildung zusammen (u. a. Künstler*innen, Kunstpädagog*innen, Musikschulen, Tanzschulen, Theater, Jugendkunstschulen, Museen). Im Idealfall greifen der künstlerische Fachunterricht und die künstlerisch-kulturellen Angebote inhaltlich und konzeptionell ineinander, sodass die Grenzen zwischen Unterricht und außerunterrichtlichem Angebot verschwimmen. Lehrkräfte und Mitarbeiter*innen der Kulturellen Bildung arbeiten dabei in multiprofessionellen Teams zusammen.

DS 5/2013

 

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