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Fachbeitrag

Was bedeutet „Kultur macht stark“?

Selbstbestimmung und das gute Leben als sozialpädagogische Perspektiven für die kulturelle Jugendarbeit

04.08.22

„Kulturelle Bildung stärkt in erster Linie unsere Menschlichkeit.“ So endet der Abstract von Mark Schrödter zu seinem Beitrag über die Frage „Was bedeutet ‚Kultur macht stark‘?“, der zum Ende der zweiten Förderphase des gleichnamigen Bundesprogramms erscheint.

Von Mark Schrödter

Prof. Dr. Mark Schrödter ist seit 2010 Professor für Sozialpädagogik des Kindes- und Jugendalters an der Universität Kassel. Seine Arbeitsschwerpunkte sind u. a. Theorie der Sozialpädagogik und Professionalisierung Sozialer Arbeit.

Der Beitrag diskutiert für Pädagogik und kulturelle Jugendarbeit relevante Begriffe wie selbstbestimmtes Leben, Autonomie, eigener Wille, wertvolles Tun. Er skizziert die drei großen Ansätze von Theorien des guten Lebens, die in der Literatur unterschieden werden: die Lusttheorie, die Wunschtheorie und die Gütertheorie und hinterfragt diese im Hinblick auf ihre Unterschiede und Bedeutungen für pädagogische Praxis und kulturelle Jugendarbeit.

In der kritischen Auseinandersetzung mit diesen Ansätze und vor dem Hintergrund der aristotelischen, tugendethischen Theorietradition nach MacIntyre wird herausgearbeitet, wieso die Kulturelle Bildung einer der wenigen Bereiche sein dürfte, in denen Kinder und Jugendliche die Selbstzwecklichkeit wertvollen Tuns in ihrer Reinform erfahren können: Dieser Theorietradition zufolge sollte unser Leben nicht mit der Einstellung und in der Haltung geführt werden, alles möglichst effizient zu machen, sondern in einer Haltung, wertvolle Dinge zu tun, und diese Dinge auf eine gute, exzellente Weise zu tun.

Für die Pädagog*innen in der Kulturellen Bildung ergibt sich eine große Verantwortung. Sie sind gewissermaßen die Hüter*innen des Wertvollen, die Kinder und Jugendliche befähigen, exemplarisch in der Kunst das zu erfahren, was wir im Idealfall in sämtlichen Bereichen unseres Lebens erfahren wollen und wie wir im Idealfall unser Leben führen sollten.

Die BMBF-Förderlinie und die Frage, macht Kultur stark, aufgreifend, ließe sich festhalten: Wir fördern und machen Kultur nicht, weil sie stark macht. Viele Dinge im Leben machen stark, aber es kommt darauf an, dass man auf eine vernünftige Weise und zu vernünftigen Zwecken stark ist. Wir fördern und machen Kultur, weil sie auf eine gute Weise stark macht, nämlich das stärkt, was uns als Menschen, als Kulturwesen ausmacht. Kulturelle Bildung stärkt in erster Linie unsere Menschlichkeit.

Der Beitrag ist aus einem Vortrag Mark Schrödters für die Fachtagung „Kultur macht stark?! Potenziale der Kulturellen Bildung für eine selbstbestimmte Generation“ der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) vom Juli 2022 hervorgegangen und steht nunmehr auf der Wissensplattform Kulturelle Bildung Online zur Verfügung.

Zum Beitrag „Was bedeutet ‚Kultur macht stark‘?“ auf der Wissensplattform Kulturelle Bildung Online

Lesen Sie auch: „Perfektion bitte!?“ – Im Gespräch mit Prof. Dr. Mark Schrödter, Universität Kassel

Zitiervorschlag

BKJ: Was bedeutet „Kultur macht stark“?
https://www.bkj.de/ganztagsbildung/wissensbasis/beitrag/was-bedeutet-kultur-macht-stark/
Remscheid und Berlin, .

    BKJ-Inhalt

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