Arbeitsfelder der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung



Initiative Transparente Zivilgesellschaft

BMFSFJ

NACHRICHTEN ZUR KULTURELLEN BILDUNG >>
/// Vier Jahre Kulturagentenprogramm: Was bleibt?



Nach vier Jahren Kulturagentenprogramm in Nordrhein-Westfalen (NRW) stellen sich die Fragen: Was konnte das Programm konkret bewirken? Welche Erkenntnisse lassen sich hinsichtlich einer langfristigen Verankerung von Kultureller Bildung in Schule ziehen?

von Bianca Fischer

In vier Jahren der Entwicklung, Erprobung und Reflexion wurden von den beteiligten Schulen – über Einzelprojekte hinaus – viele kleine und große Schritte hin zur strukturellen Verankerung von Kultureller Bildung im Schulprofil gegangen. Dabei hat sich gezeigt: Wenn außerschulische und schulische Akteure zusammen arbeiten, ist dies herausfordernd und bereichernd zugleich. Einerseits müssen alle Beteiligten bereit sein, sich zu öffnen, zu hinterfragen und zu verändern. Anderseits befruchtet Kooperation: Verantwortung und Aufgaben können geteilt werden, Partner können von- und miteinander lernen.

Die beteiligten Schulen in NRW sind in der Regel nicht erst durch das Kulturagentenprogramm zu kulturellen Angeboten in ihren Schulen und zu Kooperationen mit Kulturinstitutionen gekommen. Gerade in Nordrhein-Westfalen haben Landesprogramme wie „Kultur und Schule“ bereits vorher Einzelprojekte an der Schnittstelle gefördert. Das Kulturagentenprogramm bot den beteiligten Schulen aber die Möglichkeit, ihre bisherigen kulturellen Angebote zu bündeln, zu reflektieren und schließlich systematisch in den Schulalltag zu integrieren und darüber hinaus Kooperationen mit Kulturinstitutionen, Künstler/innen und der kommunalen Bildungslandschaft aufzubauen. Eines der ersten Instrumente, die im Rahmen des Programms entwickelt wurde, war daher ein Fragebogen, welcher zunächst der Bestandsaufnahme diente. Es folgten weitere Instrumente wie der schulbezogene „Kulturfahrplan“ zur Visions- und Zielentwicklung sowie der systematischen Planung von langfristigen Angeboten. Im Zuge dessen haben sich vielfach Kulturarbeitsgruppen bzw. Steuerungsgruppen an den beteiligten Schulen gebildet. Zudem entstand bei allen Projektbeteiligten, insbesondere bei den Schulen, eine höhere Bereitschaft zur Reflexion von Projekten auch in ihrem Zusammenspiel mit Blick auf den „Kulturfahrplan". Die Angebote wurden hinsichtlich ihrer künstlerischen, pädagogischen und der Kooperations-Qualität stärker von den Beteiligten unter die Lupe genommen. Dadurch konnte in einigen Kooperationsprojekten die Qualität der Angebote gesteigert werden. Auch wurde Neues ausprobiert und es wurden durch das Programm die Angebote in den Schulen mehr in ihrem Zusammenhang gesehen  und gezielt und im Voraus Schwerpunkte gesetzt. Die bewusste Entscheidung der Schule und insbesondere der Schulleitung zur Entwicklung eines kulturellen Schulprofils führte dabei häufig zu einer höheren Wertschätzung von Arbeiten, Projekten und Akteuren im Bereich der Kulturellen Bildung sowie der Künste in und mit Schule.

Im Rahmen des Programms entstanden darüber hinaus neue – teilweise auch fächerübergreifende – Angebote und Formate wie Themenklassen, Themenblöcke, Kulturtage oder Kulturprojektwochen sowie neue Fächer wie z. B. das kunstspartenübergreifende Fach „KReSCH“ an der Gesamtschule Weierheide, das den Schüler/innen Freiraum zur künstlerisch-kulturellen Entfaltung geben soll. Ebenfalls entstanden Kooperationsverträge mit Kultureinrichtungen, über die Dauer von Einzelprojekten hinaus, z. B. in Dortmund mit dem Museum Ostwall im Dortmunder U oder in Aachen mit dem Stadttheater.

Die Kulturagent/innen waren von Anfang an bei diesen Entwicklungen sehr wichtige Mittler/innen, Begleiter/innen, Berater/innen, Moderator/innen, Kurator/innen und Brückenbauer/innen zwischen den Akteuren aus Kultur und Schule. Ebenfalls nahmen die kulturbeauftragen Lehrer/innen  eine wichtige Rolle ein, die innerhalb der Schulen die Kulturagent/innen unterstützten und Sprachrohr zum Kollegium und zur Schulleitung waren.

Wo es gelang Kulturelle Bildung als festen Teil der Schulkultur, des Profils und des Identifikationsmomentes mit der Schule zu verankern, spinnt sich neben der Schulleitung, den Kulturagent/innen, den Kulturbeauftragten und den Kulturpartnern ein ganzes Netz von mitwirkenden Akteuren: von Hausmeister/innen,  Schulbibliothekar/innen über das Kollegium, die Schüler/innen  sowie Eltern bis hin zu Akteuren aus der Kommune, des Bezirks oder des Landes. Begünstigend wirkt sich es sich da aus, wo sich auch die Kommune und die Bezirksregierung etwa im Rahmen von kommunalen Gesamtkonzepten für Kulturelle Bildung stark machen und die unterschiedlichen Akteure und Aktivitäten in einer Region zusammendenken, Austausch ermöglichen und in Bildungslandschaften vernetzen.

Das Kulturagentenprogramm zeigt: Eine langfristige strukturelle Verankerung z. B. im Rahmen von Kulturfahrplänen kann nur in Koproduktion, im Zusammenspiel unterschiedlicher Partner gelingen. Alle Beteiligten inklusive der Leitungspersonen sollten dabei an einem Strang ziehen, sich gegenseitig wertschätzen und sich auf allen Ebenen gemeinsam für die kulturelle Profilierung der Schule engagieren, sich damit identifizieren und eine Kultur des Miteinanders entwickeln.

Bianca Fischer ist Leiterin des Landebüros NRW "Kulturagenten für kreative Schulen" bei der BKJ.

Weitere Informationen

Programm „Kulturagenten für kreative Schulen“

5273 mal gelesen

nach oben | zurück

/// TERMINKALENDER


Fachausschuss „Engagement und Ehrenamt“
04.10.2016 - Fulda
Schwerpunktthema der nächsten Sitzung des BKJ-Fachauschusses...
BKJ Logo

Tagung „Kulturelle Bildung und Netzwelten“
06.10.2016 09:45 - 16:30 Magdeburg
Die Servicestelle „Kultur macht stark“ der LKJ Sachsen-Anhal...

„Einfach machen!?“ Musik- und Kunstpädagogische Tagung des VdMK Brandenburg
07.10.2016–08.10.2016 - Neuruppin
Der Verband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg (VdMK)&n...





/// SOCIAL MEDIA


       

Kulturelle Bildung für alle!
Kinder- und Jugendrechte durchsetzen
Seite drucken | PDF der Seite erstellen | Seite empfehlen deliciousWhatsapp | Jobs | Kontakt | Sitemap | Impressum | Datenschutz