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Aus der Praxis

Alle Bildungsakteure auf einen Nenner bringen

Aachen/Nordrhein-Westfalen

24.07.20

In der StädteRegion Aachen koordiniert das Bildungsbüro bereits seit 2009 die von vielen Akteuren gestaltete Bildungslandschaft. Hier werden eigene Themen und Schwerpunkte gesetzt, u. a. Partizipation. Doch wo liegen dabei die Herausforderungen für Akteure der Kulturellen Bildung und Jugendarbeit?

Theateraufführung Aachen

Freiräume für ein individuelles Lernerlebnis schaffen

Die Aachener Bildungslandschaft geht weit über die Stadtgrenzen hinaus. Seit 2009 bilden neun Gemeinden mit der kreisfreien Stadt Aachen die neue StädteRegion Aachen, als Rechtsnachfolgerin des Kreises Aachen. Als man sich hier für das Bundesprogramm „Lernen vor Ort“ bewarb, wurde von Anfang an für die gesamte Region gedacht. Nach Ende des Programms wurde das neu eingerichtete Bildungsbüro zu einem Amt der StädteRegion – mit übergreifender Zuständigkeit. Die Aufgabe: „gute Bildung vor Ort zu gestalten“, so beschreibt es Gabriele Roentgen, abgeordnete Lehrerin des Landes Nordrhein-Westfalen und zusammen mit Sascha Derichs im Leitungsteam des Bildungsbüros. Als Teil der „Regionalen Bildungsnetzwerke NRW“ koordiniert sie mit ihren Kolleg*innen die Zusammenarbeit der Bildungsakteure in der Region: Kindertagesstätten, Schulen, Hochschulen, Träger der Jugendhilfe und Weiterbildung, Kammern und Wirtschaft, die Kommunen, das Land Nordrhein-Westfalen und viele weitere müssen zusammengebracht werden.

„Die Grundidee war, die Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt zu stellen und von denen aus zu denken: Wo leben sie, wo bewegen sie sich und was brauchen sie für ihre bestmögliche Förderung, Ausbildung und Persönlichkeitsbildung“, sagt Gabriele Roentgen. „Den Blick auf Bildung hat man dabei von Anfang an erweitert“, ergänzt Sascha Derichs. Durch das Öffnen von formellen Bildungseinrichtungen für externe Partner wie Jugendeinrichtungen und Vereine sowie durch ein breit gefächertes und vernetztes außerschulisches und kulturelles Angebot können Kinder und Jugendliche individuellen Bedürfnissen nachgehen und lernen so, ihr Leben selbst zu gestalten. „In der Kulturellen Bildung öffnen sich Türen und große Freiräume für Kinder und Jugendliche. Dort können sie interessenorientiert und ohne curriculare Vorgaben Dinge erproben, sich ausprobieren, erleben. Da ist die Zusammenarbeit von Schulen, Kitas, Trägern der Jugendarbeit und Kulturellen Bildung von großer Bedeutung“, so Gabriele Roentgen.

Viele Aufgaben – viele Impulse

Die Mitarbeiter*innen im Bildungsbüro behalten den Überblick über Förderprogramme und können diese auf Stadt-, Regional- und Landesebene nutzen. Als eine Jugendeinrichtung auf der Suche nach finanziellen Mitteln für ein Theaterstück war, unterstützte das Bildungsbüro. Die Vereine und Träger werden so etwas entlastet, die schwierige Suche nach Projektgeldern erleichtert. Auch thematisch nimmt das Bildungsbüro eine Berater- und Unterstützerrolle für die Bildungsakteure ein, statt nur zu koordinieren: „Wir haben nicht nur die Partner zusammengerufen und einen Raum geschaffen, wo man sich verständigen konnte. Wir sind in den jeweiligen Themen selbst Partner geworden“, sagt Sascha Derichs. Bestmögliche Gestaltung der Übergänge von einem System ins andere für die Kinder und Jugendlichen, Schul- und Unterrichtsentwicklung, MINT-Förderung oder Kulturelle Bildung sind Themenbereiche, in denen die Mitarbeiter*innen des Bildungsbüros mittlerweile mit Expertise unterstützen können.

In der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen formellen Bildungsträgern und den Bildungsakteuren der Kulturellen Bildung sollten beide gleichwertig behandelt werden.

Sibylle Keupen

Durch junge Menschen neue Ansätze entwickeln

Seit 2010 gibt es zudem die Koordinierungsstelle Jugendpartizipation: Geführt wird sie von zwei Freiwilligen im FSJ Politik, angeleitet von einer*m studentischen Mitarbeiter*in. „Die Koordinierungsstelle verstehen wir als ein Handlungsfeld im Bildungsbüro“, beschreibt Sascha Derichs. „Denn wie man Kinder und Jugendliche erreicht, ist eine Frage, die man ohne Kinder und Jugendliche gar nicht ernsthaft beantworten kann,“ ergänzt Gabriele Roentgen. Mit der Bezirksschülervertretung, dem regionalen Schülergremium, wird kooperiert. Eine sogenannte Jugendbank finanziert Projekte von und für Jugendliche, auch im Bereich Kultureller Bildung. Den Zugang zur Politik ebnet die Koordinationsstelle, z. B. zum Städteregionstag, dem politischen Gremium der Region. „Neue Ansätze und junge Menschen erreichen – und das auf Augenhöhe“, das sei die Idee hinter dem Projekt, erklärt Sascha Derichs.

Verselbstständigung und gleichwertige Partnerschaften

Und wie funktioniert jetzt die Zusammenarbeit mit den Akteuren der Kulturellen Bildung? Die StädteRegion ist auch für sie von Vorteil, weil „gerade die außerschulischen Lernorte in Aachen stark von Schüler*innen der umliegenden Kommunen besucht werden“, erklärt Sascha Derichs. Die Akteure der Kulturellen Bildung können somit mehr Angebote für Kinder und Jugendliche realisieren, Schüler*innen direkter erreichen. Diese Einrichtungen sind zumeist auch im Netzwerk „KuBiS – Kulturelle Bildung in der StädteRegion Aachen“ miteinander verbunden. Sibylle Keupen ist Leiterin der Bleiberger Fabrik, einer Jugendkunstschule in Aachen, und Teil dieses Netzwerks. Das Netzwerk wird vom Bildungsbüro koordiniert und unterstützt Künstler*innen und Kultur- und Bildungseinrichtungen, die gemeinsam Projekte entwickeln. Mittlerweile haben sich außerdem etwa 18 Schulen in der Region auf den Weg gemacht, Kulturschule zu werden: Sie haben Angebote Kultureller Bildung mit externen Partnern systematisch in Schule und Unterricht verankert.

Doch Netzwerktreffen, Gremien und Konferenzen kosten viel Zeit und Personal. Zwei Dinge, die bei Vereinen und freien Trägern oft Mangelware sind. „Wenn wir als Akteure der Kulturellen Bildung in der Bildungslandschaft und in den Netzwerken eine Rolle spielen sollen, dann braucht es auch hier mehr finanzielle und personelle Mittel“, so Sibylle Keupen. Auch zahlenmäßig bräuchten gerade freie Träger der kulturellen Jugendarbeit eine höhere Repräsentanz im Netzwerk. Eine koordinierte Interessengemeinschaft der freien Träger und Vereine der kulturellen Jugendarbeit wäre ein Weg, um die Anliegen besser und gezielter in den Netzwerktreffen vorbringen zu können, meint Sibylle Keupen.

Die Bleiberger Fabrik gestaltet u. a. das Nachmittagsangebot in einer Halbtagsschule in Aachen. Der Kontakt zu Schulen und die Etablierung der Angebote innerhalb dieser Strukturen sind eine bewusste Entscheidung gewesen. „Wir gehen in die Gesamt- und Realschulen, um vor allem den Kindern und Jugendlichen einen Zugang zu Kultureller Bildung zu ermöglichen, denen sonst der Zugang fehlt“, erläutert die Leiterin der Bleiberger Fabrik. Zudem haben Jugendliche die Möglichkeit, sich später in der Jugendkunstschule zu engagieren. „Verselbstständigung“, nennt Sibylle Keupen diesen wichtigen Prozess. Denn: „Es wird jungen Menschen Raum für Selbstermächtigung, Selbstverwaltung und Selbstwirksamkeit gegeben.“

Die Strukturen der Bildungslandschaft in der StädteRegion Aachen sind an sich gut entwickelt. Alle Bildungsakteure gleichermaßen in diese Strukturen einzubinden, steht allerdings noch auf der Agenda. „In der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen formellen Bildungsträgern und den Bildungsakteuren der Kulturellen Bildung sollten beide gleichwertig behandelt werden“, wünscht sich Sibylle Keupen, „denn sie bringen beiden Seiten einen großen Mehrwert.“

Text: Maxi Böhme

Der Text ist erstveröffentlicht in der Arbeitshilfe „Bildungslandschaften. Perspektive Kinder- und Jugendarbeit“ der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (2019):

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Zitiervorschlag

BKJ: Alle Bildungsakteure auf einen Nenner bringen
https://www.bkj.de/ganztagsbildung/wissensbasis/beitrag/alle-bildungsakteure-auf-einen-nenner-bringen/
Remscheid und Berlin, .

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