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Kompetenzorientierung

Aus dem Glossar Kulturelle Schulentwicklung.

Nach dem Pisa-Schock im Jahr 2001 hat die Ständige Konferenz der Kultusminister (KMK) weitreichende Beschlüsse zur Qualitätssicherung und -entwicklung des Bildungswesens in Deutschland gefasst. Die Beschlüsse stützen sich auf eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Auftrag gegebene Expertise mit dem Titel „Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards“ (Klieme-Expertise, 2003). Im Mittelpunkt dieser Entwicklung steht die Einführung von bundesweit einheitlichen Bildungsstandards für verschiedene Fächer (Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen, Naturwissenschaften) und Schulabschlüsse. Die Länder setzen die Bildungsstandards in fachbezogene Kernlehrpläne um, wobei viele Länder weitergehen und Kernlehrpläne für alle Fächer und Lernbereiche entwickeln. Damit verbunden ist ein weitreichender Paradigmenwechsel von der Inputorientierung der alten Lehrpläne zur Outputorientierung in den neuen Kernlehrplänen. Die bisher übliche Input-Steuerung schulischer Lehr- und Lernprozesse über die Vorgabe detaillierter Inhalte für den Unterricht (und ihrer methodischen Umsetzung) wird dabei ersetzt durch eine Orientierung an den Ergebnissen der unterrichtlichen Arbeit, dem sog. Output. Die erwarteten Ergebnisse werden in Form überprüfbarer Kompetenzerwartungen in den Kernlehrplänen konkretisiert. Es wird also nicht mehr primär vorgeschrieben, welche Inhalte im Unterricht durchzunehmen sind, vielmehr legen die Kernlehrpläne fest, über welche Kompetenzen, die SchülerInnen am Ende eines Bildungsabschnitts verfügen sollen.

Kompetenzen umfassen nach Franz Weinert erlernbare Fähigkeiten, Fertigkeiten und Bereitschaften, um bestimmte Probleme zu lösen. Sie sind zunächst kognitiv ausgerichtet und beinhalten unterschiedliche Facetten wie Wissen, Verstehen, Können, Handeln, Erfahrung und Motivation. Kompetenzen zeigen sich in der überprüfbaren Performanz. Diese beschreibt die Art und Weise bzw. den Grad der erfolgreichen Bewältigung einer Anforderungssituation. Kompetenzen sind somit Dispositionen zur erfolgreichen und verantwortlichen Lösung von Problemen durch Denkoperationen oder Handlungen.

Man unterscheidet zwischen Fachkompetenzen, überfachlichen Kompetenzen (z.B. Denkvermögen, Teamfähigkeit, Argumentationsfähigkeit, Problemlösefähigkeit, Präsentationsfähigkeit) und selbstregulativen Kompetenzen (Wert- und Handlungsorientierung, Moral, Ethik). Überfachliche und selbstregulative Kompetenzen werden in der Schule in fachlichen Zusammenhängen erworben und oft als Aspekte von Fachkompetenzen beschrieben.

In den Kernlehrplänen sind überwiegend Fachkompetenzen ausgewiesen. Diese sind in der Regel an Inhalte geknüpft und basieren damit auf dem Aufbau von Fachwissen, das zur Bewältigung von fachlichen Anforderungssituationen genutzt wird.

Kompetenzorientierter Unterricht stellt nicht mehr allein die Inhalte in den Vordergrund, sondern primär die Fähigkeiten und Fertigkeiten der SchülerInnen. Er ist so gestaltet, dass der Aufbau von Wissen in systematischer Weise mit der Möglichkeit verknüpft wird, Wissen in Form von intelligentem Wissen selbsttätig anzuwenden. Kompetenzorientierter Unterricht stellt daher vielfältige Lernarrangements bereit, die es den SchülerInnen ermöglichen, Kompetenzen aktiv zu erwerben und in Anforderungssituationen anzuwenden (Situiertes Lernen). Dabei hat kompetenzorientierter Unterricht immer auch individuelle Diagnostik und Förderung im Blick. Die Planung des Unterrichts orientiert sich am angestrebten Ergebnis, dem Output, das in Kernlehrplänen in Form von Kompetenzerwartungen festgelegt ist.

Die Verantwortung für das Erreichen der Kompetenzen der SchülerInnen liegt in der Hand der Schulen, die weitreichende Freiräume für ihre innerschulische Lernplanung und pädagogische Arbeit erhalten. Kernlehrpläne verzichten deshalb auf Hinweise zur Unterrichtsgestaltung. Die methodisch-didaktische Gestaltung des Unterrichts obliegt allein den Fachlehrkräften bzw. Fachgruppen, welche auf Basis der Kernlehrpläne fachbezogene schulinterne Lehrpläne erstellen. So werden Schulen verstärkt zu eigenständigen Schulen. Über verschiedene Testverfahren (z. B. zentrale Lernstandserhebungen, zentrale Abschlussprüfungen, Schulleistungs-Vergleichsstudien) im Rahmen einer Gesamtstrategie zum Bildungsmonitoring werden die Ergebnisse schulischer Arbeit regelmäßig extern erfasst und bewertet (Rechenschaftslegung). Dies kann als Grundlage für weitergehende globale Maßnahmen zur Qualitätssicherung im Schulsystem genutzt werden. Gleichzeitig erhalten die einzelnen Schulen eine Rückmeldung ihrer Ergebnisse zur internen Evaluation, auf deren Basis z.B. die Weiterentwicklung von Unterricht erfolgen kann.

DS 1/2013 

 

Zum Weiterlesen:

Lersch, Rainer (2010): Didaktik und Praxis kompetenzfördernden Unterrichts (Kurzfassung). In: Schulpädagogik – heute, Nr. 1/2010, Online verfügbar unter www.schulpaedagogik-heute.de

Klieme, Eckhard (2004): Was sind Kompetenzen und wie lassen sie sich messen? In: Pädagogik, Nr. 6/2004, 10–13.

Klieme, Eckhard u. a. (2003): Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards. Eine Expertise. Bonn, Berlin. Online verfügbar unter www.kmk.org 

Sekretariat der KMK/IQB (Hrsg.): Konzeption der Kultusministerkonferenz zur Nutzung der Bildungsstandards für die Unterrichtsentwicklung. Schneckenlohe: Appel & Klinger Druck und Medien GmbH. Online verfügbar unter www.kmk.org

 

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