Arbeitsfelder der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung



Initiative Transparente Zivilgesellschaft

BMFSFJ

BUNDESTAGSWAHL 2013 >>
Erwartungen der Fachorganisationen Kultureller Bildung an die Bundespolitik

Die BKJ und ihre Mitglieder haben sich anlässlich der kommenden Bundestagswahl zu Herausforderungen und Zukunftsaufgaben einer Politik für Kulturelle Bildung positioniert. Im Folgenden sind die zentralen Erwartungen der BKJ an die politischen Parteien, die zukünftigen Bundestagsfraktionen und die Bundesregierung zur Förderung Kultureller Bildung in den Ressorts Jugend-, Kultur- und Bildungspolitik benannt.

I. TEILHABE AN KUNST, KULTUR UND BILDUNG VERBESSERN – FÖRDERUNG DER KULTURELLEN BILDUNG AUSBAUEN

Die BKJ, der Dachverband der Kulturellen Bildung mit 55 bundes- und landesweiten Fachorganisationen aus allen künstlerischen Bereichen, ist überzeugt: Wer bei Jugend und Kultur spart, schadet der Bildung und gefährdet soziale und kulturelle Inklusion. In einem Sozialstaat sind die Angebote Kultureller Bildung keine freiwilligen Aufgaben. Die Förderung der Kulturellen Bildung ist eine unverzichtbare öffentliche Aufgabe. Insbesondere Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf kulturelle Teilhabe und Bildung; so festgehalten in der UN-Kinderrechtskonvention (§ 31) und dem 8. Sozialgesetzbuch (KJHG, § 1 und § 11).

Jugend-, Kultur- und Bildungspolitik stehen in besonderer Verantwortung, Rahmenbedingungen für ein teilhabeoffenes, bedarfsgerechtes, verlässliches und vielfältiges Angebot an ästhetischer Praxis und Kultureller Bildung zu gewährleisten; von Anfang an und ein Leben lang: in Kita, Schule und Ausbildung ebenso wie in Kunst- und Kultureinrichtungen und den außerschulischen Bereichen von Jugendarbeit und -bildung. Im Rahmen ihrer Anregungsfunktionen und Zuständigkeiten ist auch die Bundespolitik gefordert, für die Unterstützung von Qualität und für den Ausbau kultureller Bildungsgelegenheiten Sorge zu tragen: in Bibliotheken, Chören und Orchestern, Medienprojekten, Jugendkunst- und Musikschulen, Kinos und Theatern, Literatur- und Tanzhäusern, Museen, Spielmobilen, Zirkusprojekten u. v. m.

Fachlichkeit, Kontinuität und gemeinsame Verantwortung absichern

Die Sicherung von Qualität und Vielfalt einer kulturellen Bildungslandschaft gelingt nur in der Gestaltung einer gemeinsamen Verantwortung und durch ein konsequentes Zusammenspiel von Öffentlichen und Freien Trägern. Die BKJ erwartet von der Jugend-, Kultur- und Bildungspolitik eine Förderpolitik,

  • die der Subsidiarität und dialogorientierten, partnerschaftlichen Zusammenarbeit verpflichtet ist,
  • die in allen künstlerischen und soziokulturellen Bereichen bundesweite Fachstrukturen dauerhaft (und über Legislaturperioden hinaus) sichert,
  • die in ressortübergreifender und koordinierender Perspektive einen verlässlichen Rahmen für auf Inklusion, Diversität und Teilhabegerechtigkeit ausgerichtete, bundeszentrale Angebote Kultureller Bildung bietet,
  • die mit weniger bürokratischen und zuwendungsrechtlichen Hürden und durch erhöhte Bundeszuwendungen das kontinuierliche Engagement von nicht-staatlichen Akteuren Kultureller Bildung anerkennt.

Die Gestaltung einer gemeinsamen Verantwortung für Kulturelle Bildung bedarf zudem einer Neuregelung des Zusammenspiels der föderalen staatlichen Ebenen. Die BKJ erwartet den Einsatz von Kultur-, Jugend- und Bildungs-politiker/innen dafür, dass das Kooperationsverbot in ein Kooperationsgebot umgewandelt wird, damit sich die politischen Handlungsspielräume des Bundes erweitern und dem großen gesellschaftlichen Bedarf an Kultureller Bildung (wie im nationalen Bildungsbericht 2012 aufgezeigt) auch mit einem Mehr an öffentlicher Verantwortung für Kulturelle Bildung entsprochen werden kann.

Insbesondere bei der Kinder- und Jugendpolitik des Bundes sieht die BKJ die Verantwortung, die bundeszentralen Infrastrukturen kultureller Kinder- und Jugendarbeit auf Dauer abzusichern. Sie erwartet, dass diese über den Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) gewährleistete Unterstützung aufgrund von neuen Strukturentwicklungen und Aufgabenfeldern, wie beispielsweise der Unterstützung ganztägige Bildungschancen durch Zusammenarbeit mit Schule, ausgeweitet wird und die Fördermittel im Programm „Kulturelle Jugendbildung“ in der nächsten Legislaturperiode bedarfsgerecht von derzeit 8,6 Mio. Euro auf wenigstens 10 Mio. Euro aufgestockt werden.

Von der Bildungspolitik erwarten die Mitglieder der BKJ, dass sie auf die Stärkung kreativer und künstlerischer Kompetenzen von Fachkräften in Kitas und Schulen hinwirkt, dass sie die Qualität der künstlerischen Un-terrichtsfächer durch bundesweite Fort- und Weiterbildungsinitiativen stärkt, dass sie Forschungslücken – beispielsweise zu den Partizipationsvoraussetzungen und Wirkungen Kultureller Bildungsangebote – zu schließen hilft, indem sie die Bundes-mittel für Wissenschaft und Forschung im Bereich der non-formalen Kulturellen Bildung deutlich aufstockt, und dass sie Chancen für eine neue Lernkultur und ganzheitliche Bildung durch Modellprogramme und Qualifizierungsmaßnahmen zur Förderung von Kooperationen der formalen Bildung mit Kunst- und Kulturpartnern verbessert.

Von der Kulturpolitik erwartet die BKJ, dass sie die Fördermittel für bundesweit vorbildliche Ansätze, Konzepte, Projekte und Strukturen der Kulturellen Bildung aufstockt und ihre Preise und Modellförderungen im Rahmen ihrer Anregungsfunktion und Verantwortung für Einrichtungen und Aufgaben von gesamtstaatlicher Bedeutung fortführt und konsequent ausweitet. Kulturpolitik für Kulturelle Bildung sollte vor allem mehr Verantwortung für Kinder und Jugendliche zeigen und jungen Menschen – unabhängig von ihrer finanziellen Lage und sozialen Herkunft – deutlich ausgeweitete Möglichkeiten der künstlerischen Begegnung eröffnen.

II. BESONDERE HANDLUNGSSCHWERPUNKTE FÜR MEHR POLITIK FÜR KULTURELLE BILDUNG

In die frühkindliche Kulturelle Bildung investieren

Dem quantitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung muss eine qualitative Weiterentwicklung der Frühen Bildung folgen. Der Förderung von Kreativität und ästhetischer Bildung kommt dabei ein zentraler Stellenwert zu. Über den Kinder- und Jugendplan des Bundes sollten bundeszentrale Infrastrukturen der Kulturellen Kinder- und Jugendbildung Möglichkeiten erhalten, Kooperationen mit Kitas, Angebote der Eltern- und Familienbildung sowie die Information und Beratung für Kulturelle Bildung von Anfang an zu verstärken. Die Bundesbildungspolitik sollte bei der Ausbildung von Erzieher/innen und in den Studiengängen zur Pädagogik der Frühen Kindheit Kompetenzen im Bereich der Kulturellen Bildung fördern und kreativ-künstlerische Ausbildungsinhalte stärken. Der Wert frühkindlicher Kultureller Bildung sollte durch mehr Forschungsförderung unterlegt werden. Die Bundeskulturpolitik könnte in ihrer Anregungsfunktion die „Kunst für Kleine“ durch Preise, Förderfonds und Modellvorhaben intensiver unterstützen.

Kulturelle Jugendbildung als Kernaufgabe eigenständiger Jugendpolitik stärken

„Faire Chancen für Jugendliche“, „gelungene Ressourcenaufteilung von Zeiten und Räumen“ sowie „Perspektiven und Zuversicht für ein Leben in Zukunft“ sind die Ziele der eigenständigen Jugendpolitik. Die Träger der Kulturellen Bildung sehen vielfältige Möglichkeiten, diese Schwerpunkte mit ihren Inhalten, Angeboten und Strukturen zu unter-stützen und begrüßen ausdrücklich das Interesse aller Fraktionen im Deutschen Bundestag, Jugend als politisches Handlungsfeld neu zu gewichten. Im Sinne von Befähigungs- und Teilhabepolitik gilt es, die Bildungsverantwortung der Kinder und Jugendhilfe als Kernaufgabe zukünftiger Jugendpolitik auszugestalten und hierfür vor allem die Jugendbildungsprogramme im Kinder- und Jugendplan des Bundes entsprechend anzuheben, so dass Jugendliche in der Bewältigung ihrer alterstypischen Aufgaben durch eine starke Jugend(kultur)arbeit und vielfältige, kulturelle Partizipationserfahrungen wirkungsvoll gefördert werden können.

Kooperationen mit Schule und die Mitgestaltung lokaler Bildungslandschaften unterstützen

Für die BKJ erschöpft sich Bildung nicht in der Weiterentwicklung des schulischen Bildungssystems. Jugend-, Kultur- und Bildungspolitik sind in ihren Zuständigkeiten gefordert, die Kulturelle Bildung im Schnittfeld von Jugend, Kultur und Schule quantitativ und qualitativ auszubauen und die Träger der Kulturellen Bildung in der Fort- und Weiterentwicklung ihrer Kooperationen mit diesen Feldern und der sozialen Arbeit zu unterstützen. Die BKJ erwartet von der Bundespolitik eine aufgabengerechte Förderung von innovativen Modellprojekten sowie Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, um die Basis für eine gemeinsame Arbeit von Kita, Schule, Jugendarbeit und Kultur zu schaffen und die Entwicklung sozialräumlich nachhaltiger Kooperationsnetzwerke zu begleiten. Der Kooperationspreis MIXED UP und die Förderung der bundeszentralen Fachstelle „Kultur macht Schule“ durch das Bundesjugendministerium sollten fortgeführt werden; ebenso das vom Bildungsministerium aufgelegte Programm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“.

Die Vermittlung von Medienbildung intensivieren und das Urheberrecht reformieren

Die BKJ erwartet mehr politisches Engagement für die Gestaltung und Entwicklung Kultureller Medienbildung. Ohne die ressortübergreifende Unterstützung auf Bundesebene sind die Veränderungsprozesse für Kultur und Bildung im digitalen Zeitalter nicht erfolgreich zu bewältigen. Die BKJ erwartet, dass die aufgeschobene Reform des Urheberrechts umgesetzt wird, damit die nicht-kommerzielle kreative Entfaltung, die heute vor allem im Internet stattfindet, nicht weiter kriminalisiert und mit unverhältnismäßiger Härte verfolgt wird. Nur eine Modernisierung des Urheberrechts sichert dessen gesellschaftliche Akzeptanz und dessen Fortbestand – und letztlich auch das finanzielle Auskommen von professionellen Kunst- und Kulturschaffenden.

Freiwilliges Engagement in Kultur und Bildung weiterentwickeln

Mittels Engagement in der Kultur sind Menschen jeden Lebensalters Zugänge zu gesellschaftlicher Teilhabe zu eröffnen. Freiwilligendienste, wie das FSJ Kultur und der BFD Kultur und Bildung, sind eine besondere Engagementform und Chance für lebensbegleitendes Lernen. Die Engagementpolitik des Bundes hat Rahmenbedingungen für gelingendes Engagement zu schaffen, so dass die BKJ und ihre Mitgliedsorganisationen für notwendige Informations-, Beratungs-, Vernetzungs- und Vermittlungsleistungen hinreichend ausgestattet sind und viele Menschen darin unterstützen können, sich freiwillig zu engagieren sowie an Jugend- und generationsoffenen Freiwilligendiensten zu partizipieren. Die BKJ erwartet, dass die vom Bund geförderten Platzkontingente für das FSJ und den BFD Kultur und Bildung in der kommenden Legislaturperiode deutlich angehoben werden und dass ihre Mitgliedsverbände und andere kulturelle Organisationen durch weniger bürokratische Regelungen bei Steuern, Abgaben und Ordnungsvorschriften in ihrer Förderung von freiwilligem Engagement belastet werden. Zum Bürokratieabbau für bürgerschaftliches Engagement gehört auch, das Zuwendungsrecht zu reformieren und zu vereinfachen. Zum Selbstverständnis des Bundes in der Umsetzung des Bundesfreiwilligendienstes stellt die BKJ fest, dass den Grundsätzen von gelebter Subsidiarität und dem Plazet freier Trägerschaft zur Entwicklung von Zivilgesellschaft nicht hinreichend Genüge getan wird. Die Planungen des Bundes, für ältere Engagierte im BFD die Förderpauschalen für Bildungsaufwendungen abzusenken, stellen die kulturellen Fachverbänden als unangemessen in Frage.

Interkulturelle, europäische und weltweite Dimension Kultureller Bildung stärken

Die BKJ erwartet von der Jugendpolitik einen engagierten Einsatz dafür, dass die neuen Förderprogramme der EU in den Bereichen Jugend und Bildung bei ihrer Umsetzung in Deutschland ausdrücklich für die Akteure der kulturellen Jugendbildung zugänglich und nutzbar gemacht werden. Die BKJ erwartet von der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik eine stärkere Einbeziehung der zivilgesellschaftlichen Akteure der Kulturellen Bildung in ihr strategisches Handeln sowie in die Zusammenarbeit mit den Mittlerorganisationen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, etwa um Kinder und Jugendliche sowie Fachkräfte der kulturellen Kinder- und Jugendbildung die Entwicklung von zivilgesellschaftlichen Strukturen in Partnerländern mitgestalten zu lassen. Die BKJ erwartet von der Bildungs-politik eine anregende Initiative auf Bundesebene, um das Wissen um die Möglichkeiten des internationalen Jugendkultur- und Fachkräfteaustauschs als Regelangebot in möglichst vielen Ausbildungsgängen der Kulturpädagogik und den Kulturwissenschaften zu entwickeln und zu verankern.

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BKJ-Positionspapier Grundlegend und ausführlich sind die für die BKJ vordringlichen, förderpolitischen Gestaltungsaufgaben und Erwartungen an eine zukunftsweisend kulturelle Bildungspolitik in gemeinsamer Verantwortung in dem Positionspapier „Kultur öffnet Welten – Mehr Chancen durch Kulturelle Bildung“ begründet.


Kostenlose Bestellung: biesenbach(at)bkj.de


BKJ-MitgliederbroschüreSpezifische Vorstellungen der Mitgliedsorganisationen der BKJ für die von ihnen vertretenen Sparten und Fachbereiche sind außerdem in der Broschüre „55 starke Partner – Gemeinsam für Kulturelle Bildung“ dargelegt.

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