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Interview

In die Zukunft leuchten: Klima, Digitalisierung, Bildung

Im Gespräch mit Marie Borst, engagiert bei „Jugend Macht Zukunft“, Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt

18.08.21

Marie Borst beschäftigen so unglaublich viele Themen. Und mit ihr machen sich weitere Jugendliche, unterstützt vom Kinder- und Jugendring in Sachsen-Anhalt, daran, Themen, die jungen Menschen wichtig sind, an die Politik zu bringen. Und für Veränderung zu sorgen.

Marie Borst ist 19 Jahre alt, sie hat im Sommer 2020 ihr freiwilliges politisches Jahr beendet und studiert jetzt VWL in Magdeburg. Über das FSJ ist sie auf das Projekt „Jugend Macht Zukunft“ aufmerksam geworden. Sie möchte sich am politischen Geschehen beteiligen und die Interessen junger Menschen vertreten.

„Jugend Macht Zukunft“ ist ein Jugendbeteiligungsprojekt des Kinder- und Jugendrings Sachsen-Anhalt e. V. in Kooperation mit dem Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt, welches mittels vielfältiger Aktionen und Methoden die Partizipationsstrukturen von jungen Menschen in Sachsen-Anhalt stärken, ausbauen und nachhaltig sichern will.

Du engagierst dich bei dem Projekt „Jugend Macht Zukunft“. Worum geht es dabei?

Das ist ein landesweites Jugendbeteiligungsprojekt in Sachsen-Anhalt vom Kinder- und Jugendring. Und unser Ziel ist, die Interessen von Jugendlichen auf Landesebene zu vertreten und auch langfristig Strukturen zu entwickeln, damit die weiterhin vertreten bleiben. Dafür arbeiten nicht nur Erwachsene, sondern auch wir jungen Leute. Wir nennen uns „Junge Zukunftsgestalter und -gestalterinnen“, treffen uns und besprechen Themen, die gerade relevant sind, bzw. haben wir uns auch Leuchtturm-Themen gesetzt.

Die Leute überhaupt darauf aufmerksam zu machen, dass da eine ganze Welt voller Möglichkeiten existiert, wo man sich beteiligen kann, ist extrem wichtig. Ich habe das in der Schule nie wirklich realisiert, dass ich mich irgendwo engagieren könnte.

Marie Borst, engagiert bei „Jugend Macht Zukunft“

Und was genau ist deine Aufgabe in dem Projekt?

Es gibt regelmäßige Treffen und dort diskutieren wir. Das, worauf wir uns geeinigt haben, wird dann von unseren beiden Hauptamtlichen in die Verwaltung und Politik weitergetragen. Und dann gibt es natürlich auch noch parallel dazu Veranstaltungen, wo dann auch wir jungen Leute mit Politikern und Politikerinnen sprechen. Zum Beispiel letztens haben wir die Umweltministerin von Sachsen-Anhalt interviewt. Da haben dann wirklich wir geredet und Fragen gestellt.

Du hattest gesagt, es geht um Leuchtturm Themen. Welche sind das?

Derzeit sind die beiden Leuchtturm-Themen Nachhaltigkeit und konsequenter Klimaschutz. Die hatten sich aus den letzten Jahren so ergeben, gerade weil das Thema im Moment so relevant ist. Wir haben letztes Jahr eine Workshopreihe gemacht und da kam als Feedback zurück, dass diese Themen eben gerade den jungen Leuten wichtig sind. Und da wir deren Interessen vertreten, haben wir uns natürlich den Themen angenommen. In den Jahren davor waren das Mobilität und Digitalisierung. Die Themen wechseln immer mal, aber wir versuchen natürlich trotzdem am Ball zu bleiben.

Was beschäftigt dich am meisten, für welches Ziel brennst du?

Mich beschäftigen so unglaublich viele Themen, auch über das Projekt hinaus. Im Projekt ist es wahrscheinlich unsere Kernforderung, dass Sachsen-Anhalt nachhaltiger wird. Eine Forderung wäre z. B. nachhaltige Energien auszubauen. Da ist Sachsen-Anhalt ja eigentlich sogar ein Vorreiter und wir sind der Meinung, wir sollten diese Vorreiterrolle jetzt bewahren und nicht, wie es im Moment passiert, Stellen abbauen in dem Bereich.

Was macht dir an dem Projekt besonders Spaß?

Eigentlich alles. Die Diskussionen, dass das alles so auf einer Augenhöhe ist und wir wirklich miteinander reden können. Dass es nicht nur nach außen geht und dann passiert nichts am Ende. Ich bin ja noch nicht mal ein Jahr dabei und trotzdem sehe ich schon, wie sich die ganzen Dinge, die ich auch mit angestoßen habe, weiterentwickeln. Das ist etwas, was mir sehr viel Freude bereitet.

Wenn du gerade auf das aktuelle Weltgeschehen blickst, was beschäftigt dich dabei am meisten?

Ein Thema, was mich im Moment sehr bewegt ist die Medienfreiheit. Auch in Deutschland kann viel schiefgehen, wenn Journalismus nicht mehr so arbeiten kann, wie er eigentlich arbeiten sollte. Das ist so eine Entwicklung, der ich mir auch erst vor ein paar Monaten richtig bewusst geworden bin. Ich würde sagen, dass ich schon immer sehr neugierig war und immer alles wissen wollte. Deswegen interessiert mich einfach, wie Leute über etwas berichten und dass eigentlich eine Geschichte immer zwei Seiten hat. Wenn man einmal den Fuß in der Tür hat, dann sieht man immer mehr und liest immer mehr.

Gibt es ein Thema, das gerade viele junge Menschen beschäftigt?

Auf jeden Fall. In meiner Schulzeit waren viele bei „Fridays for Future“ aktiv. Dann ist Digitalisierung natürlich für junge Menschen auch ein Riesenthema. Und worüber wir auch immer wieder stolpern: Dass Leute so schlechte Erfahrungen im Bildungswesen gemacht haben. Das ist ein weiteres Thema, was mich total beschäftigt, weil einfach so viel falsch läuft im Moment. Und dann auch die Verbindung zwischen Bildung und Digitalisierung, z. B. dass man jetzt einfach der Meinung ist, man gibt den Schulen Whiteboards und den Lehrern Laptops, und damit ist das Problem gelöst. Die drei Themen Klima, Digitalisierung, Bildung, glaube ich, sind sehr wichtig.

Wenn du sagst, da läuft so viel schief in der Bildung, was meinst du damit?

Das sind ganz viele Einzelthemen. Erstmal finde ich diesen Ansatz des Föderalismus sehr kompliziert. Und dann natürlich Lehrkräftemangel, das merkt man dann teilweise auch in den Schulen, wenn wirklich der Unterricht ausfallen muss. Grundsätzlich bin ich eigentlich für Gemeinschaftsschulen, aber trotzdem sehe ich auch Leute, die dort sehr schwierige Erfahrungen gemacht haben.

Was wünschst du dir von erwachsenen Entscheidungsträger*innen, um dich als junger Mensch auch weiterhin engagieren zu können?

Jugendbeteiligung braucht zwei Sachen: Einmal die jungen Leute, die es machen wollen und dann die Strukturen, die es möglich machen. Das ist, glaube ich, eine große Schwierigkeit bei der Jugendarbeit. Die Leute überhaupt darauf aufmerksam zu machen, dass da eine ganze Welt voller Möglichkeiten existiert, wo man sich beteiligen kann, ist extrem wichtig. Ich habe das in der Schule nie wirklich realisiert, dass ich mich irgendwo engagieren könnte. Und dann natürlich solche Strukturen, z. B. wie „Jugend Macht Zukunft“, die es den Leuten möglich machen, auch wirklich was zu bewirken. Das muss nicht auf Landesebene sein. Projekte vor Ort können helfen, dass die Jugendlichen sehen, dass sie etwas bewirken können und sie da unterstützt werden. Und natürlich müssen sie auch gehört werden von Leuten in Politik und Verwaltung. Die müssen dafür ein offenes Ohr haben.

Du bist eine Zukunftsgestalterin. Wie sieht deine ideale Zukunft denn aus?

Das sind so viele Sachen, die sich noch verändern können und müssen. Aber was ich mir wirklich wünschen würde, wäre, dass alle Leute, gerade junge Leute, die gleichen Chancen haben. Und ich glaube, das hat viel zu tun mit dem Bildungssystem. Auch die ganzen anderen Teilhabechancen, also auch auf Sport, auf Kultur. Ja, das wäre mir wichtig, dass alle Chancen haben, gefördert werden, Möglichkeiten haben, an Projekten teilzunehmen.

 

Der Beitrag ist erstveröffentlicht in: Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (2020): Zukunftsgestalter*innen. Mit Kunst und Kultur für die Gesellschaft aktiv. Arbeitshilfe. Berlin/Remscheid. S. 58 – 61.

Zitiervorschlag

BKJ: In die Zukunft leuchten: Klima, Digitalisierung, Bildung
https://www.bkj.de/engagement/wissensbasis/beitrag/in-die-zukunft-leuchten-klima-digitalisierung-bildung/
Remscheid und Berlin, .

  • Schule
  • Partizipation

BKJ-Inhalt

Typo: 332

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