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Aus der Praxis

Eine digitale Gedenk- und Friedensfeier

17.08.20

Zum 75. Jahrestag des Kriegsendes sollte das Projekt „ART WORKS!“ Jugendliche aus vier Ländern am historischen Ort zusammenbringen. Corona-Viren machten eine Strich durch die Rechnung – und die Teilnehmer*innen das Beste daraus.

Collage mit Porträtfotos von mehreren Jugendlichen
Berliner Gruppe des Projekts „Art Works!“

Das interdisziplinäre Projekt „ART WORKS! European Culture of Resistance and Liberation“ des österreichischen Vereins HASENHERZ und der Stiftung wannseeFORUM Berlin verbindet die europäische Kultur des Widerstands und der Befreiung mit Kunstforschung, Erinnerungskulturen sowie politischer und kultureller Jugendbildung. Ausgangspunkte waren Lieder, Gedichte, Graffiti und andere Kunstwerke aus der Zeit zwischen 1938 und 1945, die sich den Themen Widerstand und Befreiung widmen. In einem Prozess der Forschung, Kritik und Reflexion untersuchten die jungen Teilnehmer*innen aus Deutschland, Italien, Kroatien und Österreich die historischen Kunstwerke. Die Erkenntnisse aus ihren Recherchen setzen sie mit heutigen Werten und Geschehnissen in Verbindung.

Das Projekt verbindet nicht nur künstlerische, kulturelle und historisch-politische Jugendbildung, sondern  hat – anders als vor Ausbruch der Corona-Pandemie geplant – auch eine virtuelle Gedenk- und Friedensfeier anlässlich des Kriegsendes in Europa vor 75 Jahren geschaffen. Denn die ursprünglich geplante europäische Jugendbegegnung in der Region Melk in Österreich musste in den digitalen Raum verlegt werden.

Historischer Handschlag

Ursprünglich sollte eine Jugendbegegnung am geschichtsträchtigen Ort Erlauf bei Melk in Österreich Höhepunkt des Projekts sein. In der Nacht vom 8. Auf den 9. Mai 1945 gaben  sich dort ein sowjetischer und amerikanischer Soldat anlässlich des Endes des Zweiten Weltkriegs die Hand. Schon früh etablierte sich in Erlauf eine besondere Erinnerungskultur, die bis heute fortgeführt wird. Das Museum ERLAUF ERINNERT ist ein Ort für die übergreifende Auseinandersetzung mit lokaler Zeitgeschichte, Erinnerungskultur und gegenwärtiger Kunst.

Im Vorfeld hatte wie bei Erasmus+-geförderten Maßnahmen üblich ein Vorbereitungstreffen mit jeweils einer*einem Vertreter*in der beteiligten Gruppen aus Zagreb, Bozen, Berlin und Melk vor Ort in Melk statt. Anschließend arbeiteten die Teilnehmer*innen überwiegend in ihren nationalen Gruppen und wurden dabei jeweils von einer*m professionellen Künstler*in unterstützt.

Aus analog wird digital

„Es war geplant, dass die Jugendlichen vor der Begegnung im Mai 2020 in ihren nationalen Gruppen arbeiten, um dann im Mai zusammen an ihren Projekten weiterzuarbeiten und es zu einem gemeinsamen Ergebnis zusammenzuführen.“, berichtet Dr. Roman Fröhlich, pädagogischer Leiter bei der Stiftung Wannsee Forum in Berlin und Mit-Initiator des Projekts. Als klar wurde, dass die Vor-Ort-Begegnung in Melk wegen der Covid-19-Pandemie nicht stattfinden kann, wurde schnell ein Chat für die Kommunikation und den informellen Austausch unter den Teilnehmenden eingerichtet. „Der wurde jedoch nicht so gut wie gewünscht angenommen. Ob die Teilnehmenden untereinander auf anderen Wegen miteinander kommunizieren, weiß ich nicht.“, so Fröhlich weiter. Damit sich alle Projektteilnehmer*innen kennenlernen konnten, erarbeiteten sie kurze Vorstellungsvideos in Form von Interviews, die allen Gruppen über eine Plattform zur Verfügung gestellt wurden. So hatten die Jugendlichen die Möglichkeit auf Hintergrundinformationen und Videos zu den Online-Treffen zu zugreifen.

Die digitale Projektumsetzung eröffnete mehr Jugendlichen die Möglichkeit einer Teilnahme und auch geflüchtete Jugendliche, die aufgrund ihrer Aufenthaltserlaubnis nicht hätten ausreisen dürfen, konnten nun doch noch am Projekt teilnehmen.

Dr. Roman Fröhlich, Stiftung Wannsee Forum Berlin

Hätte das Projekt als Begegnung vor Ort stattgefunden, wäre die Teilnehmer*innenzahl durch das Budget begrenzt gewesen und die Beteiligung von Personen mit einer Duldung wäre nicht möglich gewesen, wegen der geltenden Aufenthaltsvorschriften. Nun konnten alle die wollten teilnehmen und deutlich mehr Personen sahen die Ergebnisse: Der Stream wurde bisher 20.000 Mal aufgerufen.

Durch die digitale Ausrichtung des Projektes konnten wir wesentlich mehr Menschen erreichen, als es mit der Begegnung in Erlauf der Fall gewesen wäre.

Dr. Roman Fröhlich, Stiftung Wannsee Forum Berlin

Die Ergebnisse sind in den kommenden Monaten aber nicht nur online, sondern auch in mehreren Ausstellungen zu sehen. Aktuell wird ein Teil der Ergebnisse im Museion in Bozen ausgestellt. Danach folgen Ausstellungen im Museum für zeitgenössische Kunst Zagreb, im Museum ERLAUF ERINNERT und der Gedenkstätte Melk. Der Ort für die Präsentation in Berlin steht derzeit noch nicht fest. Das Projekt wird als Beispiel des Europarates für gute Praxis in der Jugendarbeit in Zeiten der Corona-Pandemie genannt.

Über das Projekt

Partner:

Verein Hasenherz, Verein MERKwürdig –Zeithistorisches Zentrums Melk mit der FH St. Pölten (Österreich), Stiftung wannseeFORUM Berlin (Deutschland), MSU Museum of Contemporary Art Zagreb (Kroation), Museion Bozen (Italien)

Laufzeit:Herbst 2019 bis Herbst 2021
Projekt-Website und -Blog:

https://culture-of-resistance.eu

Förderer:Europäische Union im Rahmen von Erasmus+ JUGEND IN AKTION, Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich, Zukunftsfonds der Republik Österreich, Nationalfonds der Republik Österreich, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie Berlin, Viertelfestival Niederösterreich

Zitiervorschlag

BKJ: Eine digitale Gedenk- und Friedensfeier
https://www.bkj.de/internationales/wissensbasis/beitrag/eine-digitale-gedenk-und-friedensfeier/
Remscheid und Berlin, .

  • Corona-Krise
  • Medienbildung
  • Interkulturelles Lernen
  • Jugendaustausch
  • Europäische Union
Typo: 246

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