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Ästhetisches Lernen

Aus dem Glossar Kulturelle Schulentwicklung.

Das zentrale Prinzip einer Kulturschule ist das Prinzip des Ästhetischen. Dies bedeutet nicht nur eine Aufgabe für die künstlerischen Fächer, sondern für alle Qualitätsbereiche von Schule (siehe "Kulturschule"). Es ist beim Verständnis des Ästhetischen Lernens nützlich, an die Herkunft des Begriffs zu erinnern: aisthesis bedeutet im Griechischen sinnliche Erkenntnis. Es geht also – entgegen einigen neueren Debatten in der Ästhetik, die sich gegen den Erkenntnischarakter von Kunst wehren – in der Tat um Erkenntnis, wobei die Sinne als Quelle von Erkenntnis (gegenüber dem Verstand) rehabilitiert werden. In diesem Sinne hat Alexander Baumgarten in der Mitte des 18. Jahrhunderts "Ästhetik" als neue philosophische Disziplin begründet. Heute ist es sinnvoll, die von Aissen-Crewett vorgeschlagene Unterscheidung zu nutzen: nämlich aisthetisches und ästhetische Lernen zu unterscheiden. Denn in der Spiel- oder Zirkuspädagogik spielt natürlich ein gezielter Umgang mit der Sinnlichkeit des Menschen eine Rolle, ohne notwendigerweise die in der Ästhetik (durchaus kontrovers) diskutierten Gestaltungsprinzipien für sich in Anspruch zu nehmen.

Die zentrale Rolle der Sinne verweist zudem auf den in den letzten Jahren zu neuen Ehren gekommenen "Körper" oder Leib. In der Erziehungswissenschaft ist eine Folge der postmodernen Neuentdeckung des Körpers der Versuch, den Lernbegriff, der bislang stark von der Lernpsychologie dominiert wurde, als genuin pädagogische Kategorie neu zu entdecken. In diesem Kontext ist es vor allem das Lernen mit allen Sinnen, das mimetische, performative oder leibliche Lernen, das gerade in kulturpädagogischen Ansätzen die zentrale Rolle spielt (ohne das Kognitive dabei vernachlässigen zu wollen). Es geht um (ästhetische) Erfahrungen, die durch pädagogische Inszenierungen ermöglicht werden sollen. Dabei kommen Begriffe wie etwa der des Habitus (etwa im Anschluss an Pierre Bourdieu) ins Spiel, wobei neben den intentionalen Lernprozessen das informelle Lernen en passant eine wichtige Rolle spielt.

MF 2/2013

 

Zum Weiterlesen:

Aissen-Crewett, M. (1998): Grundriß der ästhetisch-aisthetischen Erziehung. Potsdam.

Fuchs, M. (2012): Die Kulturschule. München, Kap. 5, S. 125 ff.

Fuchs, M. (2011): Kunst als kulturelle Praxis. Eine Einführung in die Ästhetik und Kunsttheorie für die Praxis. München: Kopaed.

Göhlich, M./Zirfass, J. (2007): Lernen. Ein pädagogischer Grundbegriff. Stuttgart.

 

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