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Aus der Praxis

„Creatival“: Ein Festival der Jugend

„Creatival – Art of Nature“, Kulturladen Dresden e. V., Thalheim/Dresden

23.11.23

Ein Festival, gemacht von Jugendlichen für Jugendliche: Das „Creative Art of Nature“ setzte auf Partizipation, Kreativität und Naturerlebnisse. Und schuf einen Ort für alle – Bühnen-Momente und echte Gemeinschaft inklusive.

Von Madeleine Penny Potganski

Im Juni 2023 veranstaltete der Kulturladen Dresden mit einer selbstorganisierten Jugendgruppe und verschiedenen Kulturvereinen das „Creative Art of Nature“. Jugendliche übernahmen die Hauptrolle bei der Programmplanung, organisierten vor Ort spontane Workshops und präsentierten eigene Performances. Das Festival im Erzgebirge vereinte Zirkus, Theater, Tanz, Musik und Naturpädagogik auf einem Waldcampingplatz mit Zeltlager-Spirit.

Sie hat gemerkt, dass sie anderen was beibringen kann und das angenommen wird – und dadurch ihre eigene Stärke gespürt.

Jennifer Werner

Freiheit und Entfaltung

Jede*r durfte dort partizipieren und eigene Ideen umsetzen. „Es war eine Mischung aus Bühnenperformance und Workshops“, so Jennifer Werner, Projektleitern des „Creatival“ sowie Eventmanagerin, Erzieherin und freiberufliche Zirkuspädagogin im Kulturladen Dresden. „Es gab ein großes Interesse, auf der Bühne zu stehen und gehört zu werden. Die Open Stage hätte auch fünf Stunden gehen können.“

Alle Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, vorab online über das Programm abzustimmen. Wer wollte, meldete sich spontan vor Ort für die Open Stage an oder führte eigene Workshops im Feel Free Space durch – ob Akrobatik, Jonglage oder Siebdruck. Unerwartetes Highlight: Die morgendliche Yoga-Session um 7.30 Uhr.

Partizipative Methoden: Salon und VIPP

Die Planungsgruppe, bestehend aus 14 bis 21-Jährigen mit einer gemeinsamen Leidenschaft für Zirkusarbeit, gestaltete den gesamten Prozess des „Creativals“ von der Idee bis zur Umsetzung. Erfahrene Dozent*innen aus den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Eventmanagement und Veranstaltungstechnik unterstützten die Jugendlichen. Sie nutzten hauptsächlich zwei partizipative Methoden: die Salonmethode und die VIPP-Methode.

Die Jugendlichen sammelten, sortieren und visualisierten Ideen, clusterten diese zu Themenblöcken und bearbeiten sie anschließend in Kleingruppen. Gemeinsam wurde zu jedem Thema ein Konsens gefunden, konkrete Handlungsstrategien und Zeitpläne wurden weiterentwickelt. „Es gab in der Gruppe drei bis vier Jugendliche, die gut die Gruppenleitung übernehmen konnten, während andere sich nur zu bestimmen Punkten aktiv eingebracht haben. Die jeweiligen Stärken und Schwächen wurden ausgeglichen und von der Gruppe mitgetragen“, hebt Jennifer Werner hervor.

Die am Projekt beteiligten Erwachsenen – erfahrene Pädagog*innen und künstlerische Fachkräfte – sahen sich als Unterstützer*innen im Entwicklungsprozess der Jugendlichen und schufen dafür einen Raum. Als Ansprechpartner*innen standen sie stets zur Verfügung, traten jedoch niemals als „Ausgestalter“ der Veranstaltungsinhalte in den Vordergrund.

Inklusion und Selbsterfahrung

Mit großer Zugewandtheit und Respekt vor individuellen Grenzen wurden Teilnehmer*innen ermutigt, ihre Talente zu zeigen und sich auszuprobieren. Selbst diejenigen mit weniger positiven Erfahrungen in anderen Formaten konnten sich auf der Bühne präsentieren. Jennifer Werner berichtet: „Ein Mädchen hat gesagt, ihr ging es vorher total schlecht. Als sie dann einen Kunst-Workshop gegeben hat, war das ein sehr positives Erlebnis. Sie hat gemerkt, dass sie anderen was beibringen kann und das angenommen wird – und dadurch ihre eigene Stärke gespürt.“

Vielfältige Kooperationen

Das im „Zukunftspaket für Bewegung, Kultur und Gesundheit“ der Bundesregierung geförderte „Creatival" setzte auf vielfältige Kooperationspartner: Die FLINTA* HipHop Crew „Gems Crew“ mit Basis in Leipzig. Das Dresdner Zentrum für urbane Kultur „84TIL e.V.“, gemeinsam mit der Breakdance Gruppe „The Saxonz“. Verschiedene Zirkusvereine aus Görlitz und Chemnitz. Auch die Jugendband „Deep in Moon“ und die Hamburger Künstlerin „Listen to Bowie“ gestalteten das Festival mit.

Eine wichtige Rolle spielten auch freie Schulen, zum Beispiel die Freie Montessori Schule „Huckepack“ und die Freie Waldorfschule Dresden. Die Zusammenarbeit mit staatlichen Schulen war eher schwierig. „Kreative Angebote werden von alternativen Schulkonzepten, die das schon gewohnt sind und wo Elterninitiativen dahinterstehen, besser genutzt“, weiß die Projektleiterin Jennifer Werner.

Gemeinschaft unter Bäumen

Die erfolgreiche Durchführung des Festivals wurde zudem maßgeblich durch den Veranstaltungsort beeinflusst. Der Waldcampingplatz in Thalheim bot, umgeben von wilder Natur, eine einzigartige Kulisse im Erzgebirge. Diese besondere Lage trug dazu bei, Jugendkultur, Zirkus, Theater, Musik und Kunst auf einzigartige Weise mit Naturerlebnis, Camping-Atmosphäre und Lagerfeuer unterm Sternenhimmel zu verbinden.

„Alle waren dankbar für die Gemeinschaft, haben zusammen gekocht und abgespült“, erinnert sich Jennifer Werner. Es gab eine „unglaublich schöne Nähe“. Jugendliche, erwachsene Dozent*innen und angereiste Künstler*innen übernachteten gemeinsam auf dem Campingplatz. Und fanden neue Freund*innen. Jennifer Werner beschreibt die Stimmung der Jugendlichen: „Boah, die sind schon berühmt und die sind auch bei uns, sitzen mit uns am Abendbrottisch, auch die Dozent*innen sind dabei, ich kann hier genauso mitmachen und bin ein wichtiger Teil.“

Veränderung gestalten

Die Jugendlichen konnten nicht nur in Workshops und auf der Bühne, sondern auch im umweltpädagogischen Open Space Erfahrungen austauschen, um aktiv Veränderungen in ihren Gemeinden oder Jugendeinrichtungen anzugehen – beispielsweise mit konkreten Maßnahmen zum Umweltschutz im Alltag. „Manche haben dann beschlossen, regelmäßig einen handyfreien Sonntag zu machen mit dem Gefühl, ‚selbst wenn ich was Kleines mache, ändert es was‘“, erzählt Jennifer Werner.

Raum für Visionen

Offene und partizipative Formate wie das „Creatival“, die spontan auf Ideen reagieren, sind essenziell. Kinder und Jugendliche ohne Anbindung an etablierte Freizeitsysteme wissen oft nicht, wo ihre Interessen und Stärken liegen. Daher haben Jennifer Werner und das gesamte Team im Projekt die Möglichkeit einer spielerischen Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten geschaffen. Und das in einem wertschätzenden, sicheren Raum, damit auch der nachhaltige Wunsch nach Beteiligung geweckt wird.

Was es dafür braucht? Für gelungene Partizipation sind Raum, Zeit und finanzielle Unterstützung entscheidend. Jugendliche müssen ernst genommen werden, um eigene Visionen zu entwickeln. Wichtig dafür ist Kontinuität – oft im Konflikt mit Förderprogrammen, die jährlich neue Konzepte und Partner verlangen und der Realität solcher Projekte nicht gerecht werden, weiß Jennifer Werner. Und auch Mitarbeiter*innen Künstler*innen und Dozent*innen verdienen natürlich eine angemessene Vergütung, denn die Komplexität solcher Prozesse kann nicht allein im Ehrenamt bewältigt werden. Jennifer Werner betont: „Demokratie braucht Zeit, und die muss honoriert werden.“

„Creatival“ ist Preisträgerprojekt im MIXED UP Wettbewerb für kreative Kooperationsprojekte 2023.

„Gelungene Partizipation in Kooperationsprojekten der Kulturellen Bildung“: Der MIXED UP Wettbewerb zeichnet 2023 Projekte aus, die sich in Kooperationsteams der Herausforderung gelungener Partizipation innerhalb kultureller Bildungsprojekte stellen.

Dabei geht es insbesondere darum, dass junge Menschen ihre Anliegen und Interessen in die Entwicklung und Umsetzung der Projekte und Angebote einbringen, über Inhalte und Abläufe mitentscheiden und einen demokratischen Raum erleben können, der die Kinderrechte auf Förderung, Beteiligung und Schutz achtet.

„Creatival – Art of Nature“ leistet dafür einen wichtigen Beitrag und erhält für die herausragende Durchführung diese Auszeichnung.

Das sagt die MIXED UP Jury:

Das Projekt „Creatival – Art of Nature“ wurde in Zusammenarbeit einer selbstorganisierten Jugendgruppe und dem Kulturladen Dresden entwickelt. In verschiedenen Kooperationsprozessen mit einer FLINTA*-Hip-Hop-Crew sowie einer Breakdance-Gruppe zeigt das Projekt eindrucksvoll, welches Potenzial in Engagement und Teilhabe steckt. Die jungen Menschen erhielten Unterstützung von Teamer*innen, die gemeinsam mit ihnen Open Stages konzipierten und einen „Feel Free Space“ für peer-to-peer-Begegnungen schufen. Die Angebote erstreckten sich über kultur-, natur- und umweltpädagogische Ansätze im Bereich Zirkus, Theater, Tanz und Musik.

Besonders bemerkenswert ist, dass alle Entscheidungen in diesem Projekt auf basisdemokratischer Ebene von der Jugendgruppe in Zusammenarbeit mit der Projektleitung getroffen wurden, wodurch die Jugendlichen die zentralen Gestalter*innen ihres Projekts sein konnten. Die MIXED UP Jury freut sich, dass dieses Projekt machkritische Freiräume für junge Menschen so kreativ und stringent in den Mittelpunkt stellt.

Projektwebsite

Website und Instagram

Projektträger

Kulturladen Dresden e. V.

Kooperationspartner  

Zitiervorschlag

BKJ: „Creatival“: Ein Festival der Jugend
https://www.bkj.de/ganztagsbildung/mixed-up-wettbewerb/wissensbasis/beitrag/creatival-ein-festival-der-jugend/
Remscheid und Berlin, .

  • Partizipation
  • Ländlicher Raum

BKJ-Inhalt

Typo: 357

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